90 Tote durch Suizid mit Sturmgewehr
Von Jürg Sohm. Aktualisiert am 29.05.2009 35 Kommentare
Hohe Siuizidrate
In der Schweiz kamen 2006 auf 100000 Einwohner im Durchschnitt 17,3 Suizide, 1991 lag diese Rate noch bei knapp 23. Im europäischen Vergleich hat die Schweiz eine relativ hohe Suizid-Rate. Vergleichbar ist diese etwa mit jener Frankreichs. Österreich liegt mit 15, Deutschland mit 12 und Italien mit 7 Suiziden auf 100000 Einwohner klar darunter, wie aus Statistiken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervorgeht (die Zahlen Österreichs und Deutschlands beziehen sich allerdings auf 2007/08, jene Italiens auf 2002). In Osteuropa liegt die Rate allerdings deutlich höher: An der Spitze, mit 30 bis 40 Suiziden pro 100000 Einwohner und Jahr, liegen Litauen, Weissrussland und Russland, gefolgt von Slowenien, Ungarn und Kasachstan (25 bis 26). Nach Informationen der WHO sterben jährlich rund eine Million Menschen durch Selbsttötung.
In der Debatte um die Heimaufbewahrung der Armeewaffen wird darüber gestritten, wie gross das Leid tatsächlich ist, das durch das Sturmgewehr im Schrank verursacht wird. Die Bürgerlichen, die an der Heimabgabe mehrheitlich nicht rütteln wollen, relativieren dabei mit Verweis auf fehlende Statistiken die Gefahren.
Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) hat gestern nun Zahlen zu den Suiziden veröffentlicht. Demnach scheiden in der Schweiz jährlich ungefähr 1300 Menschen freiwillig aus dem Leben. Rund ein Fünftel, 260 Menschen, begehen Suizid mittels Schusswaffen – bei den Männer-Suiziden ist es sogar jeder vierte. Bei rund einem Drittel dieser Schusswaffen-Suizide wird die Dienstwaffe benutzt. Gegen 90 Menschen nehmen sich somit pro Jahr mit dem Sturmgewehr oder der Ordonnanzpistole das Leben.
Votum für Waffeninitiative
Die Schweiz hält damit einen traurigen Europa-Rekord: In keinem anderen europäischen Land begehen so viele Menschen Suizid mittels Schusswaffen wie in der Schweiz. Die Obsan-Studie hält fest, dass in vielen Ländern durch gesetzliche Regelungen «eine Reduktion der Suizide erzielt werden konnte». Dabei geht es unter anderem um die Lagerung von Waffen.
Das liest sich als deutliche Aufforderung an den Gesetzgeber, die heutige Heimabgabe aufzugeben – und als Votum für die hängige Waffenschutz-Initiative. Bundesrat und Parlament haben die in den letzten Jahren immer wiederkehrende Forderung der Linken, die Waffen im Zeughaus wegzuschliessen, mehrfach abgelehnt. Deshalb wurde eine Volksinitiative lanciert, die Ende Februar mit 106000 Unterschriften eingereicht wurde.
Prävention ist möglich
Dass die Zahl der Suizide beeinflusst werden kann, zeigt sich laut der Studie an den Unterschieden in den Kantonen. In Kantonen mit nur wenigen hohen Brücken gibt es nur wenig Suizide durch Sprung in die Tiefe. «Diese Ergebnisse zeigen, dass die Zahl der Suizide keine fixe Grösse darstellt, sondern durch Präventionsmassnahmen günstig beeinflusst werden kann.»
Seit 1990 wird ein leichter Rückgang der Anzahl Suizide registriert, vor allem bei den Männern. So ist die Zahl der Selbsttötungen von über 1500 auf 1300 pro Jahr zurückgegangen. Bei den Männern wurden 1991 noch 1140 Suizide registriert, 2006 waren es noch 863. Bei den Frauen liegt die Zahl unverändert bei jährlich rund 400. Der Rückgang der Suizide wird auch international registriert. Die Gründe dafür sind laut Studie unklar.
(Der Bund)
Erstellt: 29.05.2009, 07:27 Uhr
Kommentar schreiben
35 Kommentare
Mit welcher Kälte mischen wir uns in das Leben oder Ableben anderer ein. Respektiert doch endlich den freien Willen jedes Einzelnen aus dem Leben scheiden zu wollen und das auch zu dürfen. Wir meinen immer alles aus unserer Optik ist richtig. Betrachtet es mal mit den Augen eines Suizidwilligen. Es ist sein Weg und sein Ziel. Also zeigt Grösse und akzepiert das! Antworten
Schweiz
Schweiz
Meistgelesen in der Rubrik Schweiz
- 1Roger de Weck in der Kritik
- 2Rohe Gewalt als Markenzeichen
- 3300 Einsprachen gegen Bauprojekte – Initianten gehen auf die Barrikaden
- 4Die seltsame Vergabepraxis des Bundesamts für Migration
- 5Möglicher Euro-Austritt: Bund arbeitet an Notfallplan
- 6«Die Schweiz muss intensiver nach Steuerbetrügern fahnden»
































