Schweiz

9200 Zeugen Jehovas beten im Hallenstadion um ihr Leben

Aktualisiert am 26.07.2009

Aus der ganzen Deutschschweiz sind die Gläubigen dieses Wochenende in das Zürcher Stadion gepilgert. Hauptthema an dem Mega-Anlass: Das Ende der Welt.

«Wir sind hier, um uns belehren zu lassen»: Die Zeugen Jehovas im Hallenstadion.

«Wir sind hier, um uns belehren zu lassen»: Die Zeugen Jehovas im Hallenstadion.
Bild: Keystone

Der Kongress unter dem Motto «Wacht beständig!» thematisierte das bevorstehende Ende der Welt. Dieses, so sind die Zeugen Jehovas überzeugt, komme «schon sehr bald». Auf konkrete Zeitangaben verzichten sie jedoch, weil sich drei Daten in den Jahren 1914, 1925 und 1975 als falsch erwiesen hatten.

Sehr viel mussten sich die Organisatoren des dreitägigen Kongresses nicht einfallen lassen: Die Zeugen Jehovas brauchen kein abwechslungsreiches Rahmenprogramm, keine Band, die den Gesang etwas aufpeppen würde, und auch kein Spezialprogramm für Kinder.

«Wir wollen bewusst nichts bieten. Wir sind hier, um uns belehren zu lassen», sagt Jehova-Sprecher Hans Jossi. Die biblische Belehrung sei der eigentliche Sinn dieser Veranstaltung. 47 Reden wurden an diesem Wochenende in Zürich gehalten, alle tief religiös und ernsthaft. Dennoch, sagt Jossi, sei dieser Kongress einer der Höhepunkte im Jahr für jeden Zeugen Jehovas.

30'000 Mitglieder in der Schweiz

Aus den zahlreichen Reden sollten die Mitglieder «Kraft zum Durchhalten» gewinnen, bis es so weit sei und die gegenwärtige Weltordnung mit ihren «korrupten Eigenschaften» und «verdorbenen Systemen» durch eine Herrschaft unter Jehova ersetzt werde - mit den Zeugen Jehovas als «glückliche Schar der Überlebenden».

Die «glückliche Schar» zählt in der Schweiz seit Jahren etwa 30'000 Mitglieder - auch die gegenwärtige Wirtschaftskrise liess diese Zahl nicht stark ansteigen. Man merke aber deutlich, dass bei vielen Menschen ein Interesse für religiöse Fragen erwacht sei, sagt Jossi. «Die Leute sind sensibler und auch offener für andere Werte geworden.»

In der Krise öffnen die Leute ihre Haustür

Dies zeige sich bei der täglichen Arbeit der Zeugen, also dem oftmals erfolglosen Klingeln an der Haustüre. «Wir werden nun eindeutig häufiger zu einem Gespräch in die Wohnung gebeten als in guten Zeiten.» Die Wirtschaftskrise und die daraus entstandene Verunsicherung habe schon manches Gespräch ermöglicht.

An diesem Wochenende entschlossen sich 22 Neumitglieder dazu, künftig als «Bruder» oder «Schwester» angesprochen zu werden. Für die Taufe tauchten sie in ein Schwimmbecken ab, das in der Mitte des Hallenstadions aufgestellt wurde. Schweizweit haben sich seit Anfang Jahr 212 Personen zu einem Beitritt entschlossen. (oku/sda)

Erstellt: 26.07.2009, 17:04 Uhr

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