AHV und IV fahren Verluste ein

2015 war für die Schweizer Sozialversicherungen schlecht. Die Kapitalanlagen von AHV und IV machten bis zu einem Prozent Minus.

Nach 7,1 Prozent Gewinn im Jahr 2014 nun 0,77 Prozent Verlust: Anlagerendite von AHV und IV im Minus.

Nach 7,1 Prozent Gewinn im Jahr 2014 nun 0,77 Prozent Verlust: Anlagerendite von AHV und IV im Minus. Bild: Stevan Bukvic/tillate.com

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Schlechtes Ergebnis bei den Ausgleichsfonds von AHV, IV und EO: Die Kapitalanlagen haben im vergangenen Jahr Verluste geschrieben. Betrug die Anlagerendite im Jahr 2014 noch 7,1 Prozent, sackte sie im vergangenen Jahr auf -0,77 Prozent ab.

Die Marktverhältnisse seien widrig gewesen, begründet Compenswiss, so der Sammelname der Ausgleichsfonds von AHV, IV und EO, das negative Ergebnis in einer Mitteilung. Das Anlagejahr 2015 beurteilt Compenswiss geradeheraus als «schlecht».

Negativzinsen, rückläufige Aktienmärkte und die Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze hätten sich negativ auf das Ergebnis ausgewirkt. Angesichts der Umstände sei es jedoch akzeptabel.

Fast ein Prozent Verlust bei der AHV

Bei der AHV beträgt der Verlust 0,97 Prozent. Bei der IV, deren Gelder immer etwas konservativer angelegt werden, beläuft sich das Minus auf 0,7 Prozent. Die AHV wäre dringend darauf angewiesen, mit ihren Anlagen Gewinn zu machen. Im Jahr 2014 konnte die Kasse so davor bewahrt werden, wegen ihres negativen Umlageergebnisses in die roten Zahlen zu rutschen.

Die AHV gab damals für Renten 320 Millionen Franken mehr aus als sie über Beiträge eingenommen hatte. Die Rendite von 7,1 Prozent verhinderte einen Verlust. 2015 gibt es jedoch keine Rendite, welche rote Zahlen verhindern könnte.

Trotz Reform drohen Verluste

2014 hatte das gute Anlageergebnis die AHV noch vor einem Verlust bewahrt. Nun aber drohen der Sozialversicherung rote Zahlen. Eine Reform ist aufgegleist, diese verspricht allerdings nur vorübergehend Linderung.

Nach 2030 dürfte die AHV wieder Verluste schreiben. Das ist der zeitliche Horizont der Reform «Altersvorsorge 2020», die derzeit beim Nationalrat liegt. Darüber hinaus könnten ohnehin keine vernünftigen Voraussagen gemacht werden, hatte Bundesrat Alain Berset im Ständerat erklärt.

Fehlbetrag von 1,1 Milliarden

Die kleine Kammer übernahm die zeitliche Perspektive des Innenministers. Mit ihren Beschlüssen verschlechterte sie aber die finanziellen Aussichten der AHV. Werden diese umgesetzt, dürfte das Umlageergebnis der AHV im Jahr 2030 fast 2 Milliarden im Minus liegen.

Der Bundesrat hatte mit seinen Reformvorschlägen einen Fehlbetrag von rund 1,1 Milliarden Franken einkalkuliert. In beiden Varianten sollte der AHV-Fonds im Jahr 2030 aber noch über eine ganze Jahresausgabe verfügen.

Loch in der Kasse

Ohne weitere Reformen geht es danach steil bergab mit der AHV: Gemäss den mit grossen Unsicherheiten behafteten Projektionen liegt das Umlageergebnis 2035 nach den Plänen des Bundesrats 4,3 Milliarden Franken im Minus, der AHV-Fonds enthält noch 69 Prozent einer Jahresausgabe. In der Variante des Ständerats beträgt das Loch 5,9 Milliarden, der Fonds-Stand liegt bei 61 Prozent.

Es sind die Beschlüsse des Ständerats, die zu diesen unterschiedlichen Perspektiven führen. Der Bundesrat hatte eine Mehrwertsteuererhöhung um 1,5 Prozent vorgeschlagen, die kleine Kammer beschloss aber nur einen Aufschlag von 1 Prozent. Der AHV entgehen dadurch im Jahr 2030 rund 1,8 Milliarden Franken.

Andererseits will der Ständerat der AHV das volle Demografieprozent zukommen lassen und die Beteiligung des Bundes an den AHV-Ausgaben auf dem heutigen Stand halten. Dadurch verbessert sich das Ergebnis der AHV im Jahr 2030 um fast 1,2 Milliarden Franken.

Abweichungen gibt es auch bei anderen Einnahmen- und Ausgabeposten. Beispielsweise hat der Ständerat den erleichterten Rentenvorbezug für tiefe Einkommen gestrichen. Damit sparte er 400 Millionen Franken. Andererseits verzichtete er auf Anpassungen bei den Witwenrenten, was 340 Millionen Franken kostet. Die Streichung der Massnahmen bei Selbständigerwerbenden schlägt mit 330 Millionen Franken zu Buche.

Kostspielige Rentenerhöhung

Zudem hat der Ständerat beschlossen, die AHV-Renten flächendeckend zu erhöhen. Damit will er der Vorlage politischen Rückhalt erkaufen. Die Kosten dafür belaufen sich im Jahr 2030 auf 1,39 Milliarden Franken.

Gegenfinanziert würde der Rentenzuschlag mit 0,3 Lohnprozenten, was der AHV 1,35 Milliarden Franken in die Kasse spülen würde. Diese Einnahmen bleiben von Jahr zu Jahr ungefähr gleich. Die Ausgaben hingegen wachsen weiter, weil immer mehr Rentner Anspruch auf die Zuschläge haben.

Zu einer gänzlich neuen Ausgangslage würde die Annahme der Initiative «AHVplus» des Gewerkschaftsbunds SGB führen. Diese verlangt 10 Prozent höhere AHV-Renten. Zur Finanzierung äussert sich das Volksbegehren nicht. (ofi/sda)

(Erstellt: 11.02.2016, 11:30 Uhr)

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