AKW Leibstadt muss bis Februar 2017 vom Netz

Bei Untersuchungen sind auf mehreren Brennstäben Oxidablagerungen entdeckt worden. Somit muss die Jahreshauptrevision verlängert werden.

Die Oxidschicht auf den Brennstäben bewege sich im Mikrometerbereich: Das Kernkraftwerk Leibstadt. (Archiv)

Die Oxidschicht auf den Brennstäben bewege sich im Mikrometerbereich: Das Kernkraftwerk Leibstadt. (Archiv) Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Nach Block 1 des AKW Beznau fällt nun auch das AKW Leibstadt für längere Zeit aus. Wegen Oxidablagerungen auf Brennstäben und einer damit notwendigen Neubeladung des Reaktorkerns bleibt das Kraftwerk voraussichtlich bis Februar nächsten Jahres vom Netz.

Während der Jahreshauptrevision seien lokale Verfärbungen an mehreren Hüllrohren der Brennelemente bzw. der Brennstäbe entdeckt worden, schreibt die Kernkraftwerk Leibstadt AG (KKL) heute in einer Mitteilung. Die notwendigen Untersuchungen hätten zu einer Verlängerung der Jahreshauptrevision geführt.

Mehrere Brennelemente betroffen

Die 0,6 Millimeter dicken Rohre der Brennstäbe, welche den Brennstoff umlagern und als Bündel die Brennelemente bilden, bestehen aus Zirconium, einem korrosionsbeständigen Schwermetall. Darauf habe sich eine Oxidschicht abgelagert, die sich im Mikrometerbereich bewege, hiess es beim AKW Leibstadt auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Seit August wurden mehrere visuelle Inspektionen und Oxidschichtmessungen durchgeführt. Nun hat sich laut der KKL-Mitteilung gezeigt, dass mehr Brennelemente Anzeichen für eine Oxidation aufweisen und die Wiederinbetriebnahme der Anlage nur mit einer neuen Kernauslegung möglich ist.

In den nächsten Wochen werden die betroffenen Brennelemente in Stand gestellt oder ausgetauscht. Parallel dazu werden die Berechnungen der neuen Reaktorkernbeladung dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) zur Prüfung eingereicht. Die Beladung soll im Januar 2017 erfolgen.

Greenpeace besorgt

Florian Kasser, Atomexperte von Greenpeace Schweiz, ist besorgt über den Befund. Der Brennelement-Schaden im AKW Leibstadt sei noch gravierender als bisher bekannt. «Dass noch mehr Brennelemente beschädigt sind, nährt die Vermutung, dass der Betreiber die Schuld an diesem Schlamassel trägt», heisst es in einer Mitteilung.

Es stelle sich die Frage, ob die Leistungserhöhung des AKW Leibstadt das Problem versursache oder dazu beitrage. Seit der Inbetriebnahme sei die Leistung um rund einen Drittel erhöht worden. Dies hätte dazu geführt, dass der Reaktor stärker beansprucht werde als ursprünglich vorgesehen. «Möglicherweise erhält Leibstadt nun die Quittung für den Versuch, die Zitrone bis zum letzten Tropfen auszupressen», so Florian Kasser. (nag/sda)

Erstellt: 06.10.2016, 12:27 Uhr

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