Schweiz

Abschreckende Anforderungen

Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 23.01.2012 13 Kommentare

Bei den Grünen stehen die Kandidaten für das Parteipräsidium Schlange, bei der FDP verläuft die Suche harzig. Die Hintergründe.

Die Nachfolger werden am 21. April gewählt: Fulvio Pelli (links) neben FDP-Fraktionschefin Gabi Huber, Ueli Leuenberger und Grüne-Nationalrätin Adèle Thorens.

Die Nachfolger werden am 21. April gewählt: Fulvio Pelli (links) neben FDP-Fraktionschefin Gabi Huber, Ueli Leuenberger und Grüne-Nationalrätin Adèle Thorens.
Bild: Keystone

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Wer am 21. April ins Präsidium der FDP oder der Grünen gewählt wird, hat keinen einfachen Job. Beide Parteien haben bei den eidgenössischen Wahlen 2011 Wähleranteil verloren, beide haben wenig Aussichten auf eine baldige Trendwende. Doch während bei den Grünen die Interessenten für das Parteipräsidium Schlange stehen, ist bei der FDP noch kein Kandidat in Sicht. Zumindest keiner, der seine Kandidatur öffentlich macht.

Woran liegt es? Man könne die Parteien nicht miteinander vergleichen, sagt Werner Messmer, alt FDP-Nationalrat aus dem Kanton Thurgau. Messmer ist Mitglied der fünfköpfigen Findungskommission der FDP, die einen geeigneten Kandidaten sucht. Tatsächlich manifestieren sich die Unterschiede der Parteien schon bei der Kandidatensuche. Die Freisinnigen haben für Präsidium und Vizepräsidium jeweils ein umfassendes Anforderungsprofil erstellt. Charisma, einwandfreier Leumund und die Bereitschaft, mindestens 30 Stunden pro Woche in den Job zu investieren, sind nur drei dieser Anforderungen. Bei den Grünen verläuft die Kandidatensuche unkomplizierter: Wer Interesse hat, kann sich noch bis Ende Woche melden.

Acht kandidieren für das Grüne-Präsidium

Das haben schon einige getan. Mit Jo Lang wurde am Samstag der achte Kandidat bekannt. Die Kandidatur des prominenten Sicherheitspolitikers, der im Herbst als Nationalrat abgewählt wurde, gab Generalsekretärin Miriam Behrens am Rande der Delegiertenversammlung in Kriens bekannt. Neben Lang kandidieren die Nationalratsmitglieder Geri Müller (AG), Bastien Girod (ZH), Adèle Thorens (VD) und Regula Rytz (BE). Ebenfalls Interesse an der Nachfolge von Ueli Leuenberger haben Markus Kunz, Präsident der Grünen Stadt Zürich, die Berner Jungpolitikerin Aline Trede und Esther Maag, ehemalige Kantonsrätin aus Baselland.

Bei der FDP winken die aussichtsreichen Anwärterhingegen ab. Karin Keller-Sutter, die für viele eine Wunschkandidatin wäre, hat mehrmals abgesagt. Und andere, die als Nachfolger von Fulvio Pelli gehandelt wurden, haben sich zurückgezogen. Nationalrat Ruedi Noser sagt «nichts zu diesem Thema», der Aargauer Nationalrat Philipp Müller ebenso wenig. Müller hatte anfänglich Interesse am Amt signalisiert, sagte aber vor wenigen Wochen, er wisse nicht, ob er sich das antun wolle. «Als Parteipräsident ist man der Blödian der Nation», sagte er der «Basler Zeitung». Grösser ist das Interesse am Vizepräsidium, wie Generalsekretär Stefan Brupbacher sagt. Auch Karin Keller-Sutter hat signalisiert, dass sie dafür allenfalls zur Verfügung stehen würde.

Abschreckende Ansprüche

«Die FDP war in den vergangenen zehn Jahren im Fokus wie kaum eine andere Partei», antwortet Werner Messmer auf die Frage, warum sich bei der FDP noch kein Kandidat gemeldet hat. «Die FDP war einst staatstragend und ist mittlerweile zum Synonym für den beispielhaften Abstieg einer Partei geworden.» Der Präsidentenverschleiss während der vergangenen Jahre sei überdurchschnittlich gross gewesen, und die Ansprüche an den neuen Präsidenten oder die Präsidentin seien hoch, «von innen und aussen».

Messmer räumt auch ein, dass der Anforderungskatalog möglicherweise abschreckend wirke. «Die Versuchung ist gross, alle Attribute einzubringen, die wir in den vergangenen Jahren vermisst haben. Doch die Ansprüche dürfen nicht so hoch sein, dass niemand sie erfüllen kann. Hier müssen wir vorsichtig sein.»

«Keine Eile»

Von Schwierigkeiten bei der Kandidatensuche könne keine Rede sein, sagt Messmer. «Wir haben noch gar nicht richtig angefangen, die Findungskommission hat erst einmal getagt.» Das sagt auch Generalsekretär Stefan Brupbacher: «Kein Grund zur Eile, wir haben noch sechs Wochen Zeit.» Die Anmeldefrist läuft bis 4. März. Wer für das Präsidium kandidieren will, brauche eben Bedenkzeit, sagt Brupbacher. Das grosse Interesse am Vizepräsidium wertet er positiv: «Offenbar gibt es viele in der Partei, die sich engagieren wollen. Das freut uns.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.01.2012, 14:24 Uhr

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13 Kommentare

Derek Richter

23.01.2012, 14:33 Uhr
Melden 34 Empfehlung

Ph. Müller wäre m.E. eine gute Nachfolge jedoch muss der oder die neue PräsidentIn erst den Scherbenhaufen von F.Pelli entsorgen. Eine weitere Aufgabe des Präsidenten wäre, mit Fraktionschefin G.Huber zusammen zu arbeiten wobei -wer will sich so etwas schon freiwillig antun? Antworten


sydney mueller

23.01.2012, 14:59 Uhr
Melden 23 Empfehlung

ich bin der meinung, dass die zeit gekommen ist, dass sich die fdp von der svp loslöst und nicht mehr versucht in deren fahrwasser zu schwimmen. eine klare wirtschaftsorientierte politik mit gelegntlichen "menschlichen" farbtupfern. mir persönlich würde ein bisschen mehr malama der partei gut tun! Antworten



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