Schweiz
Abstimmung: Web-Video mit Clerc war cleverer Schachzug
Spürte den entscheidenden Nichtwähler auf: Charles Clerc im Video der Befürworter.
Das Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern und das Forschungsinstitut gfs.bern. haben für die Vox-Analyse der Wahl 1007 Stimmberechtigte befragt. Die Vorlage war mit rund 60 Prozent Ja angenommen worden.
Laut der Umfrage konnten die Parteien ihre Anhängerschaft gut von ihren Parolen überzeugen: Die Anhänger der CVP, der FDP und der SP stimmten mit Anteilen zwischen 75 und 80 Prozent zu, diejenigen der SVP lehnten fast einhellig, mit 94 Prozent Nein, ab.
Die Geschlossenheit der SVP war diesmal noch etwas grösser als bei den europapolitischen Abstimmungen 2005. Möglicherweise spielte die Abspaltung der BDP hier eine Rolle.
Es gelang den Gegnern der Vorlage aber nicht, weit über den Kreis der SVP-Anhänger hinaus zu mobilisieren. So sprachen sich 69 Prozent der parteiungebundenen Personen für die Personenfreizügigkeit aus.
Alte «Gräben» sind weniger tief
Das Abstimmungsprofil war fast identisch mit jenem früherer Europa-Abstimmungen. Je stärker das Vertrauen in die Regierung, je höher ausgebildet, je besser die wirtschaftliche Situation, je weltoffener, desto stärker die Zustimmung.
Wer für eine weltoffene Schweiz eintritt, stimmte zu 81 Prozent Ja. Wer dem skeptisch gegenübersteht oder eine Öffnung ablehnt, sprach sich klar dagegen aus (nur 32 respektive 23 Prozent Ja).
Der Stadt-Land-Graben existiert noch, wurde aber kleiner. Das gleiche gilt für den Röstigraben. Die Zustimmung war in der Romandie (66 Prozent Ja) etwas stärker als in der Deutschschweiz (59 Prozent).
Bilaterale fortsetzen
Jeder zweite Ja-Stimmende begründete seinen Entscheid mit dem Motiv, dass die Schweiz den bilateralen Weg fortsetzen müsse. Jeder sechste Befürworter stimmte zu, weil er für eine EU-Mitgliedschaft eintritt.
Bei den Gegnern stimmten 40 Prozent Nein, weil sie einen weiteren Zustrom von Ausländern befrüchten. Ängste vor einem Anstieg der Kriminalität und der Sozialausgaben waren weitere wichtige Nein-Motive.
Dass das vom Parlament geschnürte Abstimmungspaket (Weiterführung und Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Rumänien und Bulgarien in einer Vorlage) undemokratisch sei, gab nur jeder sechste Gegner als Motiv für sein Nein an.
Fast alle Befürworter, aber nur wenige Gegner glaubten, dass eine Aufkündigung der Bilateralen I den Schweizern grosse Nachteile bringen würde. Umgekehrt glaubten nur jeder zehnte Befürworter, aber über 80 Prozent der Gegner, dass die Personenfreizügigkeit den Schweizern Nachteile auf dem Arbeitsmarkt bringe.
Wirkungsvolles Video auf Internet
Für die Meinungsbildung wurde das Internet mehr als früher, von 21 Prozent der Stimmenden, genutzt. Jeder siebte Urnengänger hat das von den Befürwortern zwei Wochen vor der Abstimmung ins Internet gestellte Video gesehen. Wer es sah, ging etwas häufiger an die Urne und stimmte überdurchschnittlich häufig Ja. (sam/sda/)
Erstellt: 20.03.2009, 11:13 Uhr
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