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Abtreibungsgegner gegen «Zwangssolidarität»

Eine Initiative fordert, dass Frauen für Abtreibungen selber aufkommen müssen. Geburten kosten die Grundversicherung allerdings mehr.

Chirurgisches Besteck: Gerätschaft für Abtreibungen in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen.

Chirurgisches Besteck: Gerätschaft für Abtreibungen in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen.
Bild: Keystone

Gut acht Jahre nach der klaren Niederlage der Initiative für ein Verbot von Abtreibungen formieren sich die Gegner von Schwangerschaftsabbrüchen erneut: Mit ihrer Volksinitiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache» wollen SVP-Nationalrat Peter Föhn und CVP-Nationalrätin Elvira Bader erreichen, dass die Kosten einer Abtreibung künftig nicht mehr zulasten der Grundversicherung gehen.

Die betroffenen Frauen sollen den Abbruch aus der eigenen Tasche bezahlen – «schliesslich ist eine Abtreibung keine Krankheit», wie der Schwyzer Föhn sagt. Mit der Unterschriftensammlung hat das Komitee, bestehend aus Mitgliedern von SVP, CVP, EDU, EVP und FDP, gestern begonnen. Von der Kostenpflicht ausnehmen wollen sie Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung wurden oder deren Leben durch die Schwangerschaft gefährdet würde.

20 Millionen jährlich einsparen

Bader und Föhn kämpfen vor allem mit finanziellen Argumenten: «Jedes Jahr fragen wir uns, wie wir die Kostenexplosion im Gesundheitswesen stoppen können», sagt Föhn. «Wenn es bei Abtreibungen keine Zwangssolidarität mehr gibt, sparen wir Geld.» Laut dem Bundesrat belaufen sich die jährlichen Kosten für Abtreibungen auf 15 bis 20 Millionen Franken. In den ersten sieben Wochen schlägt ein Abbruch mit 600 Franken zu Buche, danach mit 1500.

Für SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr zählt das Argument mit den Kosten hingegen nicht: «Einerseits ist es zynisch, über Geld zu sprechen, wenn es um Geburt oder Abtreibung geht. Anderseits sind Geburten teurer als Abbrüche.» Laut der Präsidentin der FDP-Frauen, Jacqueline de Quattro, kostet eine Geburt rund zehnmal mehr. Geld sparen könne die Grundversicherung bei Annahme der Initiative daher nicht.

Zahl seit 2002 stabil

2008 haben in der Schweiz 10'848 Frauen abgetrieben. Seit Ende 2002 ist die Zahl der Abbrüche stabil. Damals hat die Grundversicherung die Kosten übernommen. Im Jahr 2000 trieben noch deutlich mehr Frauen ab.

Die Initianten sind sich bewusst, dass ihr Anliegen die Gesundheitskosten nicht wesentlich senken kann. Föhn hofft aber, dass die Politik in der Folge «weitere problematische Leistungen streicht». Er denkt an Schönheitsoperationen und unnötige Kaiserschnitte. Im Initiativtext sind diese allerdings nicht erwähnt.

Frauen, die einen Abbruch nicht selber finanzieren können, schlägt Föhn vor, dass sie eine Zusatzversicherung für Abtreibungen abschliessen. Ein entsprechendes Angebot müssten die Kassen allerdings erst schaffen. Laut dem Sprecher des Krankenkassenverbands Santésuisse, Felix Schneuwly, wäre eine solche Versicherung theoretisch möglich: «Ich bezweifle aber, dass es eine Nachfrage gibt.» Zur Initiative wollte sich Schneuwly nicht äussern.

Ausweg aus ethischem Dilemma

Obwohl die Kosten gestern an der Präsentation der Initiative im Vordergrund standen, appellierte das Komitee auch an moralische Gefühle: «Menschen, die gegen Abtreibungen sind, befinden sich in einem Dilemma», sagte die Solothurnerin Elvira Bader. «Sie sind gezwungen, mit ihren Krankenkassenprämien auch Abtreibungen zu bezahlen.» Die Initiative biete hier einen Ausweg.

Laut der Berner SP-Stadträtin Lea Kusano gibt es diesen Ausweg allerdings bereits: Sie verweist auf den Verein Pro Life, der nach eigenen Angaben «Krankenversicherungen ohne Abtreibungsfinanzierung» vermittelt. In entsprechenden Angeboten verpflichten sich alle Frauen, auf eine Leistung im Falle einer Abtreibung zu verzichten.

Auf ein anderes moralisches Dilemma wies gestern die grüne Nationalrätin Franziska Teuscher hin, die die Initiative ebenfalls ablehnt: «Wer übernimmt die Verantwortung für ein ungewolltes Kind, das in untragbaren Verhältnissen aufwachsen muss?» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.01.2010, 04:00 Uhr

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19 Kommentare

Anne-Marie Rey

27.01.2010, 16:09 Uhr
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Die Initianten begründen ihren Vorstoss mit der Kostenersparnis. Da ist es logisch, mit dem Kostenargument zu entgegnen. Die Initiative würde nicht Kosten sparen, sondern Mehrkosten erzeugen: einerseits ungewollte Geburten und Kinder, andererseits aber auch illegale do-it-yourself Abtreibungen mit irgendwelchen Pillen aus dem Internet etc. Die Behandlung der Komplikationen wäre ebenfalls teurer. Antworten


Luzia Keller

27.01.2010, 16:08 Uhr
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Bevor nicht die Annahme der Komplementärmedizin vom Mai 09 endlich umgesetzt wird, ist diese Debatte hier ungültig. Dann zeigt es sich nämlich erst, wo gespart werden kann und wo nicht! Es geht nicht an, dass die Kosten einer Abtreibung wieder den Frauen zugeschoben wird und den Männern die Vasektomie, Viagra etc. bezahlt wird!!! Ebenfalls muss die Verhütung in die Grundversicherung. Unglaublich!! Antworten


Thomi Horath

27.01.2010, 15:47 Uhr
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Richtig Frau Micheline Holweck, um schwanger zu werden braucht es immer zwei Personen, aber normalerweise sind diese zwei Personen verheiratet. Und Abtreibung ist Mord an einem ungeborenem Kind, dessen Rechte von niemandem verteidigt werden. Antworten


Sam Brown

27.01.2010, 15:42 Uhr
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Das Thema hat nichts mit Populismus oder ähnlichem zu tun. Wer abtreiben lassen will, soll das selbst bezahlen. Solidarität ist hier falsch am Platz. Somit würde auch bei der Verhütung besser darauf geachtet, dass dies nicht nur ein Schlagwort ist. Die KK bezahlen schon genug Dinge, wie Kaiserschnitt, damit der Arzt am Weekend frei hat oder die Frauenfigur nicht leidet, Auch hier--> selbst zahlen! Antworten


Petra Clausing

27.01.2010, 12:34 Uhr
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Das linke Argument, Geburten seien zehnmal teurer als eine Abtreibung, ist moralisch verwerflich! Das heisst umgekehrt, dass abtreiben billiger ist als leben. Fuer Frau Fehr scheint das ganz normal. Wie sehen denn die Statistiken aus? Wie gross ist der Auslaender-Anteil? Wie hoch der Anteil an Mehrfach-Abtreigungen? Wie die geographische Verteilung? Solidaritaet hoert bei Abtreibung auf! Antworten


Anna Hofer

27.01.2010, 12:33 Uhr
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Das absolut Unerträglichste an dieser ganzen Initivativ-Farce (die Initivativflut/-wut der Parteien im Vorfeld der nächsten eidg. Wahlen widerspiegelt einzig den politischen Bankrott der grossen Parteien und die Unfähigkeit der Landesregierung), erscheint mir, dass sich offensichtlich niemand die Frage stellt, weshalb denn die potentiellen Väter bei einer Abtreibung nicht zur Kasse gebeten werden? Antworten


Bruno Meier

27.01.2010, 12:13 Uhr
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Kostensparen im Gesundheitswesen. Wieso unternimmt niemand etwas dagegen, dass es noch Heute Leute gibt, welche bei Kopfschmerzen oder anderen "normalen" Wehwechen gleich in den Notfall gehen? Oder den "Tutti Famale's" welchen dauernd Therapien verschieben werden, welche sie dann nicht oder nur teilweise besuchen weil man ihnen da den IV Antrag nicht bestätigen will? Antworten


Kurt Bossart

27.01.2010, 12:09 Uhr
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Fortführung der SVP-Logik: Eine Geburt ist auch keine Krankheit. Also auch selber bezahlen. Ein Kaiserschnitt sowieso. Bei Psychotherapie von SVP-Politikern ist diese Frage noch nicht ganz geklärt. Antworten


Lucien Michel

27.01.2010, 11:57 Uhr
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Reitet die SVP jetzt auch noch aufm Sekten- und Evangelikalenpferd? Die 'Schweizer' SVP scheint immer mehr zu einer Filiale der USA-Bible-Belt-Republikaner zu werden, die politischen Ziele und Ideen werden denen jener immer ähnlicher. Antworten


Ben Müller

27.01.2010, 11:51 Uhr
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Dieser Vorschlag bewirkt eine Steigerung der KK Kosten und nicht eine Senkung! Das ist aber nicht wirklich das Thema, es geht im Grunde genommen doch um die übliche pro/contra Abtreibungsdiskussion. Und für diejnigen die immer wieder mit der Verhütungsleier kommen: Frau kann auch trotz Verhütung, selbst bei sachgerechter Anwendung schwanger werden (ca 50% aller Abtreibungsfälle!) Antworten


Rene Wetter

27.01.2010, 10:14 Uhr
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Bis zu 20 Mio wollen sie einsparen, das ist reine Propoganda. Eine Abtreibung wir im Durchschnitt so CHF700 kosten und von den 10000 dürften so die Hälfte eine Begründung für die Zahlung haben (Vergewaltigung, Gefährdung des Lebens und der hier nicht erwähnten Behinderung). Blieben noch ca 5000 also 3.5Mio und die würden wohl für die Prüfung der Fälle draufgehen. Ein ganz gemeiner Propogandacoup! Antworten


Jürg Schmid

27.01.2010, 10:05 Uhr
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Typisch wieder einmal SVP. Ein Vorschlag der das Gegenteil bewirkt was er angeblich will: Mehr Kosten statt weniger. Damit kocht das Politsüpplein weiter und macht Dampf für die nächste Idee. Von den ewiggestrigen, sektiererischen Mitläufern wollen wir gar nicht reden. Antworten


Micheline Holweck

27.01.2010, 09:38 Uhr
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Komich, um schwanger zu werden braucht es immer zwei Personen, bezahlen muss dann aber nur die Frau???? Beispiel: Sie wird ungewollt schwanger - das kann allen passieren, auch mit allen Verhuetungsmitteln - er verlaesst sie und sie muss nun ein Kind alleine gross ziehen und nebenbei arbeiten, fuer Alimente kaempfen...und falls sie das nicht will, dann muss sie abtreiben, alles selber bezahlen.Toll Antworten


Rainer Herzig

27.01.2010, 08:23 Uhr
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Welchen Informationen waren die Basis für die Berechnung der Zahl der Abtreibungen 10'848? Meine Frau musste nach der erfolgreichen Geburt unseres zweiten Kindes eine Auskratzung machen lassen, da die Nachkontrolle "schlamig" durchgeführt wurde. Der KK wurde dies als Abtreibung in Rechung gestellt, weil dies die gleiche Arbeit sei - O-Ton Spital. Eff Abtreibung ist aber nicht immer die Lösung! Antworten


Barbara Grunder

27.01.2010, 07:56 Uhr
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Knapp 11 K Frauen haben legal abgetrieben sollte es wohl heissen. Was ist mit dem Rest der Damen? Illegal, im Ausland, oder sonstwie manipuliert?Die KK sollten die Pille bezahlen,+ wer dann noch "ungewollt " schwanger wird bezahlt entweder die Abtreibung oder die Geburt selber.Ich bin gegen Abtreibung, wir haben die Mittel in jeder Form zur Verfügung um dies zu verhindern. Antworten


Hans Graf

27.01.2010, 07:51 Uhr
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Das Argument, dass eine Geburt mehr koste als eine Abtreibung ist an Zynismus kaum mehr zu überbieten! Ich bin kein absoluter Abtreibungsgegner, aber ich bin dagegen, dass die Allgemeinheit diese Anspruchshaltung an den Selbstbedienungsladen KVG weiter deckt. Abtreibung ist keine Krankheit! Allerdings gehört unter diesem Kapitel noch eine Menge aus der Grundversicherung gestrichen. Antworten


Kurt Aegeri

27.01.2010, 07:41 Uhr
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Also das ist doch der reinste Kindergarten. Initiiert von selbstgerechten Abtreibungsgegner. Jede Geburt kostet mehr als ein Abbruch. Wenn es also um die Kosten geht, die der Krankenkasse entstünden, wäre das ganze eh hinfällig. Aber es geht ja einmal mehr um die Bevormundung von Frauen. Und das wird so lange immer wieder in Krisenzeiten geschehen, bis die Frauen aufwachen. Antworten


Eric Stricker

27.01.2010, 06:45 Uhr
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Bis zu 20 Millionen Sparpotenzial und SP und Grüne sagen nein. Wen wunderts! Hoffentlich sind bei einer Abtreibung die Kosten von Fr. 600 oder 1'500 (teilbar durch 2: Mann und Frau) nicht ausschlaggebend für ein Pro oder Kontra. Ich gehe davon aus, dass sich eine Frau eine Abtreibung gut überlegt. Vor der Kostenübernahme durch die Grundversicherung gabs ja auch mehr Abtreibungen... Antworten


majo naef

27.01.2010, 06:21 Uhr
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Zeugen Jehovas sind in einem ehtischen Dilemma wenn sie Bluttransfusionen mitbezahlen müssen. Wo kommen wir hin wenn jetzt jede Glaubensgemeinschaft ihre Dogmen vorschiebt. Antworten



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