Achtung, Körpergeruch!
Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 28.04.2010 67 Kommentare
«Aus der feierlichen Stimmung gerissen»: Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Reporter Reto Hunziker. (Bild: Keystone )
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Ich freue mich sehr auf den 1. Mai. Denn ich bin seit Jahren passionierter Nichtraucher. Genauer: seit meiner Geburt. Ich habe von Anfang an den Weg des geringsten Widerstands gewählt, die simpelste Form der Abstinenz: Ich habe überhaupt nie angefangen zu rauchen.
Deshalb bin ich umso erfreuter, dass endlich das nationale Rauchverbot in Kraft tritt. Dann sind wir Nichtraucher endlich vom Gestank der anderen befreit. Zumindest glauben wir das. Aber während das eine Problem gelöst ist, tritt ein anderes erst auf: Das Rauchverbot eröffnet unseren Nasen andere unangenehme Düfte, wie ich in München, wo das Rauchverbot seit zwei Jahren in Kraft ist, am eigenen Leib erfahren musste.
«Wer war das?»
Es war in einer beliebten Disco – oder einem Club, wie man heute lieber sagt – nahe des Sendlinger Tors. Wir hatten uns auf einen lustigen Abend mit guter Musik eingestellt, hatten uns die Bereitschaft zu feiern angetrunken. Die Tatsache, dass nicht geraucht werden durfte, schien anfangs nur die Raucher zu stören. Der DJ drehte die Musik lauter, die Tanzfläche füllte sich, die Luft war neutral, ich fühlte mich gut – bis ich einen penetranten Gestank wahrnahm. Ich rümpfte die Nase und sah mich vorwurfsvoll um. «Wer war das?», fragte mein Blick. Und die Augen meiner Kollegen verrieten, dass sie dasselbe dachten. Es stank, wie nur ein Furz stinken konnte. Wir wussten nicht, woher es kam noch wohin es ging. Also standen wir es aus. Doch schon bald kam die nächste Wolke, ebenso grässlich. Und noch eine. Es roch nach Schweiss, nach Mundgeruch und später nach Erbrochenem. Wäre die Musik nicht so laut gewesen, hätte man die «Iiih»s und «Wääh»s der Tanzenden hören können. Die verzerrten Gesichter belegten den Ekel auch so. Zwar war die Partylaune dadurch nicht ganz dahin, aber sie war zumindest arg getrübt. Immer wieder wurde ich jäh aus meiner feierlichen Stimmung gerissen.
Rauch ist ein Segen
Am darauf folgenden Wochenende dasselbe Desaster: Im Abstand von wenigen Minuten gab es olfaktorische Attacken. Und auch wenn ich es nie gedacht hätte, wünschte ich mir, jemand hätte geraucht. Was heisst «jemand», ich wünschte mir, alle hätten geraucht.
Denn was offenbar niemand bedachte, bevor man das Rauchen in den Clubs verbot, war die neutralisierende Wirkung des Tabaks. Zigarettenrauch tötet jeden anderen Geruch, legt sich wie ein Teppich über alle Ausdünstungen. Das war, auch wenn man das nicht für möglich hielt, ein Segen. Kaum war der Rauch verschwunden, kam der üble Gestank der Menschheit zum Vorschein. Und auch wenn das zum Glück nicht an der Kleidung haften bleibt, ist es nicht weniger schlimm als der Gestank von Zigaretten.
Es wird stinken
Freuen wir uns also nicht zu früh über das Rauchverbot. Stinken wird es auch ohne Zigaretten. Und zwar nach uns selbst. Hierfür müssen Lösungen gefunden werden, sonst droht dem Disco-Spass ein herber Dämpfer. Bessere Lüftungen installieren, Gratis-Deos am Eingang verteilen – irgendetwas wird man tun müssen. Oder warum nicht die gute alte Nebelmaschine wieder aufleben lassen? Die stinkt zwar auch etwas, ist aber im Vergleich garantiert das geringere Übel. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.04.2010, 14:02 Uhr
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67 Kommentare
Es stimmt, ich habe das im Bündernerland erlebt. In den Bars/Pubs/Restaurants rund um die Skipisten stank es grässlich nach Schweiss. Gerade nach dem Skifahren wenn die Leute verschwitzt reinkommen wirds besonders übel. Aber denoch, vom Schweissgestank wird man wenigstens nicht krank wie vom Passivrauchen. Antworten
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