Ärzte-Boom kostet die Schweiz Milliarden

Der Ärztemangel sei ein Mythos und die Schweiz überversorgt, so der Curafutura-Direktor. Das kostet das Gesundheitswesen viel Geld.

Der Zuwachs an selbständigen Ärzten kostet das Gesundheitswesen jährlich 1,7 Milliarden Franken: Medikamente und eine Schweizer 200-Franken-Banknote. (25. September 2014)

Der Zuwachs an selbständigen Ärzten kostet das Gesundheitswesen jährlich 1,7 Milliarden Franken: Medikamente und eine Schweizer 200-Franken-Banknote. (25. September 2014) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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In den letzten acht Jahren ist die Zahl der in der Schweiz arbeitenden Ärzte um 19 Prozent angestiegen. Im gleichen Zeitraum wuchs die Bevölkerung gerade einmal halb so stark. In Vollzeitstellen gerechnet, arbeiten heute im Vergleich zu 2008 rund 5000 Mediziner mehr in Spitälern und Praxen, davon sind 3400 frei praktizierende Ärzte. «Der pauschale Ärztemangel ist ein Mythos», sagt Pius Zängerle, Direktor des Krankenversicherer­ Verbandes Curafutura in der «NZZ am Sonntag».

«Wir haben in der Schweiz das Phänomen der Überversorgung.» Das führt zu einem massiven Kostenschub im Gesundheitswesen. So generiert jeder Arzt, der eine Praxis eröffnet, etwa eine halbe Million Franken Umsatz pro Jahr. Allein der Zuwachs an selbständigen Ärzten schlägt sich demnach im Gesundheitswesen pro Jahr mit geschätzten 1,7 Milliarden Franken nieder.

Eine Analyse der Zeitung zeigt, dass Verschiedenes zum Anwachsen der Ärztedichte beigetragen hat. In den Spitälern sorgte eine Begrenzung der Wochenarbeitszeit für höheren Personalbedarf. Die Zahl der frei praktizierenden Ärzte nahm zu, weil in einer Phase ab 2012 die freie Zulassung für ausländische Mediziner zum rasanten Anstieg von Spezialisten führte. Selbst Hausärzte gibt es rund 900 mehr als 2010.

Liste für ambulante Behandlungen

Derweil will der Bund die Verlagerung von teuren stationären zu günstigeren ambulanten Behandlungen fördern. Das Bundesamt für Gesundheit wird im zweiten Halbjahr eine Liste mit Eingriffen präsentieren, die von den Krankenkassen in der Regel nur dann bezahlt werden sollen, wenn sie ambulant erfolgen, wie die Zeitung berichtet.

Allerdings sind medizinische und soziale Ausnahmekriterien geplant, die weiterhin auch die Vergütung im stationären Bereich erlauben würden. Wie diese Liste genau aussieht, ist noch offen. Nach ersten Vorarbeiten kommen dafür aber zum Beispiel die Operation von Krampfadern, Leistenbrüchen oder der Mandeln in Frage, ebenso wie Beschneidungen, Kniegelenkspiegelungen oder die Entfernung von Hämorrhoiden. (foa)

Erstellt: 02.04.2017, 08:27 Uhr

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