Al-Jazeera-Journalist: «Plakat ist rassistisch»
Schliesst Terroranschläge auf die Schweiz nicht aus: Riz Khan von Al-Jazeera.
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Riz Khan ist das bekannteste Gesicht von Al-Jazeera. Der aus Yemen stammende Journalist arbeitete vorher für BBC und CNN. Khan hat schon Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Schimon Peres, Kofi Annan und Michail Gorbatschow interviewt. Er kennt die arabische Welt - und deshalb ist seine Einschätzung der Minarett-Initiative interessant.
«Sollten die Schweiz die Initiative annehmen, könnte das in der muslimischen Welt zu einem Aufschrei führen», sagt Khan zum «Sonntag». Boykotte von Schweizer Produkten seien möglich, und diese seien heute sehr populär, etwa Uhren und Schokolade. «Ich bin sicher, dass es arabische Touristen gäbe, die sich zweimal überlegen würden, weiterhin in die Schweiz zu reisen.» Allerdings seien die meisten arabischen Touristen gut ausgebildet und würden die insgesamt tolerante schweizerische Kultur kennen.
Terroranschläge nicht ausgeschlossen
«Die grössere Gefahr könnten von Rechtsaussen-Gruppierungen in der Schweiz kommen, falls diese ein Volks-Ja zum Minarett-Verbot für weitere fremdenfeindliche Aktionen nutzen.» Dass Islamisten verüben, halt Khan für unwahrscheinlich, aber nicht für ausgeschlossen.
Gefährlich werde es, wenn die Debatte über ein Minarettverbot «übertrieben wird und zu einer Plattform für weitere politische Vorstösse werde, die rassistisch oder fremdenfeindlich sind». Das umstrittene Plakat halt Khan für «rassistisch», denn: «Es zeigt eine Frau mit Burka und unterschlägt damit, dass die Mehrheit der Musliminnen sich nicht so anzieht. In Indonesien etwa, dem bevölkerungsreichsten islamischen Land, stimmt dieses Bild überhaupt nicht.»
Und noch etwas zweites sei rassistisch: «Die Minarette auf dem Plakat stehen auf einer roten Schweizer Flagge - die ein Kreuz ist -, was suggeriert, dass der Islam versucht, das Christentum zu überrollen.»
Riz Khan hat vor kurzem eine Konferenz für ein besseres Verständnis von Muslimen und Christen in den USA besucht. Weltweit verbessere sich zurzeit der Dialog zwischen den beiden Religionen. «Es ist eine Schande, dass dieses Minarett-Verbot ausgerechnet jetzt zum Thema wird», sagt Khan.
Schweizer Botschafter in Türkei schickt erste Warnung
Am Freitagnachmittag hat die interdepartementale Arbeitsgruppe «Kommunikation Minarett-Initiative» auf das Plakat der Befürworter erste beunruhigende Reaktionen aus dem Ausland erhalten. Es sei möglich, dass die Stimmung in der Türkei gegen die Schweiz kippe, meldete der Schweizer Botschafter in Ankara nach Bern. Das bestätigt Johannes Matyassy, Chef von «Präsenz Schweiz» und Mitglied der Arbeitsgruppe, gegenüber der Zeitung «Sonntag».
Grund für die Befürchtung sind Reaktionen auf die Plakate, die im Verlauf des Freitags bei der Botschaft eingegangen sind. «Wir haben sofort reagiert und den Botschafter mit weiteren Materialien ausgerüstet», sagt Matyassy. Die Arbeitsgruppe wurde bereits vor zwei Jahren gegründet und analysiert fortlaufend die Reaktionen im Ausland auf die Initiative, vor allem im arabischen Raum. Unter anderem wurden die Schweizer Botschaften in aller Welt mit Informationsmaterial über das umstrittene Volksbegehren ausgestattet.
Als vor zwei Wochen das Anti-Minarett-Plakat erstmals in Zeitungen veröffentlicht wurde, schickte die Arbeitsgruppe auch das Plakat umgehend an alle Botschafter. In einer ersten Reaktion zeigten sich diese beruhigt: Das Plakat werde in der islamischen Welt wohl als Provokation aufgefasst, aber nicht zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führen, meldeten die Diplomanten. «Wir beobachten die Situation weiter aufmerksam und reagieren sofort, wenn sich die Situation ändert», sagt Matyassy.
(bru)
Erstellt: 11.10.2009, 13:03 Uhr
Schweiz
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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