Alle gegen einen: Nie mehr Geisterfahrer
Von Erwin Haas. Aktualisiert am 01.10.2009 5 Kommentare
Geisterfahrer verursacht Unfall: Im Juli krachte es auch auf der A 9 bei Sitten. (Bild: Keystone)
Der Bund rüstet auf im Kampf gegen Falschfahrer: Grosse Schilder und Pfeile vor der Autobahn sollen sie davor bewahren, Aus- und Einfahrt zu verwechseln. Die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, ist zwar höher, als einem Geisterfahrer zu begegnen. Dennoch ist eine unerwartete Direktbegegnung auf der Autobahn der Albtraum jedes Autofahrers. Rund 70-mal pro Jahr kommt es auf richtungsgetrennten Schnellstrassen zu offiziell gemeldeten Falschfahrten. Rund ein Viertel der Fahrer bemerken ihren Fehler über 1 Kilometer lang nicht. In Deutschland konnte ein Geisterfahrer kürzlich erst nach 60 Kilometern gestoppt werden. In der Schweiz enden durchschnittlich 20 Falschfahrten pro Jahr mit Kollisionen. Es handelt sich zwar nur um jeden 3000. Unfall auf unseren Autobahnen, aber mit um die heftigsten. Sie fordern durchschnittlich 3 Tote und 20 Verletzte pro Jahr.
Nun handelt das Bundesamt für Strassen (Astra): Um Autolenker am Falschfahren zu hindern, wird die Signalisation verbessert. Am Ende der Autobahnausfahrten zeigen künftig zwei Verkehrsschilder auf beiden Seiten an, dass die Einfahrt gegen den Strom verboten ist. Bisher stand dort nur ein Schild. Die roten Tafeln mit dem weissen Querbalken haben neu 90 statt 60 Zentimeter Durchmesser und werden besser beleuchtet. Auf den Boden lässt das Astra doppelt so viele reflektierende Fahrtrichtungspfeile malen. Die Signale betreffen je 440 Ein- und Ausfahrten sowie 130 Einfahrten zu Raststätten und -plätzen. Bis Ende Jahr sollen über 1000 Tafeln montiert sein. Kostenpunkt: rund 5 Millionen Franken.
Den Regenschirm vergessen
Die Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) hat die Hauptgründe für Falschfahrten 2006 analysiert. Zur Risikogruppe zählen demnach junge Lenker, die betrunken sind, gewagte Manöver ausführen und auf freier Strecke wenden, sowie Senioren, die nachts Autobahnausfahrten mit -einfahrten verwechseln.
Die Hälfte aller Geisterfahrten beginnt auf einer Ausfahrt – die andere Hälfte bei der Wegfahrt von einer Raststätte in falscher Richtung oder beim Wenden. Anlass dazu können ganz banale Gründe sein, wie Verkehrsforscher Gianantonio Scaramuzza erklärt – etwa weil jemand den Regenschirm liegen gelassen oder vergessen hat, die Haustür abzuschliessen. Am meisten Geisterfahrer werden bei Yverdon VD, zwischen Monthey VS und Villeneuve VD, im Gebiet Neuenburg/Vue des Alpes und zwischen Biel und Tavannes gezählt. Dort verlaufen die Fahrbahnen der Autobahn nicht immer nebeneinander, was Fahrer zur Fehleinschätzung verleiten kann, sie seien auf einer Landstrasse.
Neben einer klareren Signalisation schlug die bfu seinerzeit vor, den Warndienst via Radio zu optimieren: Jede noch so kleine Verbesserung bringe mehr Sicherheit. Der Meldedienst hängt von Verkehrsteilnehmern, kantonalen Polizisten, der Verkehrsmeldezentrale Viasuisse und den Radiostationen ab.
Handy warnt vor Gegenverkehr
Die Verkehrsinformation von Radio DRS sei nicht immer schnell genug, bemängelte die bfu. Zudem müssten auch alle Privatradios mit Warnmeldungen versorgt werden, und diese seien häufiger zu wiederholen. Schneller gehe es nicht, sagt Georg Auf der Maur, Leiter der Verkehrsinformation bei Radio DRS: «Wir sind uns sehr bewusst, dass ein Geisterfahrer bei Tempo 120 in 1 Minute 2 Kilometer weit fährt. Sobald ein Moderator eine Warnung wahrnimmt, sendet er sie sofort.»
In Österreich stellt der Staat bei Ausfahrten grosse Warntafeln auf (eine Stopphand auf knallgelbem Grund) und setzt an neuralgischen Stellen sogar Krallengitter ein, die sich nur in der erlaubten Richtung überfahren lassen.
Automatische Bremse
Die Industrie arbeitet an eigenen Warnsystemen. Siemens entwickelt ein Gerät, das mit einer Kamera hinter dem Rückspiegel Einfahrverbote erkennen soll. Kombiniert mit dem Navigationscomputer, soll das System irregeleitete Fahrer akustisch oder auf dem Display warnen oder sogar mit einer Bremsung an der Weiterfahrt hindern. Nissan will ein GPS-fähiges Handy bauen, das in Kombination mit einer Navigationssoftware Geisterfahrer erkennt. Nicht nur der fehlbare Fahrer, sondern auch andere Lenker in der Nähe würden über das Handy automatisch gewarnt.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.10.2009, 04:00 Uhr
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5 Kommentare
Ob da vielleicht auch die Signaltafelhersteller davon profitieren möchten? Es wird auch in Zukunft Irrläufer/Geisterfahrer geben, auch wenn die Schweiz mit noch mehr und noch grösseren Signaltafeln zugekleistert wird. Leider gibts den perfekten, fehlerlosen Automobilisten (noch) nicht. Antworten
Schweiz
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