Schweiz

Alle impfen, nur die Schweiz nicht

Aktualisiert am 08.11.2009

Die Zulassungsbehörde für Heilmittel muss heftige Kritik einstecken: Sie habe sich zu viel Zeit gelassen, um die Impfstoffe zu prüfen, bemängeln Ärzte.

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In New York wird geimpft – auch Firmen wie Goldman Sachs oder Citigroup haben ihre Mitarbeiter bereits impfen lassen.

   

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Am Samstag haben Ärzte im Kanton Solothurn angefangen, chronisch kranke Kinder gegen die Schweinegrippe zu impfen. In allen anderen Kantonen müssen die Patienten noch warten – teilweise bis zu einen Monat lang, falls sie nicht zur Hochrisikogruppe gehören.

Der Vizepräsident der Schweizer Impfkommission übt deshalb Kritik. «Wir sind eindeutig zu spät dran mit der Impfung», sagt Hans Binz gegenüber der «Sonntagszeitung». Man müsse bedenken, dass es nach einer Impfung noch zwei Wochen dauere, bis der Körper gegen Viren immunisiert sei.

Die Schuld findet Binz bei der Zulassungsbehörde für Heilmittel Swissmedic. Sie hätte die Zulassung durch die EU übernehmen sollen, statt die Medikamente noch einmal zu prüfen. Jacques de Haller, Präsident des Schweizerischen Ärzteverbandes FMH sieht dies in der «Sonntagszeitung» ebenso: «Die Schweiz hätte die europäischen Bewilligungen übernehmen können.» In den meisten europäischen Ländern, so auch in Deutschland, Luxemburg und Italien, wird bereits geimpft.

Swissmedic: Austausch mit der EU rechtlich unmöglich

Die Präsidentin der Swissmedic, die frühere Berner FDP-Ständerätin Christine Beerli, wies die Vorwürfe in einem Interview der Zeitung «Sonntag» zurück. Die Swissmedic habe bei der Zulassung mit hoher Qualität und grösstmöglicher Anstrengung gearbeitet, sagte sie. Die Medikamente seien sehr schnell zugelassen worden. Die Sicherheit spiele neben der Geschwindigkeit aber eine grosse Rolle.

Zum Vorschlag, die Swissmedic hätte die europäischen Bewilligungen übernehmen müssen, sagte die Präsidentin der Zulassungsbehörde, es gebe aus rechtlichen Gründen keinen Austausch von Daten wissenschaftlicher Studien. Die Swissmedic strebe schon seit längerer Zeit eine Vereinbarung mit der EU an, die einen solchen Austausch erlauben würde.

Swissmedic: Verteilung harzt

Beerli bekräftigte, dass die beiden Impfstoffe Pandremix und Focetria am 23. beziehungsweise am 27. Oktober zugelassen worden seien und fügte hinzu: «Die Logistik ist nicht unsere Sache.» Die Abpackung und Verteilung des Impfstoffs fielen nicht mehr in die Zuständigkeit der Swissmedic. Die logistische Verteilung hätte parallel zum Zulassungsprozess funktionieren sollen, sagte Swissmedic-Sprecher Joachim Gross am Freitagabend im Schweizer Fernsehen.

Die Verteilung des Impfstoffs auf die Kantone ist unterdessen im Gang. Bis zum 16. November sollen gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) rund zwei Millionen Dosen verteilt sein. Laut einem Bericht der Zeitung «Sonntag», die sich auf Angaben der Logistikfirma stützt, wurden bisher 14 Kantone beliefert. Der Sprecher von Gesundheitsminister Didier Burkhalter sagte gegenüber der «Sonntagszeitung», bis am Montag sollte der Impfstoff für die Risikogruppen in den meisten Kantonen ankommen. (oku)

Erstellt: 08.11.2009, 12:26 Uhr

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