Alles auf Zucker
Von Fabienne Klenger. Aktualisiert am 10.02.2012 65 Kommentare
Auch die USA streiten sich um den Zucker
Zeitgleich mit dem Konflikt zwischen Getränkelobby und Gesundheitsförderern in der Schweiz brandete auch in den USA die Zuckerdebatte erneut auf. Ursprung war ein Artikel des Endokrinologen Robert Lustig im Magazin «Nature», der gegen Zucker im Allgemeinen und die Zuckerform Fructose im Besonderen anschrieb.
Der bekannte Zucker-Bekämpfer wählte weitaus drastischere Worte als seine Schweizer Kollegen: Zucker wäre eine «toxische Substanz», schreibt Lustig: «Wenig davon ist kein Problem, aber eine grosse Menge tötet langsam.»
Der Artikel warf grosse Wellen und fachte die Diskussion um eine Regulierung von Zucker, ähnlich der um Zigaretten und Alkohol, erneut an.
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Links
- Artikel im «SonntagsBlick»
- Literaturübersicht im «American Journal of Health»
- Literaturübersicht im «American Journal of Clinical Nutrition»
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- Coca-Cola lobbyierte und taktierte, bis die EU das Ampelsystem kippte
- …199 Jahren: Zucker für Europa
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Daran, dass wir Kuchen, Glace und süsse Getränke so lieben, sind ja eigentlich unsere Vorfahren schuld. Die Menschen der Frühgeschichte brauchten Kohlenhydrate, die der Körper schnell als Energieträger brauchen konnte. Der moderne Mensch geht zwar nicht mehr mit dem Speer auf die Jagd, doch die Geschmackspräferenz blieb bestehen.
50 Kilogramm Zucker konsumiert der Schweizer pro Jahr. Das ist zu viel, sagen Ernährungsfachleute. Wenn aber in den letzten Jahren Vorstösse gemacht wurden, um den Konsum etwas einzudämmen, stand häufig die Industrie auf dem Plan, so auch in diesem Fall.
Vorladung ins Bundeshaus
«Bitterer Streit um Süsses» betitelte der «SonntagsBlick» am Wochenende einen Artikel, in dem es um die Publikation eines Berichts von Gesundheitsförderung Schweiz ging, besser gesagt um ihre Zensur: Das 44-seitige Papier zum Thema zuckerhaltige Getränke, «Süssgetränke versus Wasser», hatte die Stiftung im Internet aufgeschaltet und später wieder vom Netz genommen.
Anscheinend hatte CVP-Chef Christophe Darbellay gemeinsam mit Marcel Kreber vom Verband der Softdrink-Produzenten Druck auf Thomas Mattig, den Chef der Stiftung Gesundheitsförderung, ausgeübt. Das bestätigt auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet auch Thomas Mattig: «Es gab ein Gespräch zwischen Herrn Darbellay, den Vertretern vom Getränkeverband und mir, das ist richtig.» Der «SonntagsBlick» berichtete nicht nur über das Treffen, sondern stellte auch den Bericht wieder ins Netz. «Über mich ist die Sache allerdings nicht in die Presse gelangt», sagt Mattig.
«Präventionsgesetz nicht gefährden»
Der Massnahmenkatalog, der dem Getränkeverband so aufstiess, ist eher offen formuliert, reichte aber anscheinend, um die Firmen aufhorchen zu lassen: «Die Regulierung der Anpreisung und Werbung für Süssgetränke, die sich an Kinder richtet, sollte angestrebt werden», heisst es beispielsweise.
Dass sich die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz trotzdem so schnell entschlossen hat, den Bericht vom Netz zu nehmen, liegt am geplanten Präventionsgesetz. Vom Nationalrat zunächst gutgeheissen, wurde die vom damaligen Gesundheitsminister Didier Burkhalter befürwortete Vorlage im Ständerat abgeschmettert.
Nun geht der Gesetzesentwurf wieder zurück an den Nationalrat. «Es ist eine heikle Phase, in der alle nervös sind», sagt Mattig. «Wir wollen das Präventionsgesetz nicht gefährden.» Mit dem Gesetz sollen die Massnahmen zur Krankheitsvorsorge und Gesundheitsförderung besser gesteuert und koordiniert werden. Zudem ist mit dem Schweizerischen Institut für Gesundheitsförderung ein neues Kompetenzzentrum auf Bundesebene geplant. Gegner fürchten Mehrkosten und staatliche Gängelung.
Evidenzlage ist klar
Kommentieren lässt der «SonntagsBlick» Beda Stadler den Bericht, der mit Verve auf das Papier schimpft. Dass der Immunologe den Bericht anzweifelt, lässt Mattig hingegen kalt: «In diesem Gebiet ist Beda Stadler schlicht kein Fachmann, sondern ein Laie, der seine Meinung äussert», sagt Mattig. «Der Bericht wurde von einer wissenschaftlichen Gruppe erarbeitet, er beruht auf der State of the Art.»
Tatsächlich spricht die Evidenzlage zu Süssgetränken und Übergewicht eine deutliche Sprache: Der Zusammenhang wurde bereits in vielen Langzeitstudien beleuchtet und in grossen Übersichtsarbeiten zusammengefasst. Das Ergebnis: Die meisten Studien zeigten, dass Süssgetränke dick machen - es sei denn, die Studie wurde von der Getränkeindustrie gesponsert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.02.2012, 14:52 Uhr
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