An 80 Zürcher Schulen sprechen mehr als zwei Drittel kein Deutsch

Basler Politiker wollen in Schulklassen eine Mindestquote für Deutschsprachige einführen. In Zürich setzt man auf andere Massnahmen.

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Die Zahl der ausländischen Kinder an den Schweizer Schulen steigt unentwegt an. Im Kanton Zürich gibt es derzeit 93 Schulen, die wegen des hohen Anteils an Fremdsprachigen spezielle finanzielle Unterstützung aus einem staatlichen Hilfsprogramm (Quims) bekommen. 48 davon befinden sich in Zürich, der Rest auf dem übrigen Kantonsgebiet. Klassen mit mehr als 70 Prozent Fremdsprachigen gibt es an rund 80 Schulen.

In Basel wollen Politiker von links bis rechts mit einer Quote für Schweizerdeutsch sprechende Kinder reagieren. Konkret sollen in jeder Klasse mindestens 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Muttersprache Schweizerdeutsch haben. Zudem soll es keine Klassen geben, in denen mehr als 30 Prozent der Kinder dieselbe Fremdsprache sprechen und so Deutsch als Hauptsprache konkurrenzieren. Über den breit abgestützten Vorstoss entscheidet das Kantonsparlament voraussichtlich am nächsten Mittwoch.

Zemp: Keine schweizweit gültige Quote

Beat Zemp, Präsident des Dachverbands der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, begrüsst die vorgeschlagenen Quoten: Da Basel ohnehin die Schulkreise neu bilden müsse, solle man nun «diese Chance nutzen, um eigentliche Ghettoschulen zu verhindern, an denen keine deutschsprachigen Schüler mehr sind». Je besser Klassen durchmischt seien, desto schneller lernten fremdsprachige Kinder die Unterrichtssprache und Schweizerdeutsch.

Basel-Stadt sei aber ein Sonderfall, sagt Zemp. Eine schweizweit gültige Quote hält er nicht für sinnvoll. Laut Bildungsforschern wäre eine Mindestquote von zwei Dritteln Schweizerdeutsch sprechenden Schülerinnen und Schülern pro Klasse sinnvoll – nicht nur von 30 Prozent.

Zürich setzt auf Unterstützung

Im Kanton Zürich gibt es keine Quotendiskussionen. Der Chef des Zürcher Volksschulamtes, Martin Wendelspiess, erachtet eine solche Regelung als unnötig. Trotz der vielen Fremdsprachigen werde selbst in den am stärksten betroffenen Schulen vorwiegend Schweizerdeutsch gesprochen. Weil sich Albaner, Türken oder Portugiesen in ihren Sprachen nicht verständigen könnten, sei die Mundart für sie die Sprache der Verständigung.

Statt einer Quote für Schweizer Kinder bekommen Schulen mit vielen fremdsprachigen Kindern vielfältige Unterstützung. Neben dem Quims-Programm gibt es DaZ-Kurse, Deutsch als Zweitsprache; möglich sind auch Aufnahmeklassen für frisch Eingewanderte. Zudem wird im Kanton Zürich wie anderswo in der Schweiz für alle Gemeinden ein Sozialindex berechnet. Wenn er hoch ist, bekommen die Gemeindeschulen mehr Stellenprozente zugesprochen und können so kleinere Klassen bilden. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 11.05.2013, 06:42 Uhr)

Wie viele Kinder, die nicht Deutsch sprechen, verträgt es in einer Klasse? Die Kantone haben unterschiedliche Antworten auf diese Frage. (Bild: Keystone )

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