Anti-Grapsch-Kampagne für Flüchtlinge an Luzerner Fasnacht

Bald steigt die Fasnacht – und besorgte Bürger haben sich nach Köln bei der Luzerner Regierung gemeldet. Flugblätter sollen es richten.

Bitte nicht anfassen: Maskierte ziehen am Schmutzigen Donnerstag 2015 durch die Stadt Luzern. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Bitte nicht anfassen: Maskierte ziehen am Schmutzigen Donnerstag 2015 durch die Stadt Luzern. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

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Köln ist überall oder könnte sich zumindest überall ereignen, so der mediale Eindruck zurzeit. Dies fürchtet offensichtlich auch die Luzerner Regierung. In knapp drei Wochen startet die nach Basel grösste Fasnachtsveranstaltung der Schweiz und damit der erste Grossanlass nach den Ereignissen von Köln. Letztes Jahr kamen 150'000 Besucher an die Luzerner Fasnacht.

Diese Besucherinnen und Besucher will der Luzerner Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP) vor möglichen sexuellen Übergriffen durch Flüchtlinge schützen. Wie er heute dem regionalen Onlineportal «Zentralplus» bekannt gab, soll aufgrund der Kölner Vorfälle in Luzern ein Infoblatt an die Asylsuchenden verteilt werden. Man werde in den Luzerner Asylzentren eine Aufklärungskampagne starten, denn es müsse klar sein, so Graf, dass es «bezüglich sexueller Belästigung, beziehungsweise sexuellen Übergriffen in unserer Gesellschaft eine Nulltoleranz gibt.»

Belästigung bisher kein grosses Thema

Wie Silvia Bolliger, Sprecherin des Gesundheits- und Sozialdepartements des Kantons Luzern, auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagte, hätten sich besorgte Bürger und Bürgerinnen bei den Luzerner Behörden gemeldet. Anfang Januar erklärte Graf, dass sexuelle Übergriffe an der Fasnacht in den letzten Jahren nur in Einzelfällen der Polizei gemeldet wurden und sich auch nicht häufiger als sonst ereignen würden. Bolliger betont denn auch: «Auch im Zusammenhang mit Flüchtlingen war sexuelle Belästigung bisher kein grosses Thema im Kanton Luzern.»

«Der genaue Wortlaut der Kampagne ist noch nicht bekannt.»Silvia Bolliger, Gesundheits- und Sozialdepartement

Bei der Anti-Grapsch-Kampagne handelt es sich aber nicht um besondere Gender-Kurse, sondern um Flyer, welche den Asylsuchenden in den Zentren in die Hände gedrückt oder als Plakate dort aufgehängt werden. «Die Gestaltung und der genaue Wortlaut sind noch nicht bekannt, weil die Umsetzung noch im Gange ist», so Silvia Bolliger. Abgesehen von der kurzfristig angesetzten Kampagne werde den Flüchtlingen bereits in den herkömmlichen Integrationskursen der respektvolle Umgang mit dem anderen Geschlecht anhand von guten und schlechten Beispielen erklärt. Und: «Die Asylbewerber werden darauf hingewiesen, dass jegliche Verstösse gegen die Schweizer Rechtsordnung der Polizei gemeldet werden.»

Der Luzerner Regierungsrat Guido Graf sorgte letzten Sommer landesweit für Schlagzeilen. In einem Brief an Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga forderte er, dass Asylsuchende aus Eritrea in der Schweiz nicht mehr als Flüchtlinge anerkannt werden sollen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 13.01.2016, 15:21 Uhr)

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