Arbeitsprogramme der Sozialhilfe bringen nichts
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Gut gemeint heisst nicht immer auch gut gelungen. Diese ernüchternde Erkenntnis mussten gestern auch die Sozialhilfebehörden von Städten und Gemeinden zur Kenntnis nehmen. Denn eine im Auftrag des Bundes erarbeitete Studie kam zum Schluss, dass ihre Bemühungen, Sozialhilfebezüger wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, weitgehend wirkungslos bleiben. Schlimmer noch: Vielfach haben die Kurse und Beschäftigungsprogramme gar einen kontraproduktiven Effekt. Wer lange in einem Hilfsprogramm bleibt, scheint das Interesse zu verlieren, sich selber um einen Job zu bemühen. In der Studie heisst es darum schonungslos: «Keine Massnahme zu verfügen, ist in vielen Fällen die deutlich wirkungsvollste Massnahme.»
Zu diesem Schluss gekommen sind die Autoren nach einer Befragung von 1529 Menschen, die 2005 und 2006 in die Sozialhilfe gefallen sind. Sie untersuchten, wo diese Menschen rund drei Jahre später standen, und kamen zu folgendem Resultat: Knapp ein Viertel der Befragten waren wieder dauerhaft in den Arbeitsmarkt integriert. Noch mehr allerdings, nämlich 28 Prozent, gelang dies nicht. Sie waren immer noch permanent auf Sozialhilfe angewiesen. Dazwischen liegen viele Menschen, die temporär, auf Abruf oder vorübergehend arbeiteten und von teilweiser Unterstützung der Sozialhilfe lebten.
Schlechtes Omen für die IV
Zumindest von diesem Ergebnis zeigte sich Ko-Autor Daniel Aeppli positiv überrascht. «Ich staune, dass es so viele geschafft haben», sagt er. Als enttäuschend taxiert der Sozialforscher hingegen die Wirksamkeit der Beschäftigungsprogramme – und ist damit nicht allein. «Die Integrationswirkung ist mager», räumt Ruedi Meier ein, der Leiter der Städteinitiative Sozialpolitik. Und der Präsident der Konferenz für Sozialhilfe, Walter Schmid, stellte fest, dass die Erwartungen bezüglich Wiedereingliederung wohl zu hoch gewesen sind. «Man muss der Realität ins Auge sehen, dass viele Sozialhilfebezüger nie mehr eine Arbeit finden werden.»
Einstellen, so das Fazit der Experten, dürfe man die Anstrengungen deswegen aber nicht. Mit individuellerer Betreuung und einem stärkeren Akzent auf der Eigenverantwortung liessen sich die Resultate wohl verbessern. Und für viele Betroffene seien die Beschäftigungsprogramme vor allem auch eine soziale Hilfe. Sie würden sonst jede Tagesstruktur und jeden sozialen Kontakt verlieren. Sorgen macht die schwierige Situation den Experten trotzdem, speziell mit Blick auf die IV. Der Bund möchte ihre Rechnung wieder ins Lot bringen, indem er 12500 IV-Rentner wieder ins Berufsleben eingliedert. «Das wird sehr schwierig», befürchtet Ruedi Meier nun erst recht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.10.2009, 07:19 Uhr
Schweiz
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