Armeechef Blattmanns kuriose Karte

Eine brisante Karte von Armeechef André Blattmann zeigt Risikoländer in Europa. Gefährdet sind demnach auch Italien und Frankreich. Linke Sicherheitspolitiker reagieren entsetzt.

Rundum Bedrohungen: Gefahrenkarte von Armee-Chef Blattmann.

Rundum Bedrohungen: Gefahrenkarte von Armee-Chef Blattmann.

Hebt den Warnfinger: André Blattmann.

Hebt den Warnfinger: André Blattmann. (Bild: Keystone)

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Die Europa-Karte, die auch die an die EU grenzenden Länder enthält, zeigte Armeechef André Blattmann im Rahmen einer Folienpräsentation der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) des Nationalrats. Gemäss mehreren Quellen taxiert sie neben Griechenland vier EU-Staaten als gefährdet: Spanien, Italien, Frankreich und Portugal. Sie listet mit Symbolen vier Kriterien auf – die den einzelnen Ländern zugewiesen werden:

Nuklearmacht: Wer über Atomwaffen verfügt oder auf dem Weg dazu ist.

Euro: Staaten, die die Kriterien der Eurozone nicht mehr oder bald nicht mehr erfüllen.

Unruhen: Staaten, in denen soziale Unruhen drohen.

Anschläge: Staaten, in welchen bereits Anschläge verübt worden sind.

Insider sagen, die Karte wirke «handgestrickt», weil sie Fakten und Mutmassungen vermische. Sie ist das Werk des Bereichs Verteidigung unter Armeechef Blattmann. Nicht einmal der strategische Nachrichtendienst (SND), der Auslandgeheimdienst, soll daran mitgewirkt haben.

«Wir sind überrascht über diese Aussage»

Brisant geworden ist die Karte nach Blattmanns Äusserungen zu Griechenland. «Auch grosse Migrationsströme könnten einen Einsatz nötig machen. Denken Sie nur an die wirtschaftliche Situation in Griechenland: Plötzlich steht in einem EU-Land der Staat vor dem Bankrott!», hatte Blattmann dem «Tages-Anzeiger» gesagt.

Griechenland reagiert heftig. «Wir sind überrascht über diese Aussage», hält Achilles Paparsenos gegenüber dem «Sonntag» fest, Sprecher der griechischen Uno-Mission in Genf. «Nicht nur Griechenland, sondern auch andere EU-Staaten befinden sich in einer schwierigen finanziellen Lage. Niemand erwartet, dass Bürger dieser Länder allenfalls in die Schweiz kommen möchten.»

Entsetzt sind linke Sicherheitspolitiker. «Ich habe beim Präsidenten der Sicherheitspolitischen Kommission für unsere nächste Sitzung vom 22./23. März eine Aussprache dazu verlangt», sagt SiK-Vizepräsident und SP-Nationalrat Max Chopard. «Und zwar in Anwesenheit des Chefs der Armee.» Er werde am Dienstag mit Ueli Maurer über Bedrohungslagen sprechen, sagt SiK-Präsident Jakob Büchler. (bru)

Erstellt: 15.03.2010, 09:38 Uhr

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