Schweiz

Armee überprüft nach Polizistenmord 40'000 Ausgemusterte

Von Dölf Barben, Simona Benovici. Aktualisiert am 30.05.2011 5 Kommentare

Der Todesschütze von Schafhausen hätte nicht im Besitz einer Armeewaffe sein dürfen. Nun sieht sich die Armee zu einem administrativen Kraftakt veranlasst.

Wenn die Waffe nach der Ausmusterung zu Hause liegen bleibt: Sturmgewehr 90 in einem Schweizer Haushalt. (Archivbild)

Wenn die Waffe nach der Ausmusterung zu Hause liegen bleibt: Sturmgewehr 90 in einem Schweizer Haushalt. (Archivbild)
Bild: Keystone

Befürchtet, dass vergleichbare Fälle existieren: Armeechef André Blattmann. (Bild: Keystone )

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35-Jähriger erschiesst Polizisten

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Bei einer Zwangsräumung in Schafhausen i. E. hat der Betroffene einen Polizisten erschossen und einen weiteren verletzt.

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Das Drama im Emmental, bei dem am Dienstag ein Polizist bei einer Zwangsräumung erschossen wurde, hat Auswirkungen auf die Armee: Armeechef André Blattmann will 40'000 Dossiers von Personen überprüfen lassen, die aus medizinischen Gründen für untauglich erklärt und ausgemustert wurden. Diese Massnahme erfolge vor dem Hintergrund des Tötungsdelikts im Kanton Bern, heisst es in der Armeemitteilung.

Ebenfalls gestern gab die Kantonspolizei Bern bekannt, dass die Armeewaffe, die am Tatort gefunden wurde, tatsächlich dem 35-jährigen Schützen gehört. Er hatte die Pistole im Rahmen seines Armeedienstes als Unteroffizier erhalten. Allerdings hätte er nicht mehr im Besitz der Waffe sein dürfen. Wie die Armee in ihrer Mitteilung schreibt, wurde er bereits 2007 aus medizinischen Gründen «aus dem Dienst entlassen, aber nie ordentlich abgerüstet».

Nie ein Aufgebot erhalten

Zu diesem Zeitpunkt hätte der Korporal seine Waffe zusammen mit der weiteren persönlichen Ausrüstung abgeben müssen. Das ist nie geschehen, wie Armeesprecher Daniel Reist einräumte. Die Gründe dafür sollen untersucht werden. Aber nicht nur das: Die Dossiers all jener Personen, die in den letzten zehn Jahren aus medizinischen Gründen vorzeitig aus der Armee entlassen wurden, sollen überprüft werden.

Jedes Jahr würden rund 4000 Personen aus medizinischen Gründen vorzeitig aus der Armee entlassen, sagte Reist. Weil die Prüfung auf Geheiss des Armeechefs alle Personen umfassen soll, die in den letzten zehn Jahren auf diese Weise ausgemustert wurden, ergibt dies die Zahl von rund 40'000 Dossiers. Geprüft werden soll, «ob vergleichbare Fälle existieren», heisst es in der Mitteilung.

Militär will auf sicher gehen

Reist nimmt nicht an, dass es sich um einen Systemfehler handelt. «Wir rechnen nicht damit, dass die Überprüfung sehr grosse Abweichungen ergeben wird», sagte er. Man wolle einfach sicher sein, dass dieser Fall «die absolute Ausnahme ist». Ob es sich bei der vorgefundenen Pistole tatsächlich um die Tatwaffe handelt, wird laut Polizei erst in einigen Tagen bekannt sein.

Über die Zahl der vorgefundenen Projektile und den Ort, wo sie gefunden wurden – ausserhalb oder innerhalb der Wohnung –, gab es auf Nachfrage keine weiteren Informationen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.05.2011, 13:02 Uhr

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5 Kommentare

René Bitterlin

30.05.2011, 08:50 Uhr
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Wen erstaunt's ? Alle die 'Heimat-Freaks', die für die Waffeninitiative gestimmt haben sollen sich im Spiegel anschauen ! Die Kommentare...mein Mann ist Sportschütze.....gehören ins Reich der Fabeln, die Realität ist in Schafhausen passiert: Beim Abrüsten hat der Züghüsler gesagt '..bhalt se doch, die Pischtole...', ich höre ihn förmich ! Eine Ausnahme ? Dass ich nicht lache,................. Antworten


Christoph Geiser

30.05.2011, 23:32 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Den Nachruf auf die Waffeninitiative liest man recht häufig zur Zeit. Verhindert hätte es was? Der Mann hätte auch mit einer Heugabel hinter der Tür warten können. Bei einer Zwangsräumung wird man nicht einfach aus dem Haus getrieben, da geht ein Grossteil des ganzen Lebens flöten.
Die Armee reagiert ja. Ich sehe jetzt nicht, was die Unkenrufe da genau bezwecken sollen.
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