Schweiz

Auch Schweizer Juden kritisieren die israelische Besetzung

Von Claudia Kühner. Aktualisiert am 03.03.2009 3 Kommentare

Eine kleine Gruppe Schweizer Juden appelliert an Israel, die Besetzung der Palästinensergebiete zu beenden. Der Aufruf wird weltweit verbreitet.

Die Initiative geht auf den Zürcher Politik-Aktivisten Jochi Weil zurück. Shelley Berlowitz von der «Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina» wie Alt-Botschafter Philippe Lévy sassen Weil am Montag zur Seite, als er seine Idee in Bern der Presse vorstellte.

Der Appell, der auf private Initiative hin zustande kam und mit der offiziellen Schweiz nichts zu tun hat, will auf seiner Website www.humanrights-in-israel.ch weltweit Stimmen besorgter Juden sammeln, die «aus Mitverantwortung füreinander, im Geiste jüdischer Tradition» einen Aufruf an die israelische Regierung richten, «die Besetzung, Besiedlung und Blockade palästinensischer Gebiete zu beenden». Inzwischen haben 23 Erstunterzeichner aus der Schweiz, aus Österreich, Deutschland und Israel ihre Unterschrift beigesteuert. Abgefasst ist der Appell auch in Hebräisch, Arabisch und Russisch. Nun will man die nächsten drei Jahre möglichst viele der weltweit 13 Millionen Juden mit dem Appell ansprechen - in der Hoffnung, die israelische Politik zu einem Umdenken zu bewegen.

Schweigen sei Zustimmung zum Unrecht

Jochi Weil ist als Mitarbeiter von Medico International Schweiz für basismedizinische Projekte in den besetzten Gebieten tätig und mit den Verhältnissen aufs Engste vertraut. Nichts zu sagen, käme für ihn einer Art von Zustimmung zum Unrecht gleich, das dort geschehe.

Manche Juden , die nicht in Israel leben, in deren Namen aber israelische Regierungen auch gerne sprechen, sehen sich immer mehr im Zwiespalt. Den brachten auch die drei Initianten zum Ausdruck: Man fühlt sich der zionistischen Idee und auch dem Staat Israel verbunden, kann aber dessen Besatzungspolitik nicht mittragen und will für sie auch nicht «usurpiert» werden. Allerdings ist es unter den Diasporajuden eine sehr kleine Minderheit, die so denkt, und eine noch viel kleinere, die das auch öffentlich sagt. Wie Weil aus eigener Erfahrung weiss, isoliert sich, wer sich Israel gegenüber kritisch äussert. Doch lässt er sich in seinem Gefühl der «Mitverantwortung» für das, was im Nahen Osten geschieht, nicht beirren. Wie Alt-Botschafter Philippe Lévy ausführte, geht es um ein «sittlich inakzeptables» Verhalten in Form von Rechtsbrüchen, was das Verhältnis wie in einer Familie belaste.

«Endlich Bewegung in die Sache» bringen

Genauso aber geht es Lévy um das Völkerrecht, gerade in einem Kleinstaat. Zwar ist ihm bewusst, «dass es nicht an Aussenstehenden liegt, konkrete Vorschläge zu machen», aber die Initiative wolle «endlich Bewegung in die Sache» bringen. Ihn bestürze die Tatsache, dass er überhaupt keinen israelischen Friedensplan erkennen könne. Eine solche Initiative - und sie ist weder in der Schweiz noch international die einzige - darf sich freilich keine Illusion über die eigene Wirkung machen. Kritische Stimmen in Israel selber haben es schon schwer genug, vollends nach dem Gazakrieg, dem eine überwältigende Mehrheit zugestimmt hat und der einen Rechtsruck in den Wahlen zur Folge hatte.

Erst recht dürften es da Ausländer schwer haben, denen man noch mangelnde Loyalität vorwerfen kann. Dem setzt Shelley Berlowitz ihre Hoffnung entgegen, dass sich möglichst viele dem Appell anschliessen werden. Und Philippe Lévy gibt sich keiner Illusion hin, will aber den Versuch nicht unterlassen, für seine kritischen Fragen zu sensibilisieren. Im Übrigen lässt ihn die Erfahrung hoffen, dass israelische Regierungen meist nicht lange überleben, so auch nicht die nächste, vermutlich eine Rechts-Koalition. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.03.2009, 07:16 Uhr

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3 Kommentare

Peter Beutler

03.03.2009, 09:20 Uhr
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Wieder wird klar:man darf nicht alle Juden in einen Topf werfen.Solche Stimmen gab es schon lange.Leider werden diese in unseren Medien viel zu wenig publik gemacht.Bei den internationalen Verhandlungen über das Problem Israel Palästina sollte man diese Menschen auch einbeziehen.Warum wurde eigentlich nie ein Friedensnobelpreis an einen dieser jüdischen Friedensbewegten vergeben? Antworten


Matthias Roth

03.03.2009, 14:30 Uhr
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Nichts gegen Friedensbewegte, aber sind sich diese eigentlich dass sie einen Apartheidstaat propagieren (einen weiteren arabischen Staat, in dem Juden offenbar nicht leben dürfen)? Warum sonst muss alles Jüdische für einen sogenannten Frieden weichen? Antworten



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