Schweiz

Auf der Abkürzung in den Lehrerberuf

Aktualisiert am 25.06.2010

Den Deutschschweizer Kantonen droht ein akuter Lehrermangel. Jetzt ergreifen sie Massnahmen.

Lehrkräfte sind an der Volksschule derzeit Mangelware: Chemielehrer im Unterricht.

Lehrkräfte sind an der Volksschule derzeit Mangelware: Chemielehrer im Unterricht.
Bild: Keystone

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Die Rektoren der Pädagogischen Hochschulen präsentieren Massnahmen gegen den akuten Lehrermangel in der Deutschschweiz: Darunter sind eine vereinfachte Ergänzungsausbildung für weitere Schulfächer und eine intensivierte Ausbildung für profilierte Quereinsteiger.

Weiter schlägt die Schweizerische Konferenz der Rektorinnen und Rektoren der Pädagogischen Hochschulen (COHEP) gemäss Mitteilung vom Freitag den Einsatz von Studierenden in der Schulpraxis vor. Ins Auge fasst sie zudem die Weiterqualifizierung amtierender Primarlehrer zu Lehrpersonen der Sekundarstufe I.

COHEP-Präsident Willi Stadelmann sagte auf Anfrage, es liege nun an den einzelnen Pädagogischen Hochschulen in den Kantonen der deutschen Schweiz, auf der Basis dieser Vorschläge «realistische Programme» auszuarbeiten. In der Westschweiz und im Tessin gebe es keinen Lehrermangel.

Spitze des Lehrermangels brechen

Natürlich müssten auch die Kantone miteinbezogen werden, namentlich bezüglich der Finanzierungsfragen. So brauche es zum Beispiel eine Überbrückungsfinanzierung für Quereinsteiger. Diese hätten meist bereits familiäre Verpflichtungen und könnten es sich nicht leisten, ohne genügendes Einkommen ein Studium zu machen.

Stadelmann hofft, dass einige der Massnahmen - wie der Einsatz von Studierenden nach frühestens einem Jahr Studium als Lehrpersonen - sehr schnell umgesetzt werden können, «um die Spitze des Lehrermangels zu brechen».

2010/11 in Kraft

Die übrigen Massnahmen sollten idealerweise bereits zu Beginn des Wintersemesters 2010/11 in Kraft treten, hofft der COHEP-Präsident. Denn der Lehrpersonenmangel sei in der Deutschschweiz akut, jedoch regional unterschiedlich ausgeprägt. Er werde wird sich in den nächsten Jahren wahrscheinlich noch verschärfen.

Wie es im Communiqué der COHEP heisst, steigen in diesem Jahr die Anmeldezahlen praktisch an allen Pädagogischen Hochschulen (PH) an. Die Anmeldungen für das Lehrerstudium nehmen im Schnitt um 20 bis 25 Prozent zu. Dennoch wählten noch zu wenige junge Leute den Lehrerberuf, um den jetzigen und künftigen Bedarf abzudecken.

Keine «Schnellbleichen»

Die COHEP stellt fest, dass die Trägerkantone und -regionen der PH unter grossem Druck stünden, Massnahmen gegen den Lehrermangel zu ergreifen.

Dabei bestehe die Gefahr, dass möglichst schnell mehr Lehrpersonen in verkürzten, vereinfachten Studiengängen ausgebildet werden, die den von der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) festgelegten Qualitätsanforderungen nicht entsprechen.

Eine oberflächliche, qualitativ minderwertige Ausbildung hätte bedenkliche Konsequenzen für den Beruf der Lehrerinnen und Lehrer. Solche Ausbildungen würden den Lehrberuf abwerten und damit dem Ansehen der Profession schaden. Die COHEP legt deshalb grossen Wert darauf, dass alle Lehrpersonen EDK-anerkannte Diplome erreichen.

EDK begrüsst Massnahmen

«Man wird schauen müssen, ob die von der COHEP vorgeschlagenen Massnahmen kompatibel sind mit den geltenden Bestimmungen der Diplom- Anerkennung der EDK oder ob allenfalls Anpassungen notwendig werden», sagte EDK-Sprecherin Susanne Hardmeier. Sie denke dabei insbesondere an die Quereinsteiger.

Die EDK begrüsse es, dass die COHEP Massnahmen vorschlägt. Die Weiterqualifizierung von Primarlehrern zu Lehrern der Sekundarstufe I sei im Übrigen ein EDK-Projekt, das gegenwärtig in der Anhörung bei den Kantonen sei. Das Gleiche gelte für die vereinfachte Ergänzungsausbildung für zusätzliche Schulfächer. Diese Massnahme sei bald beschlussreif. (cpm/sda)

Erstellt: 25.06.2010, 11:00 Uhr

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