«Aus Radulović könnte man Radler machen»

Die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz möchte Ausländer besser integrieren. Diese sollen den Nachnamen ändern können, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Sollen künftig ihre Nachnamen ändern können: Zwei Serben beim Schachspiel in Zürich.

Sollen künftig ihre Nachnamen ändern können: Zwei Serben beim Schachspiel in Zürich.
Bild: Keystone

«Die Nachnamen würden je nach Sprachgebiet angepasst»: Anita Fetz.

«Die Nachnamen würden je nach Sprachgebiet angepasst»: Anita Fetz. (Bild: Keystone)

Anita Fetz

Anita Fetz ist Basler SP-Ständerätin.

Sie schlagen in einem Postulat vor, dass Ausländer bei der Einbürgerung ihren Nachnamen freiwillig «einschweizern» können. Was bringt das?
Die Namensänderungen würden insbesondere Jugendliche auf Lehrstellensuche vor Diskriminierungen schützen. Mehrere Studien haben gezeigt, dass ausländische Stellensucher bei schriftlichen Bewerbungen klar diskriminiert werden, und zwar wegen ihrer fremd klingenden Nachnamen. Viele Lehrmeister haben Vorurteile und glauben, diese Jugendlichen sprächen kein Deutsch oder seien schwierig im Umgang.

Namensänderungen als Allerweltsheilmittel der Integration?
Nein, das nicht. Die Namensänderungen sind aber eine mögliche Massnahme. Viele Schweizer sind sich nicht bewusst, was es heisst, als ausländischer Jugendlicher dauernd mit Vorurteilen konfrontiert zu werden. Diese haben das Gefühl, zweitklassige Menschen zu sein. So entstehen Aggressionen.

Bei der Lehrstellensuche haben vor allem Jugendliche aus dem Balkan und Südwesteuropa Probleme mit ihren Nachnamen, wie ein Pilotprojekt mit anonymisierten Bewerbungen vom KV Schweiz gezeigt hat. Sollen nun alle, die Radulović oder Krasniqi heissen, ihre Nachnamen ändern lassen?
Nein. Die Namensänderungen wären natürlich freiwillig. Kommt dazu: Nicht alle, die ein «-ić» oder ein «-iqi» im Namen haben, wollen diesen ändern. Mit meinen Postulat habe ich den Bundesrat lediglich beauftragt, die Möglichkeit von Namensänderungen zu überprüfen.

Entscheidet Ihrer Ansicht nach nur der Nachname über die Eingliederung in die Schweizer Gesellschaft?
Das glaube ich nicht. Aber jene, die einen «eingeschweizerten» Nachnamen haben wollen, sollen ihn bekommen. Neue Nachnamen sind übrigens nichts Neues: Als im 19. Jahrhundert viele Schweizer nach Amerika auswanderten, legten sie sich auch neue Nachnamen zu.

Nennen Sie doch einige Beispiele: Wie würde Herr Krasniqi heissen? Und Frau Radulović?
Man müsste zuerst schauen, was ein Nachname auf Deutsch übersetzt heisst. Taugt die Übersetzung für einen Nachnamen, kann man diese nehmen. Eine andere Möglichkeit wäre, die Nachnamen anzupassen. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Aus Krasniqi könnte man Krasner machen, aus Radulović zum Beispiel Radler.

Es kommt noch eine Schwierigkeit dazu. Es müsste sprachlich angepasste Namensänderungen für die Deutschschweiz, die Romandie und das Tessin geben.
Die Einbürgerung findet auf kantonaler Ebene und in den Gemeinden statt. Die Nachnamen würden je nach Sprachgebiet angepasst.

Was passiert mit Schweizern, die mit ihrem Nachnamen unglücklich sind? Sie würden sich benachteiligt fühlen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Schweizer nicht zufrieden sind mit ihrem Nachnamen (lacht). Sollte der Bundesrat meinen Vorschlag gut finden, könnten man durchaus auch einen Schritt weitergehen und Namensänderungen für Schweizer anbieten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Erstellt: 12.05.2009, 16:36 Uhr

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