Aus dem Kampfjet in den Regierungsrats-Sessel

Von Erwin Haas. Aktualisiert am 09.03.2010 3 Kommentare

So facettenreich der bisherige Pilot und neue Nidwaldner SVP-Regierungsrat Res Schmid auch ist: In der Politik hält er sich strikt an die Linie der Volkspartei.

SVP-Senkrechtstarter: Das Swissair-Grounding hat Res Schmid politisiert.

Beat Marti

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Während sich CVP und Grüne die Wunden lecken, freut sich die SVP Nidwalden über ihren erdrutschartigen Wahlsieg vom Sonntag – allen voran der neue Regierungsrat Res Schmid. Beim ersten Anlauf für das Exekutivamt war er 2006 noch klar gescheitert. Jetzt hat er vier Konkurrenten der FDP, CVP und Grünen überflügelt und zieht neben seinem Parteikollegen Ueli Amstad in die Regierung ein. Seinen Traumberuf als Chef-Testpilot der Schweizer Luftwaffe gibt er dafür auf.

In die Politik gebracht hatte ihn das Swissair-Grounding 2001. «Irgendetwas läuft da schief», sagte er sich damals. Seither will er das Schiefe aktiv geradebiegen. Zuerst in seinem Wohnort Emmetten als Präsident der Volkspartei. Und seit 2002 im Landrat, den er im laufenden Amtsjahr präsidiert.

Als Kritiker des Finanzhaushalts aufgefallen

Grosse politische Stricke hat der 52-jährige als kantonaler Parlamentarier aber nicht zerrissen. Wenn schon, ist er als Kritiker des Finanzhaushalts aufgefallen, der die Regulierungsfreude des Staates dämpfen und die Eigenverantwortung von Bürgern und Unternehmern fördern will. Etwa mit einer Motion gegen eine Reform der Nidwaldner Verwaltung, die er als «zu kostspielig und überflüssig» zu Fall brachte. Oder mit einer Anfrage zu Radarfallen und Geschwindigkeitsbussen, die für ihn eher den Staatssäckel füllen als zur Sicherheit beitragen. In Emmetten hätte er fast einen Antrag durchgebracht, die Gemeindeverwaltung zu verkleinern.

Schmid politisiert ganz auf der Linie der SVP: für Freiheit und Unabhängigkeit, für weniger Staat und Gesetze, für Unternehmen an die lange Leine. In Emmetten setzt er sich für eine Volksabstimmung über ein Hoteldorf mit 122 Appartements ein, das ein holländischer Investor für 53 Millionen Franken bauen will.

Wenn es für ihn Sinn macht, schreckt Schmid aber nicht davor zurück, sich zu verhalten wie einer der Grünen, denen er jetzt den Regierungssitz entrissen hat. In seinem Haus zuoberst an der Gumprechtstrasse am Dorfrand hat er eine Erdsonde mit Wärmepumpe eingebaut. Und er ist die 35 Kilometer zur Arbeit bei Armasuisse in Emmen regelmässig mit dem Elektrovelo gefahren – Radio hörend, um die Zeit effizient zu nutzen.

Unterwasser-Rugby gespielt

Überhaupt, der Sport: Wer bei extremen Flugmanövern mit dem F/A-18 9 G ausgesetzt wird, muss fit sein. Schmid sitzt im Vorstand des Skiclubs Emmetten, ist ein treffsicherer Pistolenschütze, wandert und schwimmt gern, spielte früher Unterwasser-Rugby und taucht ohne Sauerstoff bis in 30 Meter Tiefe. Beim kantonalen Parlamentarier-Skirennen fuhr er stets vorne mit, 2004 als Sieger.

Ins Bild des traditionsbewussten Heimatbewahrers passt, dass Schmid auch gern mal in der Tracht auftritt und im Stiftungsrat des Freilichtmuseums Ballenberg sitzt. Zudem singt er im Stanser Gospelchor mit.

«Schweizer Rohstoff Bildung» scheint ihm wichtig

Sein Wunschressort im Regierungsrat mochte Schmid gestern nicht verraten. Neu zu besetzen sind die Ämter Bau, Polizei und Sicherheit, Soziales und Gesundheit sowie Bildung. Am wichtigsten scheint dem gemächlichen und doch entschlossen wirkenden Berner der «Schweizer Rohstoff Bildung» zu sein, der unter einer Reformitis leide. Die Schule brauche weniger Administration und wieder mehr Lesen, Rechnen und Schreiben.

Dass sich Res Schmid als Regierungsrat auch dann ans Kollegialprinzip halten will, wenn er als SVPler unterliegt, steht für ihn aber ausser Frage. Politische Korrektheit hat er immerhin schon damit bewiesen, dass er sich bisher jeder qualifizierenden Äusserung über die von ihm getesteten Kampfjets Eurofighter, Rafale und Gripen enthalten hat.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.03.2010, 04:00 Uhr

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3 Kommentare

Rene Meier

09.03.2010, 10:29 Uhr
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Nichts ist hier aussergewöhnlich: Wie viele andere SVP-Leute auch verdient er sein Geld als Staatsangestellter. Wo ist seine Erfahrung in der Privatwirtschaft ? Antworten


Thomas Röthlisberger

09.03.2010, 04:09 Uhr
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Toll. Wir sollten mehr Politiker haben die Praxiserfahren und im Lebenstehen. Aber bis jetzt haben wir ja nur so Schulbankpolitiker mit null Praxiserfahrung. Also Res, auf in den Kampf. Es gibt viel zu tun in der Schweiz. Liebe grüsse von Thomas aus den Philippinen.Hopp SVP. Suveràne Volksnah Praktisch. Antworten



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