Schweiz

Ausländische Kinder als Leistungshemmer?

Aktualisiert am 27.09.2010 30 Kommentare

Die Ausländeranteile in Schweizer Schulklassen werden immer höher. Eine aktuelle Studie zeigt, wie und ob dieser Umstand die Leistung von Schweizer Kinder beeinflusst.

Schneiden bei Leistungstest schlechter ab als einheimische Kinder: Kinder von Migranten.

Schneiden bei Leistungstest schlechter ab als einheimische Kinder: Kinder von Migranten.
Bild: Keystone

Ein hoher Ausländeranteil in der Klasse wirkt sich nicht negativ auf die Schulleistungen der Schweizer Kinder aus. Die Immigranten selber hingegen werden in ihrer Entwicklung behindert, wie eine Studie am Lausanner Hochschulinstitut für öffentliche Verwaltung (IDHEAP) zeigt.

Der IDHEAP-Forscher Aurélien Abrassart analysierte die Resultate von Schülern der 9. Klasse bei der letzten PISA-Studie 2006 in der naturwissenschaftlichen Grundbildung. In der Schweiz beteiligten sich 2003 eingewanderte Ausländerkinder der ersten Generation, 2577 Ausländerkinder der zweiten Generation sowie 15'383 gebürtige Schweizer.

Abrassart wollte wissen, welche Faktoren erklären, dass Immigranten bei dem Test schlechter abschneiden als Schweizer Kinder. Insgesamt erreichten Immigranten erster und zweiter Generation rund 60 PISA-Punkte weniger als gebürtige Schweizer. Der Durchschnittswert bei dem Test beträgt 500 Punkte.

Wichtige Bücher

Der Forscher untersuchte zum einen mögliche Gründe innerhalb der Familie. Dazu gehören das Einkommen der Familie, das Bildungsniveau der Mutter, die Anzahl Bücher im Haushalt sowie die zu Hause gesprochene Sprache. Zum andern nahm er das ausserfamiliäre Umfeld unter die Lupe, also Klasse, Schule oder Wohnquartier.

Es zeigte sich, dass die familiären Faktoren etwa zwei Drittel der schlechteren Leistung der Immigranten erklären. Dabei waren das kulturelle Kapital (Anzahl Bücher) und die Sprache klar wichtiger als das Vermögen und die Bildung. Das verdeutliche die Bedeutung der intellektuellen Stimulation für Kinder, schreibt der Forscher.

Bei den ausserfamiliären Faktoren erlebte Abrassart eine Überraschung: Der Anteil ausländischer Schüler an einer Schule hat gemäss der Berechnung keine negativen Auswirkungen auf die Leistungen der Schweizer Schüler. Immigrierte Kinder dagegen erzielen in Klassen mit vielen Ausländern schlechtere Ergebnisse als in Klassen mit vielen Schweizern.

Klassen durchmischen

Der Effekt spiele vermutlich eher innerhalb der Klassen als in der ganzen Schule, schreibt der Forscher. Ein hoher Anteil in einer Klasse schade also eher Ausländerschülern als gebürtigen Schweizern - auf jeden Fall, wenn um die naturwissenschaftliche Grundlagenbildung geht.

Um die Chancengleichheit in der Schule zu gewährleisten, ist es deshalb laut Abrassart nötig, für eine genügende soziale und ethnische Durchmischung an Schulen und in Klassen zu sorgen. Gemischte Klassen könnten helfen, dass sich der Nachteil, den eingewanderte Kinder sowieso hätten, nicht noch verstärke.

Spätere Selektion

Eine Möglichkeit wäre laut Abrassard, eine allzu frühe Selektion in der Schule zu vermeiden. Laut ihm trennt das Schweizer System sehr rasch die Schüler gemäss ihren Kompetenzen. So würden die Kinder mit einem Prozess aufgeteilt, der enorm stark von den sozioökonomischen Voraussetzungen der Kinder abhänge.

Länder wie Schweden, Frankreich oder Grossbritannien dagegen haben laut dem Forscher schon in den 1970er-Jahren die Selektion in der Schule auf das Alter von 15 bis 16 Jahren verschoben. Solche Massnahmen seien also möglich; sie seien aber eine Frage der politischen Akzeptanz. (mrs/sda)

Erstellt: 27.09.2010, 22:49 Uhr

30

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

30 Kommentare

Konrad Weizenbach

28.09.2010, 08:13 Uhr
Melden

Der kulturelle Hintergrund wird hier politisch korrekt ausgeblendet. Dafür werden Gründe wie Einkommen, Bildung der Mutter, Sprache uä. vorgeschoben. Vielleicht überlegt sich mal ein Studienleiter, dass sich eben diese Gründe meist auf den kulturellen Background zurückführen lassen. So lange das nicht gemacht wird, sind solche Studien, die Symptome für Gründe verkaufen, nutzlos. Antworten


Werner Löschenkohl

27.09.2010, 23:28 Uhr
Melden

Immer mehr Zuwanderer äussern sich in aller Öffentlichkeit straffrei wie folgt: "Die Schweiz ist schön. Es stören nur die Schweizer". Wann reagiert die Politik auf diese unverschämte Frechheit. Unsere Vorfahren würden sich im Grabe umdrehen wie die Verantwortlichen Tatenlos zusehen und zuhören. Jetzt muss gehandelt werden, damit wir nicht untergehen. Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.