Bärenpark-Tragödie: «Wer hinein will, der kommt hinein»
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Herr Schildger, könnte es sich beim Vorfall vom Samstag um ein singuläres Ereignis handeln? Oder hoffen Sie das zumindest?
Es ist völlig klar, dass ich hoffe und persönlich davon ausgehe, dass es ein singuläres Ereignis ist. Wenn ich zurückblicke, gab es einen letzten ähnlichen Zwischenfall vor elf Jahren.
Sie sprechen den Tessiner Arzt an, der in den Bärengraben geriet?
Ja, er hatte im «Tramdepot» getrunken und danach Schneebälle nach den Bären geworfen. Um noch besser treffen zu können, kletterte er über die Abschrankung. Er rutschte ab und hing noch am Geländer – von wo ihn Bärin Selma heruntergerissen hat.
Aber er hat überlebt.
Selma hatte ihn in ihre Stallung geschleppt. Dort schlug der Tierpfleger mit einer Stange an die Gitter. Die Bärin war davon, dass sich ihr Tierpfleger wie ein Verrückter verhält, so sehr irritiert, dass sie wieder hinausging. Der Schieber konnte geschlossen und der Mann gerettet werden. Aber Selma hätte ihn genauso gut mit einem einzigen Biss töten können.
Hätte es auch am Samstag der Fall sein können, dass der Mann nach wenigen Augenblicken tot ist?
Ja, das ist so. Bei solchen Zwischenfällen gibt es keine Berechnung. Der Ausgang ist völlig offen.
Könnte der Zwischenfall zur Folge haben, dass nun Schabernack und Mutproben zunehmen?
Ich bitte um Verständnis, dass ich im Interesse dieser ganzen Institution und der ganzen Idee dazu lediglich sage: Hier habe ich volles Vertrauen in die gesellschaftliche Gesamtverantwortung gegenüber den Bären.
Noch zum Ort, wo der Vorfall seinen Anfang nahm: Um dort in den Park zu gelangen, braucht es keine besondere Fitness.
Ich könnte Ihnen viele andere Stellen aufzeigen, wo es keine besondere Fitness braucht, um in den Park zu gelangen. Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Man kann sich nicht gegen alle Eventualitäten schützen. Man muss sich aber gegen das schützen, was aus Versehen passieren kann: Jemand stolpert, wird geschubst, fällt hinein. Das muss man im Griff haben. Wenn jemand aber in den Bärenpark hinein will, dann kommt er hinein – genauso wie in die Tigeranlage in Zürich oder zu den Elefanten in Basel.
Wenn also ein Kleinkind in den Park fällt, ist das etwas anderes?
Ja. Für den Fall, dass ein Vater sein Kind unvorsichtigerweise auf die Abschrankung setzt, sich dann die Finger an der Zigarette verbrennt und das Kind fallen lässt, für diesen Fall gibt es den Separationszaun im Park drin. Der Bär kommt dort nicht bis zur Mauer hin. Aber dort, wo der Mann am Samstag hineingelangte, fällt niemand einfach so hinein. Dort muss jemand zuerst einmal über einen Zaun klettern. Und dann ist es kein Versehen mehr. Und das werden wir nie in den Griff bekommen.
Bernd Schildger ist Direktor des Bärenparks und des Tierparks Dählhölzli. (Der Bund)
Erstellt: 23.11.2009, 12:55 Uhr
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