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Basels Linke «entsetzt» über den neuen BaZ-Chefredaktor Markus Somm

Der Mann des Vertrauens von Christoph Blocher und Tito Tettamanti übernimmt die «Basler Zeitung». Die Reaktionen sind harsch. Ausser auf der Redaktion.

Von der «Weltwoche» zur BaZ: Markus Somm, der neue Chef, nach der ersten Blattkritik auf der Redaktion.

Von der «Weltwoche» zur BaZ: Markus Somm, der neue Chef, nach der ersten Blattkritik auf der Redaktion.
Bild: Keystone

Martin Wagner, Verleger der «Basler Zeitung», macht gern klare Ansagen. «Für alle in der Redaktion Anwesenden obligatorisch», lud Wagner zur «wichtigen Informationsveranstaltung». Dann, um 10 Uhr gestern Morgen, stellte Wagner den neuen Chef seiner Truppe vor: Markus Somm, bis dahin stellvertretender Chefredaktor der «Weltwoche», ersetze per sofort den ebenso per sofort entlassenen Chefredaktor Matthias Geering. Da Geering bereits vor der täglichen Blattkritik geschasst worden war, durfte Somm gleich zupacken. Zwar kam er dem Vernehmen nach nur bis Seite 4, sprach aber vornehmlich Lob aus.

«Einer gegen viele»

Damit und mit dem Hinweis, dass er sich auf politische und inhaltliche Debatten in der Redaktion freue – «auch wenn das einer gegen viele heisst» –, hat sich Somm die Sympathien der Redaktion zumindest teilweise gesichert. Und auch wenn es niemand offen sagt: Die Redaktion hat den Chefredaktorenwechsel herbeigesehnt. Die gleichen Leute, die noch im Februar fluchten, als der Tessiner Financier Tito Tettamanti zusammen mit Martin Wagner die BaZ kaufte, wollen Tettamanti-Intimus Somm nach seinem ersten Auftritt nun eine Chance geben.

Ausserhalb der Redaktion fielen die Reaktionen indes harsch aus. Zwar erwartete niemand, dass Tettamanti, der 75 Prozent an der Basler Zeitung Medien hält und Roger Köppel bereits die «Weltwoche» zugehalten hatte, den traditionell linksliberalen Kurs der BaZ partout fortführen würde. Doch nach den anfänglichen Beteuerungen Wagners, die BaZ werde die liberale Zeitung aus der Region für die Region bleiben, erwischte die Meldung vom neuen Chefredaktor viele auf dem falschen Fuss.

Nicht in der Region verwurzelt

Somm, aufgewachsen im aargauischen Baden, wohnhaft in der Region Zürich, Vater von fünf Kindern, Biograf von Christoph Blocher, General Guisan und stellvertretender Chefredaktor der «Weltwoche», wird im stark lokalpatriotisch geprägten und traditionell links wählenden und stimmenden Basel einen schweren Stand haben. «Wir sind entsetzt, dass eingetroffen ist, was wir befürchtet haben», sagt SP-Präsident Martin Lüchinger. «Mit der Einsetzung von Markus Somm wird sich der bisher liberale Kurs der ‹Basler Zeitung› in Richtung ‹Weltwoche› akzentuieren.»

Noch schärfer kritisiert das linksgrüne Bündnis Basels starke Alternative (Basta) die Einsetzung von Markus Somm. «Markus Somm ist weder mit den hiesigen Verhältnissen vertraut, noch hat er sich durch unabhängigen Journalismus einen Namen gemacht. Bekannt geworden ist er als Mitarbeiter der ‹Weltwoche›, der einem rechtspopulistischen Meinungsjournalismus huldigt», schreibt Basta in einer Mitteilung.

SVP will objektive Berichterstattung

Sogar die Basler SVP äussert sich zurückhaltend. «Wir erwarten eine objektive Berichterstattung, was bei der BaZ bis anhin keine Selbstverständlichkeit war. Wenn das mit Herrn Somm besser wird, dann haben wir sicher nichts dagegen», sagt Partei-Präsident Sebastian Frehner. Und SP-Ständerätin Anita Fetz beurteilt die Neubesetzung in der Chefredaktion zumindest für die kommerzielle Entwicklung der BaZ als nicht ausreichend. «Ob man allein mit Chefredaktorenwechseln das erklärte Ziel der wirtschaftlichen Führung einer Zeitung erreicht, wage ich zu bezweifeln», sagt Fetz.

Martin Wagner, über Tito Tettamanti, aber auch über die «Weltwoche» seit langem mit Markus Somm verbunden, wehrt sich gegen die Kritik. Mit Urs Buess sei ein ausgewiesener Linker und Basler als stellvertretender Chefredaktor geblieben. Buess war Somms Vorgesetzter in dessen Zeit als Inlandredaktor beim «Tages-Anzeigers». Das damals gute Einvernehmen werde sich unter umgekehrten Vorzeichen nicht ändern und für eine ausgewogene politische Ausrichtung der Zeitung sorgen, verspricht Wagner. Ausserdem habe man mit Somm vereinbart, dass er in die Region Basel ziehe, um mit den örtlichen Gepflogenheiten schneller vertraut zu werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.08.2010, 23:13 Uhr

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11 Kommentare

Daniel Graf

25.11.2010, 13:08 Uhr
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Ich verstehe das Problem, besteht jetzt ja das Risiko, dass jemand in Basel eine andere Meinung in der Zeitung vertreten kann. Das wird hart, war doch Basel bisher so extrem liberal, und jetzt das... plötzlich eine neue Sichtweise, womöglich sogar noch kritisch!? Ich sorge mich ernsthaft um die Pressefreiheit, vielleicht kann man mit einem politischen Vorstoss die Einheitspresse durchsetzen? Antworten


andre tschudin

03.09.2010, 15:58 Uhr
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die baz ist zu links,also keineswegs mehr neutral,da ist es wirklich zeit,dass ein neuer wind weht,dank dieser zeitung,hat sich in basel viel zum schlechten gewandelt,da es ja die einzige tageszeitung ist,ihre sehnsucht nach der EU, ist direkt krankhaft,dank der rotgrünen regierung.zum glück gibt es hier noch 3 bürgerliche regieungsräte,die noch denken können,die zeiten ändern sich, auch in basel Antworten


Matthias Bertschinger

01.09.2010, 08:39 Uhr
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Super! Ein neuer Chefredaktor, von dem man weiss, dass er nicht daran denkt, (laut) darüber nachzudenken, ob Medien vielleicht noch eine andere Funktion haben als ihre Auflage zu steigern und Gewinn abzuwerfen, wenn dies von ihm verlangt wird: Nicht (laut) darüber nachzudenken. Antworten


Willy Dingeldein

31.08.2010, 14:22 Uhr
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Ich weiss es nicht genau, ich selbst bin 1939 geboren, ich bin aber ziemlich sicher, dass meine Eltern schon während des ganzen Zweiten Weltkriegs die damalige National-Zeitung abonniert hatten. Ich habe das dann bis heute weiter geführt. Ist nun tatsächlich im Spätsommer 2010 die Zeit gekommen das Abonnement zu kündigen? Noch habe ich für ein paar Monate bezahlt. Aber dann? Wir werden sehen... Antworten


Heiny W. Dürr

31.08.2010, 13:06 Uhr
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Basel's Rot-Grüne Regierung hat jetzt ein Problem. Jetzt schreibt vielleicht die Basler Zeitung ein bisschen objektiver als vorher. Bisher war diese Zeitung ja wirklich mehr links als die Regierung selbst. Dieser "Ausgleich" ist gut. Antworten


Daniel Jaggi

31.08.2010, 12:45 Uhr
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Die Linken haben ein Problem mit sich selbst. Vermutlich leiden sie unter Verfolgungswahn. Da gibts hunderte von linken Zeitungen, das gesamte SRG Programm ist stramm links, und die Basler Genossen jammern weil ein Bürgerlicher Chefredaktor zur BAZ kommt!! Solche Menschen sind zu bedauern, denn andere Meinungen haben bei denen keinen Platz. Antworten


Toni Hänggi

31.08.2010, 12:26 Uhr
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Da kann man nur hoffen, das die BAZ nicht zur zweiten "Prawda" der SVP wird. Stirbt die Hoffnung wirklich zuletzt? Antworten


Markus Berner

31.08.2010, 12:14 Uhr
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Da haben zwei Superreiche Schweizer den Baslern einen schönen Kuckuck ins Nest gesetzt! Viel Vergnügen. Antworten


Lea Kretschmer

31.08.2010, 11:35 Uhr
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Bei den folgenden Abo-Kündigungen der BaZ wird das ein kurzes Gastspiel in Basel, auch wenn 'sanft' an den neuen Stil herangeführt wird. Wer Erfolg hat, wird sich behaupten, der einzige Vorteil des Kapitalismus. Antworten


Matthias Steiner

31.08.2010, 10:57 Uhr
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Aus dem Blickwinkel der Pressefreiheit ist die Reaktion der Linksparteien einmal mehr entlarvend, wenn auch nicht überraschend. Es sei jedermann unbenommen, eine eigene Zeitung herauszugeben. Für die Meinungsvielfalt in der Region wäre dies sogar der Idealfall. Antworten


René Grossenbacher

31.08.2010, 05:53 Uhr
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Das definitive Ende der "Basler" Zeitung ist abzusehen. Auch wenn der Titel bleiben sollte, wird daraus bestenfalls eine"Nordwestschweizer Allgemeine" werden oder sogar, analog der Weltwoche", ein zweites Parteiorgan der SVP. Antworten



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