Basels Linke «entsetzt» über den neuen BaZ-Chefredaktor Markus Somm

Von Maurice Thiriet . Aktualisiert am 31.08.2010 11 Kommentare

Der Mann des Vertrauens von Christoph Blocher und Tito Tettamanti übernimmt die «Basler Zeitung». Die Reaktionen sind harsch. Ausser auf der Redaktion.

Von der «Weltwoche» zur BaZ: Markus Somm, der neue Chef, nach der ersten Blattkritik auf der Redaktion.

Von der «Weltwoche» zur BaZ: Markus Somm, der neue Chef, nach der ersten Blattkritik auf der Redaktion.
Bild: Keystone

Martin Wagner, Verleger der «Basler Zeitung», macht gern klare Ansagen. «Für alle in der Redaktion Anwesenden obligatorisch», lud Wagner zur «wichtigen Informationsveranstaltung». Dann, um 10 Uhr gestern Morgen, stellte Wagner den neuen Chef seiner Truppe vor: Markus Somm, bis dahin stellvertretender Chefredaktor der «Weltwoche», ersetze per sofort den ebenso per sofort entlassenen Chefredaktor Matthias Geering. Da Geering bereits vor der täglichen Blattkritik geschasst worden war, durfte Somm gleich zupacken. Zwar kam er dem Vernehmen nach nur bis Seite 4, sprach aber vornehmlich Lob aus.

«Einer gegen viele»

Damit und mit dem Hinweis, dass er sich auf politische und inhaltliche Debatten in der Redaktion freue – «auch wenn das einer gegen viele heisst» –, hat sich Somm die Sympathien der Redaktion zumindest teilweise gesichert. Und auch wenn es niemand offen sagt: Die Redaktion hat den Chefredaktorenwechsel herbeigesehnt. Die gleichen Leute, die noch im Februar fluchten, als der Tessiner Financier Tito Tettamanti zusammen mit Martin Wagner die BaZ kaufte, wollen Tettamanti-Intimus Somm nach seinem ersten Auftritt nun eine Chance geben.

Ausserhalb der Redaktion fielen die Reaktionen indes harsch aus. Zwar erwartete niemand, dass Tettamanti, der 75 Prozent an der Basler Zeitung Medien hält und Roger Köppel bereits die «Weltwoche» zugehalten hatte, den traditionell linksliberalen Kurs der BaZ partout fortführen würde. Doch nach den anfänglichen Beteuerungen Wagners, die BaZ werde die liberale Zeitung aus der Region für die Region bleiben, erwischte die Meldung vom neuen Chefredaktor viele auf dem falschen Fuss.

Nicht in der Region verwurzelt

Somm, aufgewachsen im aargauischen Baden, wohnhaft in der Region Zürich, Vater von fünf Kindern, Biograf von Christoph Blocher, General Guisan und stellvertretender Chefredaktor der «Weltwoche», wird im stark lokalpatriotisch geprägten und traditionell links wählenden und stimmenden Basel einen schweren Stand haben. «Wir sind entsetzt, dass eingetroffen ist, was wir befürchtet haben», sagt SP-Präsident Martin Lüchinger. «Mit der Einsetzung von Markus Somm wird sich der bisher liberale Kurs der ‹Basler Zeitung› in Richtung ‹Weltwoche› akzentuieren.»

Noch schärfer kritisiert das linksgrüne Bündnis Basels starke Alternative (Basta) die Einsetzung von Markus Somm. «Markus Somm ist weder mit den hiesigen Verhältnissen vertraut, noch hat er sich durch unabhängigen Journalismus einen Namen gemacht. Bekannt geworden ist er als Mitarbeiter der ‹Weltwoche›, der einem rechtspopulistischen Meinungsjournalismus huldigt», schreibt Basta in einer Mitteilung.

SVP will objektive Berichterstattung

Sogar die Basler SVP äussert sich zurückhaltend. «Wir erwarten eine objektive Berichterstattung, was bei der BaZ bis anhin keine Selbstverständlichkeit war. Wenn das mit Herrn Somm besser wird, dann haben wir sicher nichts dagegen», sagt Partei-Präsident Sebastian Frehner. Und SP-Ständerätin Anita Fetz beurteilt die Neubesetzung in der Chefredaktion zumindest für die kommerzielle Entwicklung der BaZ als nicht ausreichend. «Ob man allein mit Chefredaktorenwechseln das erklärte Ziel der wirtschaftlichen Führung einer Zeitung erreicht, wage ich zu bezweifeln», sagt Fetz.

Martin Wagner, über Tito Tettamanti, aber auch über die «Weltwoche» seit langem mit Markus Somm verbunden, wehrt sich gegen die Kritik. Mit Urs Buess sei ein ausgewiesener Linker und Basler als stellvertretender Chefredaktor geblieben. Buess war Somms Vorgesetzter in dessen Zeit als Inlandredaktor beim «Tages-Anzeigers». Das damals gute Einvernehmen werde sich unter umgekehrten Vorzeichen nicht ändern und für eine ausgewogene politische Ausrichtung der Zeitung sorgen, verspricht Wagner. Ausserdem habe man mit Somm vereinbart, dass er in die Region Basel ziehe, um mit den örtlichen Gepflogenheiten schneller vertraut zu werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.08.2010, 23:13 Uhr

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11 Kommentare

Markus Berner

31.08.2010, 12:14 Uhr
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Da haben zwei Superreiche Schweizer den Baslern einen schönen Kuckuck ins Nest gesetzt! Viel Vergnügen. Antworten


René Grossenbacher

31.08.2010, 05:53 Uhr
Melden

Das definitive Ende der "Basler" Zeitung ist abzusehen. Auch wenn der Titel bleiben sollte, wird daraus bestenfalls eine"Nordwestschweizer Allgemeine" werden oder sogar, analog der Weltwoche", ein zweites Parteiorgan der SVP. Antworten



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