Basketball-Talent blitzt erneut ab

Die 19-jährige Sura al-Shawk darf weiterhin nicht an der Basketball-Meisterschaft teilnehmen, wenn sie ein Kopftuch trägt. Das Amtsgericht Luzern-Land hat es abgelehnt, vorsorgliche Massnahmen zu erlassen.

Sura-al-Shawk besteht weiter auf dem Kopftuch: Das Amtsgericht Luzern besteht auf dem Verbot.

Peter Lauth

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Amtsgerichtspräsident Peter Schumacher wird dem Basketballverband Pro Basket nicht befehlen, der 19-jährigen Sura al-Shawk bis auf Weiteres das Spielen mit Kopftuch bei ihrem Verein STV Luzern Basket zu gestatten. Schumacher lehnte es ab, eine entsprechende vorsorgliche Massnahme zu erlassen, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Entscheid hervorgeht.

Das Kopftuchverbot sei für eine Muslimin zwar «durchaus eine Einschränkung in ihrem Persönlichkeitsrecht». Aber eine Diskriminierung sei «nicht ersichtlich». Und zudem habe Shawk in diese Einschränkung eingewilligt, indem sie sich verpflichtet habe, die Regeln des Basketballspiels zu beachten, hielt der Richter fest.

Die vom grünen Nationalrat Daniel Vischer vertretene Frau, im Jahr 2000 mit ihrer Familie aus dem Irak geflüchtet, hatte geltend gemacht, sie habe das Verbot nie akzeptiert. Durch dieses werde sie in ihrer Persönlichkeit widerrechtlich verletzt. Das Tragen des Kopftuchs sei für sie Bestandteil ihrer religiösen Identität und Persönlichkeit. Sie werde wegen ihrer religiösen Zugehörigkeit diskriminiert. Zudem habe sie längere Zeit mit dem Kopftuch gespielt, was nicht beanstandet worden sei.

Tatsächlich hatte der Nord-Ostschweizer Basketballverband Pro Basket das Verbot erst ausgesprochen, nachdem Shawk vom Basketballklub Buchrain-Ebikon zum Luzerner Damenteam der 1. Liga Regional gestossen war. Der Verband hatte nach eigenen Angaben keine Kenntnis von diesem Regelverstoss. Vor Gericht verwies sein Anwalt auf die offiziellen Regeln der internationalen Basketball-Föderation Fiba. Danach ist das Tragen einer «Kopfbedeckung» nicht erlaubt, weil sie zu jenen Gegenständen gehört, die zu Verletzungen führen können. Die 19-Jährige habe die Fiba-Regeln unterschriftlich anerkannt. Zudem sei das «Interesse des Verbandes am Gesundheitsschutz der Sportler und an der Sicherung eines geordneten und fairen Spielbetriebes höher zu gewichten als das private Interesse am Tragen des Kopftuches».

Noch kein definitiver Entscheid

Richter Schumacher verneinte eine Diskriminierung, weil die Spielregeln auch für Angehörige anderer Konfessionen gelten. Die Einschränkung der Persönlichkeitsrechte sei zumutbar; sie gelte nur für offizielle Spiele, nicht aber für Trainings oder Spiele ausserhalb des Verbandes. Die Persönlichkeitsverletzung sei auch nicht widerrechtlich, weil Shawk mit ihrer Unterschrift die Spielregeln anerkannt und damit in die Einschränkung eingewilligt habe.

Bei der Abwägung der Interessen des Verbandes und der Frau schloss sich der Richter den Argumenten des Verbandes an. Der Gymnasiastin, «die sich für ein Leben in der westlichen Gesellschaft entschieden hat und offenbar bestens integriert ist, darf das Ablegen des Kopftuches während offizieller Basketballspiele zugemutet werden.»

Ob Vischer den Entscheid anfechten wird, will er zuerst mit seiner Mandantin besprechen. Nach diesem Vorverfahren soll jetzt aber der ordentliche Prozess eingeleitet werden. Er findet gemäss den Verbandsrichtlinien vor einem Schiedsgericht statt. Sura al-Shawk spielt seit August nicht mehr. Dass das ihre Spielpraxis und die Position in der Mannschaft schwächt, weiss sie. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 28.01.2010, 11:47 Uhr)

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