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Basler Bischof übernimmt Spitzenamt in Rom

Kurt Koch wurde zum Ökumeneminister im Vatikan ernannt. Im Herbst wird er den Kardinalspurpur empfangen.

Übernimmt ein Spitzenamt: Kurt Koch wird vierter Schweizer Kardinal in Rom.

Übernimmt ein Spitzenamt: Kurt Koch wird vierter Schweizer Kardinal in Rom.
Bild: Keystone

Kurt Koch wird weltweite Bekanntheit erlangen. Der Basler Bischof wird als Nachfolger des deutschen Kardinals Walter Kasper ein Spitzenamt übernehmen, das wie kaum ein anderes im Fokus der Öffentlichkeit steht. Die Ernennung zum Ökumeneminister durch den Papst ist heute bekannt gegeben worden. Wohl im Herbst wird der 60-jährige Luzerner den Kardinalspurpur aus den Händen Benedikt XVI. erhalten. Damit bekommt die Schweiz ihren vierten Kardinal.

Den verlorenen Sohn zurückholen

Als Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen wird Koch an Papstes Stelle den Kontakt mit anderen Kirchen und christlichen Weltgemeinschaften pflegen, vor allem mit den 14 orthodoxen Kirchen. Ein schwieriges Unterfangen, vor allem seit Johannes Paul II. 2002 auf russischem Territorium vier Diözesen errichten liess. Koch wird die «strategische Allianz» mit den Ostkirchen mittragen, die in der Ablehnung des Frauenpriestertums und der Homosexualität besteht. Im Gespräch mit den evangelischen Kirchen ist er an die Doktrin gebunden, wonach diese gar keine Kirchen sind.

Als Ökumenekardinal ist Koch Präsident der 1974 geschaffenen «Kommission für die religiösen Beziehungen mit den Juden». Das dürfte die (Schweizer) Juden kaum freuen. Zu frisch ist die Erinnerung, wie dezidiert Koch Benedikt XVI. verteidigt hatte, als sich dieser mit den traditionalistischen Pius-Bischöfen, darunter Holocaust-Leugner Richard Williamson, aussöhnte. In einem offenen Brief verglich der Basler Bischof den Papst mit dem barmherzigen Vater, der die Lefebvre-Gemeinschaft wie den verlorenen Sohn in die Kirche zurückholt.

Vehement Partei für den Papst

Gegenüber jüdischen Exponenten verteidigte Koch die Karfreitagsfürbitte, mit ihr lässt Benedikt wieder für die Bekehrung der Juden zu Christus beten. Gemäss der kirchlichen Lehre werde zwar nicht die Kirche, aber Christus in der Endzeit als Retter Israels und der Juden auftreten, monierte Koch auch in einem kontroversen Briefwechsel mit dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund. Für diesen ist die «endzeitliche Vereinnahmung der Juden» durch den Messias Jesus aber völlig inakzeptabel.

Vielen ist aufgefallen, wie vehement der Bischof in letzter Zeit für Papst Benedikt Partei ergriffen hat. Dabei war Koch in den Achtzigerjahren als reformorientierter und durchaus romkritischer Theologieprofessor bekannt geworden. So attestierte er dem dissidenten Hans Küng, ein Nährvater der katholischen Theologie zu sein, und forderte seine Rehabilitation durch Rom. Das Papstamt bezeichnete er als das grösste Hindernis auf dem Weg zur Ökumene. Den Ausschluss der Frauen vom Priesteramt geisselte er als diskriminierend und die von Kardinal Ratzinger verfügten Bussschweigen für lateinamerikanische Befreiungstheologen als verfehlt.

Lob für den Opus-Dei-Gründer

Dem Opus Dei warf Koch 1992 noch vor, ein «Werkzeug zur Disziplinierung der Ortskirchen» mit «fundamentalistischem Sekteneffekt» zu sein. Es war denn auch die spanische Geheimorganisation, die 1995 nach seiner Wahl zum Basler Bischof intervenierte. Mit dem Resultat, dass der Heilige Stuhl die Bestätigung von Bischof Koch monatelang hinauszögerte. Ob Rom ihn damals auf Linientreue eingeschworen hat, bleibt offen. Jedenfalls lobte nun Koch den Opus-Dei-Gründer Escriva «als leuchtenden Stern für die Kirche». Er selber verteidigte seinen Wandel vom progressiven zum linientreuen Kirchenmann mit einer Replik im TA unter dem Titel «Soll meine Wende Sünde sein?».

Seiner Karriere zuliebe gab Koch offenbar auch im Konflikt mit dem aufmüpfigen Priester Franz Sabo in Röschenz BL nach. Vor den Sommerferien 2008 hatte er Sabo noch ultimativ zum Gespräch aufgefordert, um die «unhaltbare Situation zu prüfen». Im September dann kam es zur völlig überraschenden Versöhnung mit Sabo, der ihn einst als «herzlosen Funktionär» beschimpft hatte. In Röschenz war man schon damals überzeugt, dass Rom Koch einen Kardinalsposten angeboten hatte – vorausgesetzt, er würde den jahrelangen Konflikt mit Sabo bereinigen.

Eine verhängnisvolle Erscheinung

Das Zerwürfnis mit Sabo bescherte Koch eine der bittersten Niederlagen. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft entschied im September 2007, dass der Bischof beim Entzug der Missio Canonica von Franz Sabo dessen rechtliches Gehör verletzt habe. Darum müsse ihm die Kirchgemeinde Röschenz nicht kündigen. Koch, damals noch Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, fiel über Richter und Urteil her: Dieses sei eine für die demokratische Rechtskultur verhängnisvolle Erscheinung. Er erbat die Hilfe Roms und drohte mit der Trennung von Staat und Kirche.

Kurz darauf musste Koch, gesundheitlich angeschlagen, monatelang pausieren. Auch die Leitung seines Mammutbistums mit 1,2 Millionen Katholiken hatte ihm zugesetzt. Der Priestermangel bescherte ihm zahlreiche Konflikte mit Laientheologen. Es heisst, Koch sei aufgeblüht, seit er von seiner Berufung nach Rom wisse. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.06.2010, 11:53 Uhr

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