Bei neuen Autos werden Tagfahrlichter obligatorisch
Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 04.08.2010 40 Kommentare
Heute ist das Einschalten des Abblendlichtes tagsüber nicht obligatorisch – aber behördlich empfohlen. 57 Prozent der Autofahrer befolgen laut Statistik die Empfehlung. Wie sinnvoll es ist, auch am heiterhellen Tag mit eingeschaltetem Licht zu fahren, ist umstritten. Dennoch macht es der Bund nun gleich auf zwei Ebenen obligatorisch.
Es werde Licht – von selber
Einerseits übernimmt die Schweiz jene EU-Norm, die besagt, dass neue Autos mit sogenannten Tagfahrlichtern ausgerüstet sein müssen. Das sind Lichter, die beim Starten des Motors automatisch eingeschaltet werden. Sie sollen die Sicherheit im Verkehr erhöhen. Die Einführung stand schon seit einiger Zeit zur Diskussion. Nun stehe fest, dass die Regel auch in der Schweiz eingeführt werde, sagt Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamtes für Strassen, auf Anfrage. Die Regel gilt ab 2011.
Regel für alte Autos
Auch für alte Autos soll Fahren mit Licht am Tag obligatorisch werden. Der Bundesrat will dies auf Gesetzesebene im Rahmen des Massnahmenpakets Via sicura einführen. Demnach müssen all jene Autos, die noch keine festen Tagfahrlichter haben, tagsüber das Abblendlicht einschalten. Der Gesetzesvorschlag wird 2011 ins Parlament kommen. Frühstens 2012 wird das Gesetz in Kraft treten.
«Lichtüberflutung»
Wie stark die Sicherheit dank tagsüber eingeschaltetem Licht tatsächlich erhöht wird, ist indessen nicht klar. Es gibt zwar Studien, die nachzuweisen versuchen, wie viel weniger Unfälle verursacht werden. Gemäss Studien können Velofahrer und Fussgänger die Distanz von herannahenden Fahrzeugen besser einschätzen, wenn diese auch tagsüber beleuchtet sind.
Allerdings: In Österreich wurde die Lichtpflicht 2005 zwar eingeführt. Sie war aber von Anfang an umstritten und wurde drei Jahre später wieder abgeschafft. «Durch die Lichtüberflutung sind schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fussgänger, Radfahrer und Kinder benachteiligt», begründete Innenminister Günther Platter damals den Rückzieher. Autos würden durch das Licht zwar früher erkannt, doch würden die Autolenker länger hinschauen, was sie von der Strasse ablenke und Fussgänger übersehen lasse. Bei hellem Sonnenschein sei Licht am Auto eine unnötige Ablenkung.
Es braucht mehr Treibstoff
Das Fahren mit Licht am Tag bewirkt zudem einen nicht unerheblichen zusätzlichen CO2-Ausstoss. Die für das Licht erforderliche Elektrizität wird vom Automotor erzeugt. Dieser muss dafür umso mehr leisten und verbraucht deshalb mehr Benzin. Bei Abblendlichtern sind das auf 100 gefahrene Kilometer rund drei Deziliter. Bei den viel sparsameren automatischen Tagfahrlichtern sind es rund 0,5 Deziliter auf 100 Kilometer. Die Rechnung ergibt: Wären im Jahr 2008 alle Autos des privaten Personenverkehrs die gemäss Statistikamt 55 Milliarden zurückgelegten Kilometer mit automatischem Tagesfahrlicht gefahren, hätten sie rund 27 Millionen Liter mehr Benzin verbrannt als ohne diese Lichter. Nicht berücksichtigt ist in dieser Rechnung allerdings, dass das Autolicht bei in der Dunkelheit gefahrenen Kilometern so oder so eingeschaltet sein muss und dass schon 2008 etliche Autofahrer auch tagsüber mit Abblendlicht fuhren. (Berner Zeitung)
Erstellt: 04.08.2010, 11:23 Uhr
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40 Kommentare
Recht so, dann wird die Autoindustrie hoffentlich in Zukunft die günstigeren Tagfahrlichter einbauen. Die grauen PW sieht man auch am Tag kaum. Ich als Töfffahrer bin froh, dass meine Reflektoren mit dem obligatorischen Licht endlich auch wirken. Die Velos haben diese übrigens auch (obligatorisch). Antworten
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