Berner Ärzte trennen siamesische Zwillinge

Maya und Lydia drohten kurz nach der Geburt zu sterben. Ein seltener operativer Eingriff im Inselspital rettete ihnen das Leben.

Riskanter Eingriff geglückt: Das Inselspital in Bern. (Archiv)

Riskanter Eingriff geglückt: Das Inselspital in Bern. (Archiv) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Einem Ärzte-Team des Berner Inselspitals gelang eine medizinische Sensation. In einer Notfalloperation haben sie am 10. Dezember 2015 erfolgreich früh geborene siamesische Zwillinge getrennt, wie die «Sonntagszeitung» berichtet. Die Mädchen Maya und Lydia waren an der Leber grossflächig zusammengewachsen und teilten sich den Herzbeutel. Sie kamen acht Wochen zu früh in einer Drillingsgeburt zur Welt. Acht Tage nach der Geburt wurden sie operativ getrennt.

Die Winzlinge wogen zusammen nur 2200 Gramm, sie hatten auf einem A4-Blatt Platz, ihre Herzen waren vier Zentimeter gross. Erstmals wurden weltweit so kleine miteinander verwachsene Kinder getrennt. An der fünfstündigen Operation waren auch zwei Kinderleberchirurgen des Hôpitaux Universitaires de Genève (HUG) beteiligt. Normalerweise warten Ärzte drei bis sechs Monate, bevor sie siamesische Zwillinge trennen.

Seltenes Ereignis

Diese Möglichkeit hatte man am Inselspital nicht, da sich der der Zustand der Zwillinge deutlich verschlechterte. Durch die in der Leber verlaufenden Blutgefässe floss zu viel Blut von einem Kind zum anderen. Ein Kind erhielt zu viel Blut und hatte einen viel zu hohen Blutdruck, das andere bekam bei zu niedrigem Blutdruck zu wenig Blut. Beides kann zu Hirnschäden führen. «Wir konnten nicht länger warten», sagt Steffen Berger, Chefarzt der Kinderchirurgie des Inselspitals, «sonst wären beide Kinder wahrscheinlich relativ rasch gestorben.»

In der Schweiz gab es in den letzten 30 Jahren nur drei Mal siamesische Zwillinge, die auf die Welt kamen und nach der Trennung überlebten. Der Eingriff ist riskant: «Bei einer notfallmässigen Trennung von siamesischen Zwillingen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass beide sterben, bei 80 Prozent», sagt Berger. Maya und Lydia haben überlebt und entwickeln sich normal. «Wir sind überglücklich», sagt der Vater: «Ich fühle mich wie neu geboren.» (dia)

(Erstellt: 31.01.2016, 12:30 Uhr)

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