Schweiz
Bettelnde Kinder reisen per Bus an – Polizei vermutet Menschenhandel
Von Pascal Schwendener. Aktualisiert am 20.01.2009 24 Kommentare
Ausdehnung ohne Folgen
Staatsangehörige aus Rumänien und Bulgarien – ob Roma oder nicht – dürfen seit 2004 visumfrei in die Schweiz kommen. Die Abstimmung über die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit ändert daran nichts. Auch erwartet der Bundesrat keinen Anstieg von Straftaten. Dies auch darum , weil jene, die sich illegal hier aufhalten, aufgrund von Abkommen zurückgeführt werden können. Jetzt treten zudem verschärfte Rückübernahmeabkommen in Kraft. Gemäss Statistik wurden in den vergangenen fünf Jahren zwischen 133 und 163 rumänische Staatsangehörige in der Schweiz wegen Diebstahls verurteilt. In der gleichen Zeitspanne waren konstant rund 20 Rumänen in Schweizer Gefängnissen inhaftiert. (pas)
Wirkungsloses Verbot
Zwar ist das Betteln im Kanton Genf seit einem Jahr verboten. Dennoch kommen die beiden Tageszeitungen «Le Temps» und NZZ zur Einschätzung, dass sich in den vergangenen Wochen nicht weniger Almosensuchende auf den Strassen der Calvin-Stadt befinden als zuvor, sondern «vielleicht sogar mehr». Zwar kontrollierte die Polizei an die 2300 Bettler und verhängte bei jeder zweiten Kontrolle eine Ordnungsbusse. Doch das nützte kaum etwas. Auch der Entscheid, Angehörige der Roma aus ihren Lagern unter den Brücken zu verjagen, blieb offenbar ohne Wirkung. Die Leute übernachteten danach einfach in Parks oder Notunterkünften. Jedenfalls blieben sie in der Stadt und bettelten weiter. Sie hätten keine andere Wahl, heisst es seitens der Roma -Anwälte. Den Bettelnden kommt zugute, dass die Genfer Polizei im Konflikt mit der Kantonsregierung steht und vergangenen Herbst einen Bussen-Streik ausgerufen hat. Das Risiko, eine Busse bis zu hundert Franken zahlen zu müssen, entfällt darum derzeit für die Bettelnden.
Ausserdem sehen die Polizisten keinen Grund, gegen sie vorzugehen: «Sie sind keine Kriminellen, und ihre Papiere sind in Ordnung», heisst es. Die Polizei habe andere Prioritäten, und die Bevölkerung störe sich kaum an den Almosenempfängern. In Zürich und Basel, wo seit Jahren ein Bettelverbot herrscht, ist die Lage ähnlich ruhig wie in Bern. Dass organisierte Bettelbanden aktiv sind, wurde von den jeweiligen Korps bisher – wenn überhaupt – nur vereinzelt registriert, heisst es auf Anfrage. (pas)
Die Berner Fremdenpolizei (Frepo) beobachtete in den letzten Wochen Erstaunliches: «Auf der Schützenmatte parken immer wieder Busse, denen ganze Gruppen von Bettelnden entsteigen», sagt Alexander Ott. Der Frepo-Chef hat seine Leute angewiesen, dem Phänomen weiter auf den Grund zu gehen. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass die Reisegruppen aus Vorarlberg kämen. «Die Mitreisenden bezahlen zweihundert Franken für die Fahrt nach Bern, erhalten hier von ihrem Reiseführer die Information, wo sich die besten Bettel-Standorte befinden, und werden abends wieder für die Rückfahrt aufgeladen.» Was sie tagsüber an Almosen einnähmen, dürften sie offenbar behalten. Und das ist nicht eben wenig. In der Weihnachtszeit – so hätten die Untersuchungen gezeigt – liegt der Tagesumsatz eines Bettlers zwischen 400 und 600 Franken. «Fakt ist», so Ott, «dass es sich hier um ein gut organisiertes Business handelt.»
Viele Sinti und Roma
Otts Erkenntnisse fussen auf polizeilichen Ermittlungen, die über Weihnachten 2007 und 2008 stattgefunden hatten. Bei der ersten Aktion wurden 56 ausländische Bettlerinnen und Bettler angetroffen, darunter 9 Kinder und 2 behinderte Personen. Die Menschen stammten aus der Slowakei, Rumänien und Bulgarien und gehören mehrheitlich der ethnischen Gruppe der Roma an. Bei der Aktion in den vergangenen Wochen wurden jeweils Reisegruppen von 7 bis 8 Personen aus demselben Umfeld beobachtet.
Doch es ist nicht in erster Linie der organisierte «Betteltourismus», der Ott Kopfzerbrechen bereitet. Er erinnert daran, dass Polen, Ungarn und seit 2004 auch Rumänen und Bulgaren visafrei in die Schweiz einreisen dürfen. Auch sei die Bettelei in Bern nicht verboten. Allerdings würden mittellose Personen, die weniger als hundert Franken auf sich tragen und somit nicht für ihren «touristischen Aufenthalt» aufkommen können, mittels Ausreisemeldekarte aufgefordert, das Land innert 24 Stunden zu verlassen. Bei der dritten Anhaltung suche die Frepo beim Bundesamt für Migration um ein Einreiseverbot nach.
Kinder sind nirgends registriert
Nein, es sei nicht die Bettelei, die ihn so störe, betont Ott erneut. Erschreckend und möglicherweise strafrechtlich relevant sei die Tatsache, dass sich auch bei den jüngsten Kontrollen wiederum zwei Kinder unter den Bettelnden befanden, die ohne Eltern unterwegs waren. «Wir haben bei den beiden genauer hingeschaut und in ihren Herkunftsländern Erkundigungen über sie eingeholt.» Doch die Rückmeldungen seien ernüchternd: «Das 9-jährige Mädchen und der 12-jährige Bub sind nirgendwo registriert. Offiziell existieren sie gar nicht. Und demzufolge fehlen sie auch nirgends.» Ott will nun der Frage nachgehen, wer ihre Eltern sind und ob die Kinder allenfalls aktiv von den Bettlerbanden angeworben und in ein Abhängigkeitsverhältnis gebracht wurden. «Sollte sich dieser Verdacht erhärten, ginge es dann klar in Richtung Menschenhandel.» Ott fürchtet, dass sie sich kaum noch aus eigener Kraft befreien können, wenn sie sich erst einmal in den Händen einer Menschenhandels-Organisation befinden. «Sie sind quasi Freiwild.» Und es sei wahrscheinlich, «dass sie später irgendwo in der Landwirtschaft, auf dem Bau, in der Hausarbeit oder im Sexgewerbe ausgenutzt werden». Sie könnten zur Arbeit rekrutiert und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen finanziell oder arbeitsrechtlich ausgenutzt werden.
Er wolle darum alles daran setzen, die Organisationsstrukturen aufzudecken und zu knacken. Dass die Frepo Bern in diesem Bereich auf die Zusammenarbeit mit anderen Stellen angewiesen ist, liegt auf der Hand. Ott nimmt darum Einsitz im Kooperationsgremium Menschenhandel und pflegt so die Zusammenarbeit mit Akteuren von Justiz, Polizei, Strafverfolgungsbehörden und Opferschutzstellen auf allen Ebenen, um in der Sache weiterzukommen. Massnahmen im Bereich Menschenhandel zu treffen, sei jedoch sehr schwierig, erklärt Ott. Wolle man in diesem Bereich kriminelle Strukturen nachweisen, so erfordere dies äusserst zeit- und personalintensive Recherchen.
Wer gibt, gibt den Hintermännern
Jeder Einzelne könne der organisierten Bettelei und indirekt auch dem Menschenhandel entgegenwirken, mahnt Ott. Etwas tun heisst in diesem Fall etwas unterlassen: das Almosen verteilen. «Wer bettelnden Roma oder Sinti Geld gibt, unterstützt in erster Linie nicht die darbenden Einzelpersonen, sondern die Hintermänner», sagt Alexander Ott. Und wer Kindern Geld gebe, der legitimiere und zementiere deren Betteltätigkeit, anstatt ihnen einen anderen Weg zu öffnen. «Es gibt genügend soziale Institutionen hier und in den Herkunftsländern, wo die Minderjährigen besser aufgehoben sind als auf der Strasse», sagt der Chef der Fremdenpolizei. (Der Bund)
Erstellt: 20.01.2009, 07:31 Uhr
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24 Kommentare
Das hätte noch gefehlt, dass man hierzulande das Betteln verbieten will. Schliesslich ist für viele Schweizer absehbar, wann auch wir betteln gehen müssen. Wenn wir Milliarden den Banken schenken, aber die Sozialwerke ausbluten lassen (BR Merz z.B. kein Teuerungsausgleich der ehemals "bundeseigenen" Pensionskassen...) liegt der Zeitpunkt sehr nahe, wo wir selbst betteln müssen. Seht Euch vor! Antworten
"Bettlergruppen reisen regelmässig organisiert mit dem Bus". Ich habe diese "Arbeitsgruppen" in der Wiener-Innenstadt angetroffen. Das waren aber "nur Grenzgänger". Morgens rein, abends raus aus der Stadt. Nun werden sie bald bei uns sein. Aber werden sie dann auch täglich ein- und ausreisen? Die Wiener Unternehmer und Politiker haben gehandelt, sie sind weg. Was werden unsere tun? Antworten
Bunt gemischt: Die Personenfreizügigkeit muss für alles herhalten. Es gibt sie zwar noch nicht mit Rumänien und Bulgarien. Sie ist aber trotzdem Schuld an den Betteltouristen? Also Nein sagen am 8.2. dann hat in der CH bald niemand mehr etwas zu verschenken. So hört dann sicher auch die Bettelei auf? So einfach kann man auch "gestrickt sein"! Denken wäre angesagt! Antworten
Nun, betteln ist in der Stadt Bern nicht verboten. Das Bettelverbot gilt nur im Bahnhof bzw. in unmittelbarer Nähe der Ab- und Aufgänge. Ein Bettelverbot hätte in Bern politisch keine Chance, der Bürger hat gewählt. Zu stören scheint es die Mehrheit nicht. Bezüglich der "untätigen" Polizei ist zu sagen, dass diese dem Legalitätsprinzip verpflichtet ist, also nur tätig wird, wenn etwas verboten ist Antworten
Man braucht Sozialarbeiter, diese jungen und schmutzigen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Man muss ihnen eine Möglichkeit geben ihr Geld zu verdienen. Dies wäre der erste Schritt. Viele Roma und Sinti sind musikalisch Begabt(Notwendigkeit). Man könnte das Locker ausnützen und sie als Musiker einzusetzen.(BSP: Restau.) Nach Schritten, folgen die Wege. Sie werden schnell wissbegierig... Antworten
Echt skandalös! Vielleicht gäbe es eine einfache rechtliche Lösung: Das Betteln ist nur für Personen über 18 gestattet, und auch dies nur in 30km Umkreis von ihrem Wohnort. Wenn das durchgesetzt würde, könnte man sich halbwegs darauf verlassen, dass das Betteln wirklich nur von bedürftigen Einheimischen betrieben wird. Ein absolutes Bettelverbot finde ich unnötig. Antworten
Die kriminellen Behörden Berns und ihre Hampelmänner, die Polizei wollen ja, dass jedermann in die Schweiz und nach Bern einreisen kann. Sie wollen ja, dass nicht nur Romas oder andere Ausländer betteln, sondern auch Schweizer diese Art der Existenzsicherung wählen müssen. Die kriminelle Justiz macht mit und dirigiert gemäss Vereinbarung mit Politik Berns. Siehe www.ahv-ch.info und Sie verstehen! Antworten
Betteln ist eine ökonomische Tätigkeit. Diese wird dann ausgeübt, wenn es sich lohnt, und sie wird nicht ausgeübt, wenn es sich nicht lohnt. Ein Monatslohn von über 10'000 Franken ist ein starker Anreiz. Das Betteln wird durch das Spenden der Passanten also nicht reduziert - wie die Spender fälschlicherweise glauben - sondern gefördert. Wenn die Leute das nicht einsehen, bleibt nur ein Verbot. Antworten
Alle verdienen an den Umständen, die Arbeitgeber an billigen Arbeitskräften, die Linken und Grünen mit ihrer Sozialindustrie und die Hilfswerke (Caritas etc.) mit den Spenden! Aber irgendjemand muss ja auch der Verlierer in diesem Konstrukt sein. Wer wohl finanziert das Alles??? Antworten
Man kann doch wegen ein paar bettlender Kinder nicht die Chancen, welche uns eine Personenfreizügigkeit bringt, in Frage stellen. Diese Phänomen ist eine unangenehme Randerscheinung, welcher Einhalt gegeben werden muss. Das Betteln durch Kinder muss verboten werden, die Vorschriften müssten rigoros umgesetzt werden (Erhebung von Bussen). Im Wiederholungsfall Abschiebung und Konfiszierung des Autos Antworten
Also mit der Personenfreizügigkeit hat das überhaupt nichts zu tun. Und auch nicht mit Sinti oder Roma, die sich falsch verhalten (genauso würden wir uns nämlich auch verhalten, wenn wir an ihrer Stelle Geld bräuchten). Das Problem sind die Leute, die den Bettlern Geld geben. Je mehr Geld gegeben wird, desto mehr Bettler kommen. So einfach ist das. Antworten
Es ist eine Schande, dass die Behörden (Polizei?) solche organisierte Bettelei einfach dulden und beide Augen zudrücken. Den Bettelnden wird in keiner Art dabei geholfen, aber profitieren tun es die Hintermänner. Denen muss dieses Handwerk (Menschenhandel, Ausnützung armer Leute) verhindert werden. Leider wäre ein Mittel wirksam, wenn man keine Almosen geben würde. Unser Staat muss eingreifen. Antworten
Betteln ist wie bei der Prostitution und bei gewissen Bankgeschäften eine Frage der Moral oder der Not-wendigkeit. So oder so auch nur ein Geschäft. Ich habe deshalb nichts gegen das organisierte Betteln, denn Betteln ist ehrenwerter als Steheln. Anders ist es, wenn Erwachsene und Kinder durch Hintermänner eingespannt und ausgebeutet werden. Hier betrachte ich das Vorgehen der Polizei als richtig. Antworten
Nein dies hat ganz sicher nichts mit der Personenfreizügigkeit zu tun. Das Problem liegt bei den Leuten die jedem angeblich ''armen Bettler'' Geld geben. Dies spricht sich sehr schnell herum und auf einmal ist die ganze Bande hier. Für 400 Fr. im Tag würd ich auch auf die Strasse betteln gehen...Also Herr und Frau Berner gibt diesen Leuten kein Geld mehr fertig schluss ! Antworten
Betteln scheint ja ein lukratives Geschäft zu sein. Auch in Basel beobachtet man vermehrt alte Autos mit Ostblock-Kennzeichen. Meist zu 3 oder 4 kommen sie für mehrere Tage nach Basel und werden zentral ausgeladen, am Claraplatz z.Bsp. verteilen sie sich gleich sternförmig um zu betteln mit oder ohne Musik. Geschlafen wird im Auto bei der Wettsteinbrücke unten auf Grossbasler Seite. Antworten
Und was ist die Antwort unserer Politiker und Wirtschaftsbosse? Grenzen auf, volle Personenfreizügigkeit, keine Visumspflicht, keine Grenzkontrollen mehr, etc.! Und dann wird gejammert, man könne halt nichts tun - als ob unsere Rechtsordnung von Gott gegeben wäre. Ein erster Schritt gegen den Menschenhandel anzukämpfen ist ein Nein zur Personenfreizügigkeit. Antworten
Ich staune immer wieder wie lange unsere Polizei braucht um gewisse Erkenntnisse zu erhalten. Seit Jahren kommen solche Gruppen nach Bern. Seit Jahren werden ihnen MC Becher in die Hand gedrückt um zu betteln. Nur ein Bettelverbot würde da Ordnung bringen. Aber dies ist in Bern nicht möglich. Da wird eine Armada von Behörden aktiviert. Die Taumtänzer Sozialindustrie spielt. Antworten
Es hat viele Jahre gedauert, bis sich ein mutiger Beamter diesem Problem annahm. Zum Betteln gezwungene Kinder und junge Frauen, die vor den Bürofenstern unserer Regierung auf dem Strassenstrich verschachert werden, haben Polizei und Gerichten ignoriert, weil die Beschäftigung mit diesen schwierigen Themen nur Ärger brachte und nicht karrierefördernd war, weder bei Linken noch bei Rechten. Antworten
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joseph elektrotitte
Das Betteln sollte eigentlich ghefördert werden, sowie in musambara! Antworten