Schweiz
«Bis jetzt ist mir nur eine Naturkatastrophe erspart geblieben»
Aktualisiert am 25.11.2009 33 Kommentare
«Touch wood»: Hans-Rudolf Merz. (Bild: Keystone)
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Merz sagte: «Ja, ich habe ein schwieriges Jahr erwischt. Bis jetzt ist mir nur - touch wood - eine Naturkatastrophe erspart geblieben. Bloss, der Orkan Lothar kam damals auch erst am 26. Dezember. Sonst aber ist alles passiert, was passieren konnte. Das war mein annus horribilis.»
Merz erzählte ausführlich, warum er nach Libyen reiste, um die beiden festgehaltenen Schweizer zu befreien: «Weil ein Land wie unseres darauf angewiesen ist, zu exportieren, muss doch der Staat da sein, wenn zwei unserer Ingenieure unverschuldet in eine Notlage geraten.» Er sei immer noch sicher, dass die Schweizer freikommen: «Ich bin heute noch überzeugt: Die beiden werden heimkommen. Wir müssen mit den Arabern Geduld haben. Sie sind sehr emotional. Sie sind schwer zu lesen.»
Weiter äusserte der Schweizer seine Sicht auf eine sich verändernde Medienlandschaft: «Peter Studer, der ehemalige Präsident des Presserats, sagte einmal, mit der Ausbreitung der Sonntagspresse würden sich drei Tendenzen verstärken: Erstens die Personalisierung; wweitens die Skandalisierung, wobei die Titel der Artikel oft nicht mit dem Inhalt übereinstimmen; drittens die Moralisierung. Wenn einer nicht der gleichen Meinung ist, zweifelt man ihn moralisch an. Diese Tendenzen nehme ich jeden Sonntag wahr.» Aus dieser Erfahrung habe er seine Konsequenzen gezogen: «Den Blick lese ich seit Monaten nicht mehr. Ich weiss gar nicht mehr, wie er aussieht. Und ich stelle zu meinem Entsetzen fest, dass sich mein Leben qualitativ nicht verschlechtert hat.»
Und schilderte eine Episode über Finanzminister Peer Steinbrück: «Ich habe in einer Zeitung über Steinbrück gesagt: ‹Den Splitter im Auge des anderen sieht er, aber den Balken im eigenen Auge sieht er nicht.› Bloss dieses Zitat nahm niemand auf. Und ich dachte, längerfristig bringt es nichts, wenn ich mich mit Peer Steinbrück anlege. Ich gebe auch zu, dass ich die Hoffnung hatte, er werde bald abgewählt. Er sagte mir bei der Frühlingstagung des IWF in Washington, er sei von seiner Partei gar nicht überzeugt. Da fehle der innere Drive und die Geschlossenheit, er glaube nicht, dass die Bundestagswahlen gewonnen werden können.» Das Verhältnis zwischen den beiden Ländern habe dieses Jahr wegen abschätzigen Bemerkungen Steinbrücks gegenüber der Schweiz nachhaltig gelitten.
Merz ist aber überzeugt, dass das Verhältnis mit Steinbrücks Nachfolger besser werde: «Ich habe mit Wolfgang Schäuble telefoniert. Verglichen mit den Unterredungen, die ich mit seinem Vorgänger Peer Steinbrück führte, ist das wie Tag und Nacht. Der Ton von Wolfgang Schäuble ist getragen von Respekt, von Erfahrung, von Wissen, von Gefühl - das ist gut für die gegenseitigen Beziehungen. Franz Müntefering mit seinem Spruch, man solle jetzt Soldaten in die Schweiz schicken, hat mich wütend gemacht. Er hat unliebsame Erinnerungen an Zeiten geweckt, die eigentlich längst abgehakt sein sollten. Er und Peer Steinbrück haben hierzulande kontraproduktiv gewirkt.» Die Schweiz werde sich um einen intensiveren Austausch mit der deutschen Regierung bemühen: «In den letzten vier Jahren war Frau Merkel insgesamt zwei Stunden beim Bundesrat. Das kann nicht sein. Deutschland ist ökonomisch unser wichtigster Partner. Das muss, das wird sich unter der neuen Koalition ändern.» (sam)
Erstellt: 25.11.2009, 14:11 Uhr
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33 Kommentare
@Baenninger/Schumacher/Wisler etc. meldet Euch in Bern als Berater, wenn Ihr ja besser wisst, wie vorgegangen werden muss. Wie in der Musik sollte jeder etwas verstehen von Harmonie, Fairness und ein Miteinander um Leistungen zu erbringen. Ich habe noch nie erlebt, dass Mitglieder anderer oder nichtchristlicher Religionen sich geweigert haetten,jeweils in einer Kirche beim Gottesdienst zu spielen. Antworten
1: Wenn einer den Spiegel ( Blick) nicht mehr aushält ist etwas falsch. 2: Ein Titel steht, damit man den Artikel liesst. Er muss beissen, nicht inhaltskongruent sein. 3: Ein Bundesrat (personalisierte Macht) wundert sich über Personalisierung? 4: Wer Skandale sät, erntet sie. Zuviel wurde der parl. Immunität geopfert. 5: Und ich moralisiere trotzdem. Antworten
Alle, die gegen Merz sind, verstehen ueberhaupt nicht, welche Arbeit unsere Bundesraete/-innen leisten. Denkt bitte nach, bevor unwissende und unfaire Kommentare geschrieben werden. Ich sagte einmal: 'Was Putin sagt ist manchmal besser als was Busch aussagt'. Also hoert nicht auf unwissende und geschichtlich nicht auf der Hoehe sein von gewissen Leuten. Antworten
@...Deutschland ist ökonomisch unser wichtigster Partner. Das muss, das wird sich unter der neuen Koalition ändern.... Die letzten beiden Sätze sind für Schnell-Leser etwas mißverständlich. Hoffentlich ändert sich nichts bzw. zum Besseren. Antworten
Was muss diesem Bundesrat noch alles passieren, bis er endlich einsieht, dass seine Zeit im Rat abgelaufen ist? Für seine Gesundheit und somit seinen Ruhestand wäre es jetzt wirklich an der Zeit, den Dienst zu quittieren. Eine andere Person kann dann mit neuem Elan an die Arbeit gehen, was für unser Land sicherlich etwas bringen könnte. Antworten
Alles hängt von der eigenen Betrachtungsweise, der Einstellung und den Fähigkeiten ab. Was Herr Merz in seinem Präsidialjahr vorgeführt hat, erinnert eher an ein schlechtes Zirkusprogramm, aber sicher nicht an souveränes Bewältigen der Standardaufgaben eines Staatsmannes. Antworten
Merz ist von der Vereinigten Bundesversammlung gewaehlt, macht seine Arbeit schon recht und soll ja nicht vor Ende 2010 zuruecktreten. Kommentatoren, die es ja besser wissen, sollen sich als 'BR-Berater' melden. Ich verstehe viele Kommentatoren nicht, weil ich glaube, sie kennen auch die Schweiz der letzten 40 Jahre nicht !! Antworten
@ Reto Schaer, Bundesraete sind keine "beruehren verboten" Porzellanfiguren und verdienen sich den Respekt nicht auf grund des Titels, sondern der Leistungen. Sie duerfen Merz gerne die Bestnote geben, haben aber zu akzeptieren, dass das viele Menschen anders sehen, und sich wie Sie, oeffentlich zum Thema aeussern. Respektlos uebrigens ist ; das Gesicht verlieren und im Amt bleiben... Antworten
Wer viel plaudert und luegt, sagt, unbewusst, " die Wahrheit : « Land wie unseres darauf angewiesen ist, zu exportieren...>, ja es ging nie um Menschen, drum fehlen ihre Namen im Vertrag. <...unverschuldet in eine Notlage geraten.» Was widerlegt ist. Trotz Gesichtsverlust, mit Pelli Deckung, weiter wie immer ! Merz i s t die Katastrophe und sieht sie nicht. Bliebe er doch CH erspart, mein Wunsch Antworten
@Kurt Aegeri, BR Merz ist keine Zumutung, Leute die gegen ihn sind, sind auf Seite der SVP. Und diese ist es immer wieder, die auf Bundesraete schiesst. Schweizer, waehlt Leute mit Anstand und Fairness und solche, die etwas von echter Politik verstehen, wir brauchen erfahrene Leute und keine Voegte. Die Bundesraete sind alle von der Vereinigten Bundesversammlung gewaehlt,also durch Leute vom Volk. Antworten
Es ist eine Sache, zu kritisieren. Dramatisch finde ich allerdings die Entwicklung, wie respektlos auf Mitglieder unserer Regierung rumgehackt wird. Es handelt sich hier immer noch um einen Bundesrat. Wir leben in schwierigen Zeiten und müssen als Land unseren weiteren Weg finden. Es ist nicht gerechtfertigt, wenn wir unseren Frust auf einzelne Personen kanalisieren. Antworten
Der wahre Horror geht immer von persönlichen Fehlentscheidungen, nie von einem Tsunami aus. Aeusserer Horror kann dazu dienen, dass der Mensch Schwachen hilft, Mut macht, sich für Gerechtigkeit einsetzt. Er kann aber auch dazu missbraucht werden, unsaubere Geschäfte zu machen, Krieg zu legitimieren, zu rauben und zu plündern. Wer von einem annus horribilis spricht, steinigt sich immer selber. Antworten
Es war das Jahr. Es war nicht der Bundespräsident. Es waren nicht die Fähigkeiten des Bundespräsidenten. Aber wenigstens sagt er, es war « m e i n annus horibilis». Zu allen Zeiten mussten Bürger mit Oberhäuptern dieser Klasse leben. Im einen Land entstand Schweijk, im andern Kleist… - Und wir haben die Basler Fasnacht. Antworten
Zweierlei habe ich mit Merz gemeinsam: Ich lese den Blick nicht und ich ziehe in Verhandlungen einen höflichen Ton vor. Aber das ist schon alles. Im zweiten Weltkrieg hiess es "wer nicht schweigt schadet der Heimat". Merz müsste diesen Spruch doch auch kennen auch wenn er (erst) 1942 geboren ist. Antworten
Merz ist und bleibt peinlich. Er ist ein sentimentaler Träumer, der in der Politik nichts zu suchen hat. Sein Nachfolger soll endlich wieder die Interessen der Schweiz vertreten und Resultate vorweisen. Die Schweiz braucht endlich wieder sachlich korrekte Hardliner, die sich nicht nach 3 Wochen Druck über den Tisch ziehen lassen (Bankgeheimnis). Antworten
Merz müsste schon lange gehen. Als Politiker kann man sich in diesem Land einfach alles erlauben, zum wiederholten Male eine naive Lachnummer von ihm. Trotzdem wird er von allen anderen Politikern gedeckt. Und danach bekommt er noch eine schöne Bundesrats-Rente. Antworten
Plaudertasche und Märchentante Merz lechzt nach jeder medialen Aufmerksamkeit, nicht um der Schweiz, sondern in erster Linie sich selbst zu helfen. Denkt er... und gibt sich sensationell der Lächerlichkeit preis. Bitte liebe Medien, gebt dieser Peinlichkeit von Bundesrat bitte endlich keine Plattform mehr und lasst in leise in der Anonymität verschwinden. Antworten
Naja, Schäuble mag im Ton angenehmer sein als Steinbrück. In der Sache wird er aber wohl genauso knallhart sein wie Steinbrück. Zu Recht, denn der Mann ist ja Deutscher Finanzminister und hat die Interessen seines Landes zu vertreten und nicht die der Schweiz. Um es mit Kaiser Beckenbauer zu sagen: Schau'mer mal! Antworten
oops ! begreift der mann denn nie, dass der ton und die gesprächsatmosphäre zweitrangig sind und nur das ergebnis von verhandlungen zählt ? merz ist eine unerträgliche belastung für die schweiz. und es steht weiter zu befürchten, dass mit nettem ton und harmonie bei ihm alles zu erreichen ist. keine kmu könnte sich erlauben, ihn in einer kaderposition zu beschäftigen. also bitte: abtreten ! Antworten
Über die Aussagen von Br Merz kann man nur noch den Kopf schütteln !! Nachtreten kann man vielleicht im privaten Bereich, aber NIEMALS in der Politik ! Das wird ein Nachspiel haben., da bin ich mir ganz sicher. Liebe Schweizer, lasst Euch nicht von der SVP den Kopf verdehen. Die hetzen gegen Jeden und Alles !! Grüsse aus Berlin Antworten
Das "System BRD" funktioniert auch mit Schäuble nur durch das Verteilen von Steuergeldern. Steinbrück war auch nicht dumm, er war aber berechenbar grob, und man hätte ihm ausweichen können. Schäuble ist aber ausserordentlich intelligent, und lässt einen, der im Ausland - sogar bei Gaddaffi - Liebe und Anerkennung sucht, in die emotionale Falle tappen. Qui vivra verra. Antworten
Sorry - aber Merz redet einfach zuviel ! Merkel ganz aus dem Nordosten Deutschlands ist uns seelisch noch weiter entfernt, kommt dazu die Herkunft aus der sozialistischen DDR. Die Uhr läuft da ganz anders, im besten Falle für unsere beiden Z's (Zysiadis-Ziegler) im Einklang. Antworten
Wie kann man nur so dumm und naiv sein, solche Informationen öffentlich zu machen? Glaubt Herr Merz im Ernst, solche, wahrscheinlich nicht einmal mit dem Bundesrat abgesprochenen subjektiv gefärbten Statements helfen der CH? Das wohl lange Zeit beststrukturierte und auch anerkannteste Land verkommt mehr und mehr zu einer Lachnummer. Individuelle Erfahrungsberichte gehören nicht in die Medien. Antworten
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rene klingler
Offengestanden ich finde es herzig und kann mich immer wieder über die zig lustigen und äusserst geistreichen Statements unseres kleinsten Bundesrates amüsieren. Er bringt es doch immer und immer wieder fertig über sich selber zu lachen und sowohl seine Ratskollegen als auch das ganze Schweizervolk der Lächerlichkeit preiszugeben! Herrlich schon wieder ein humorvoller Tag trotz schlechter Lage! Antworten