Bischof Huonder und die Erzkonservativen

Der Churer Bischof Huonder will Priester für lateinische Messe ausbilden. Gegner befürchten die Heranbildung eines Parallelklerus.

Lebt in einem konservativen Rahmen: Der 68-jährige Bischof Vitus Huonder, hier bei seiner Bischofsweihe im Jahr 2007.

Lebt in einem konservativen Rahmen: Der 68-jährige Bischof Vitus Huonder, hier bei seiner Bischofsweihe im Jahr 2007. Bild: Keystone

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Man fühlt sich an die Ära Haas erinnert. Auch damals war das Priesterseminar Chur der wichtigste Zankapfel im Bistumskonflikt. Bischof Wolfgang Haas schwebte in den Neunzigerjahren ein reines Priesterseminar ohne Laientheologen vor. Er unterstellte es damals einem Opus-Dei-Priester. Jetzt will Bischof Vitus Huonder noch einen restaurativen Schritt weiter gehen. Er möchte Priester nur für die lateinische Messe ausbilden lassen. Der frühere Liturgieprofessor orientiert sich dabei an den Traditionalisten der Petrusbruderschaft und der Piusbruderschaft.

Schon im November liess ein auf der Website des Bistums veröffentlichtes Communiqué zur Sitzung des Priesterrats aufhorchen. Darin hiess es, «die Seminargemeinschaft sei im letzten Studienjahr von mehreren Unruhen aufgewühlt worden». Der Bischof beabsichtige, «für die Betreuung der Aufgaben rund um die ausserordentliche Form der Liturgie eigene Priester heranzubilden». Gemeint war die lateinische Messe, die Papst Benedikt XVI. im Juli 2007 auf Druck der ultrakonservativen Piusbrüder als ausserordentliche Form der Liturgie wieder zugelassen hatte.

Ein komplizierter Ritus

Obwohl Bischof Huonder dem Priesterrat versicherte, er strebe keine Parallelentwicklung an, befürchten seine Kritiker gerade dies. Der Zürcher Domherr Franz Stampfli zum Beispiel warnt davor, im Bistum Chur einen Parallelklerus für den ausserordentlichen Ritus zu schaffen. Stattdessen schlägt er den Anhängern der alten Messe vor, sich wie das Opus Dei in einer selbstständigen Personalprälatur zu sammeln, mit Bischof Huonder an der Spitze. Das hiesse dann allerdings, dass der Churer Bischofsstuhl neu besetzt werden müsste.

Der Regens (Leiter) des Priesterseminars, Ernst Fuchs, darf auf Huonders Geheiss gegenüber den Medien keine Stellung nehmen. An seiner Stelle erklärt der bischöfliche Sprecher Christoph Casetti, es sei unbestritten, dass der Bischof der Minderheit der lateinisch orientierten Gläubigen entgegenkommen wolle. Deshalb gedenke er, eigene Priester auszubilden, die diesen sehr komplizierten Ritus praktizieren könnten. Zurzeit gebe es im Seminar einen Priesteramtskandidaten, der für den ausserordentlichen Ritus ausgebildet werde. Wie viele es künftig sein sollen, werde noch diskutiert, ebenso die Möglichkeit, diese nicht Regens Fuchs, sondern einer eigenen Bezugsperson zu unterstellen. Dabei gehe es auch um die Frage, ob man sich von der Petrusbruderschaft abhängig machen oder eben eigene Diözesanpriester ausbilden wolle.

Ausserhalb des Bistums aktiv

Bischof Huonder hat im März einen Priester der Petrusbruderschaft, Martin Ramm, zum Beauftragten für die tridentinische Messe im Bistum Chur ernannt. Die Petrusbruderschaft, eine Abspaltung der Piusbrüder, unterhält für die Pflege der alten Messe in Wigratzbad im Allgäu ein eigenes ultrakonservatives Priesterseminar. Huonder ist in dem Seminar öfter zu Gast und hat dort im Februar vier Subdiakone geweiht. In einem Brief von letzter Woche an alle Seelsorger versucht er die verbreiteten Ängste jedoch zu zerstreuen. Er habe dieses Jahr im Bistum Chur rund 120-mal die Messe in der ordentlichen Form zelebriert und nur 5-mal in der ausserordentlichen Form. So feierte er in Einsiedeln und Oberarth lateinische Hochämter. Im Juni spendete er in Zürich-Oerlikon eine Firmung in der ausserordentlichen Form.

Huonder ist in Sachen lateinische Messe gerne auch ausserhalb des Bistums unterwegs und ist heute neben Wolfgang Haas im deutschsprachigen Raum einer der wichtigsten Verfechter der lateinischen Liturgie. Anfang Dezember feierte er in Herzogenrath bei Aachen an einer Liturgie-Tagung der Traditionalisten ein lateinisches Hochamt. Etwas, was laut der «Schweizerischen Kirchenzeitung» nicht einmal die konservativsten Bischöfe Deutschlands getan hätten.

Kritik: Römische Vorgaben missachtet

Huonder lässt die ausserordentliche Liturgie auch in anderen Schweizer Bistümern zelebrieren, etwa durch Martin Ramm in Flums, das zum Bistum St. Gallen gehört. Sorge bereitet dem pensionierten Pfarrer Albert Lienert, dass der für Flums zuständige Pfarrer Emil Hobi die lateinische Liturgie von Ramm feiern liess, ohne die anderen Priester darüber informiert zu haben. Seither lehnt Lienert es ab, weiterhin seine priesterlichen Dienste anzubieten. Wie viele andere Priester seiner Generation finde er es verhängnisvoll, wenn «die Kirche das Heil in der Vergangenheit sucht und die Bedürfnisse der heutigen Menschen übergeht».

Das sonst zurückhaltende Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zürich wirft dem Churer Bischof vor, römische Vorgaben zu missachten. So scheine neben Bischof Haas nun auch Bischof Huonder nicht abgeneigt zu sein, in anderen Bistümern abgewiesene Priesteramtskandidaten aufzunehmen und zu weihen. Das Blatt zitiert einen Priester der Bistumsleitung, wonach Regens Fuchs vom Churer Priesterseminar im letzten Jahr ein Dutzend Männer abgewiesen habe, einen Teil von ihnen, weil sie Priester ausschliesslich für die lateinische Messe werden wollten. Die Bistumsleitung antwortete mit einem Communiqué, welches das Pfarrblatt der Polemik bezichtigte.

Wie verschiedene Quellen bezeugen, schickte der Seminarleiter im Sommer auch drei polnische Priesteramtskandidaten in die Heimat zurück, die sich im Priesterseminar als die besseren Katholiken aufgespielt hatten. Sie wurden von Bischof Huonder finanziell unterstützt. Und waren offenbar gehalten, ihm über die Vorgänge im Seminar zu berichten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.12.2010, 22:49 Uhr

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