«Bleiben die Dicken alle zu Hause?»
Aktualisiert am 21.11.2011 186 Kommentare
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Die neusten Zahlen zum Übergewicht in der Schweiz resultieren aus Ermittlungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zum Salzkonsum. Demnach gelten 53 Prozent der Schweizer Bevölkerung als zu dick, weil sie nach wissenschaftlichen Richtlinien einen zu grossen Bauchumfang haben. Der Bauchumfang sei wichtiger als der bisher hochgehaltene Body-Mass-Index (BMI), sagte das BAG in der «SonntagsZeitung», welche die Zahlen publiziert hat. Für Frauen gilt ein maximaler Bauchumfang von 80 Zentimetern, bei Männern einer von 94 Zentimetern. Ab diesen Werten erhöhe sich das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten drastisch.
Diese Richtwerte sorgen bei der Leserschaft auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet für Irritation, weil sie nicht in Relation zu einer gewissen Körpergrösse genannt werden, sondern als absolute Grösse gelten sollen. So schreibt ein 59-jähriger Leser (1.87 Meter, 79 Kilogramm, BMI: 22,6), er gehöre mit einem Bauchumfang von 96 Zentimeter zur Hochrisikogruppe. «Wenn ich aber in meinem Bekanntenkreis sage, ich wolle etwas abnehmen, gucken mich alle doof an: Spinnst Du jetzt?»
Dick oder nicht?
«Ich bin 1.74 Meter gross und soll denselben Bauchumfang haben wie eine Frau mit 1.50 Metern Körpergrösse?», fragt eine Leserin. Eine andere bemerkt, der Bauchumfang sei viel zu tief angesetzt. Sie gehöre trotz BMI von 22,1 zur Hochrisikogruppe, weil sie einen Umfang von 85 Zentimetern habe.
Eine Leserin schreibt: «80 Zentimeter bei Frauen? Ich habe einen BMI von 23 und mehr Bauchumfang als 80 Zentimeter. Bin ich jetzt dick oder nicht? Heute vielleicht ja, in zwei Jahren dann nicht mehr und in zehn Jahren doch wieder. Ist doch egal.»
«Faschistoide Züge»
Die meisten Leser begegnen den Angaben des BAG mit grosser Ablehnung und Spott. «Alles Quatsch», schreibt eine Leserin. «Wenn ich die Leute auf der Strasse beobachte, ist etwa jeder 100. zu dick. Oder bleiben die Dicken alle zu Hause?» Eine andere schreibt: «Wenn über die Hälfte der Bevölkerung zu dick sein soll, stimmt etwas mit der Definition von ‹zu dick› nicht.» Ein Leser beruft sich auf die Bevölkerung seines Quartiers: «Maximal 10 Prozent sind zu fett, und auch bei der Arbeit gibt es niemals 53 Prozent Übergewichtige, höchstens 15 Prozent.»
«Wenn man weiss, wie genau die jeweiligen Richtlinien für das sogenannte Normalgewicht entstehen und verbreitet werden und mit welcher lemmingartigen Stumpfsinnigkeit diese Richtwerte dann von den Ärzten brav übernommen werden, kann man solche Studien schlicht nicht mehr ernst nehmen», heisst es. Ein anderer Leser warnt: «Achtung, jetzt geht es in die nächste Runde. Nach Rauchverbot kommt jetzt die inquisitorische Hetze gehen füllige Menschen. Mich beschleicht das mulmige Gefühl, dass hier faschistoide Züge einer sinnkranken Gesellschaft zu Tage treten.»
«Warum nicht die Schuhgrösse?»
Einige Leser sind skeptisch gegenüber der Übergewichts-Prävention und amtlichen Richtlinien. «Es ist ja interessant, worum sich Wissenschaftler und Politiker immer kümmern wollen. Dicksein kostet nichts, ausser die Dicken selber die Essenskosten.»
Eine Leserin schreibt: «Früher galt Körpergrösse minus 100, dann der BMI, jetzt der Bauchumfang. Mit jeder neuen Berechnungsmethode wird der Prozentsatz der Übergewichtigen höher, und damit der potenziellen Klienten der Präventions- und Gängelungsindustrie.» Eine andere Leserin vermutet: «Weil man mit dem BMI keinen Staat machen konnte, weil da zu wenige dick sind, wechselt man nun zu einem anderen Kriterium. Klingt irgendwie beliebig. Warum nicht die Schuhgrösse?»
Veränderung in die Breite
Vereinzelte Leser unterstützen die Publikation des BAG. Einer vermutet, dass die «stänkernden Kommentare» von Verfassern stammen, die selbst über einen beträchtlichen Bauchumfang verfügen. «Aber es ist halt einfacher, zu stänkern, als die eigenen schlechten Gewohnheiten zu hinterfragen und zu ändern.»
Ein anderer schreibt: «Wir können die Problematik getrost als Gesundheitsfimmel und Panikmache bezeichnen – doch die Zahlen stehen in direktem Zusammenhang mit der Zahl der Arztbesuche und der nächsten Erhöhung oder Reduktion der Krankenkassenprämien.» Ein Leser wäre «zumindest dafür», dass ein gesunder Lebenswandel zum Beispiel mit günstigen Krankenkassenprämien belohnt werde. Eine Leserin pflichtet bei: «Je höher der BMI, desto höher sollte die Krankenkassenprämie sein.» Jemand lobt gar die Arbeit des BAG: «Endlich ist es aufgefallen. Es ist mehr als BMI. Es ist, für jeden wahrnehmbar, die sichtbare Veränderung der Physiognomie von vielen Menschen in die Breite. Und wir wissen auch, womit dies zusammenhängt: Bewegungsmangel, Überschuss an Nahrungsmitteln. Und da dies viele betrifft, sagen wir es nicht, machen wir so weiter.» (blu)
Erstellt: 21.11.2011, 12:27 Uhr
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186 Kommentare
Wann hört die widerwärtige, an Rassismus erinnernde Hetze gegen Dicke endlich auf? Da wird Menschen unnötig ein schlechtes Gewissen eingeredet, nur damit man hinterher mit den so Gedemütigten das grosse Geschäft mit dem Abnehmen machen kann. Dieser gesellschaftliche Zwang zum Abnehmen ist es, der die Menschen in Tat und Wahrheit krank macht. Und diese Hetze wird sogar mit Steuergeldern finanziert! Antworten
Achtung jetzt geht's in die nächste Runde: Nach Rauchverbot kommt jetzt die inquiositorische Hetze gegen füllige Menschen. Mich umschleicht das mulmige Gefühl, dass hier faschistoide Züge einer sinnkranken Gesellschaft zu Tage treten, welche mehr schaden als nützen. Antworten
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