«Blick» besinnt sich auf die alten Untugenden

Von David Vonplon. Aktualisiert am 12.03.2009 13 Kommentare

Ringier reisst beim Sorgenkind «Blick» das Ruder herum. Im Herbst soll das Blatt wie früher als Zweibundzeitung erscheinen. Bald macht das Medienhaus erste Korrekturen: knüppelharter Boulevard wird Programm.

Bald Vergangenheit? Chefredaktor Bernhard Weissberg präsentiert den neu gestalteten «Blick».

Bald Vergangenheit? Chefredaktor Bernhard Weissberg präsentiert den neu gestalteten «Blick».

Vor etwas mehr als einem Jahr, am 4. März 2008, wurde der neue «Blick» mit einem grossen Fest aus der Taufe gehoben. Mit zwei Frontseiten und der Konzentration auf weiche, feminine Themen, sollte das serbelnde Boulevardblatt wieder auf die Erfolgsstrasse zurückfinden. Das Magazin-Konzept war Resultat einer jahrelangen Entwicklungsphase, an der mehrere Arbeitsgruppen und eine Vielzahl von Medienexperten mitgewirkt hatten. Es fusste auf der Überzeugung, dass Schweizer den beinharten Boulevard-Journalismus, wie er in England und Deutschland praktiziert wird, nicht goutieren würden.

Doch das Konzept griff bei den Lesern nicht. Der Kioskverkauf stagnierte weiter und der Rückstand zur Gratiszeitung «20 Minuten» wuchs an. Vergangenes Jahr soll das Blatt erstmals seit Jahrzehnten einen Verlust eingefahren haben. Nun zieht Ringier bei seinem Sorgenkind die Notbremse: Bereits in der letzten Märzwoche wird das Zeitungskonzept des «Blick» umgekrempelt. Kultur-, Lifestyle- und Magazin-Geschichten werden zurückgestuft, stattdessen konzentriert sich der «Blick» künftig wieder auf sein Kerngeschäft: Die klassischen Boulevardstorys.

Fundamentale Neupositionierung im Herbst

Die neue Gangart soll sich auch im Layout widerspiegeln, wie aus der Redaktion zu vernehmen ist. Die Zeitung lockert die strenge farbliche Gliederung nach Ressorts, um dem Blatt mehr Dramaturgie verleihen zu können, wie ein Redaktionsmitglied erklärt. Laut Ringier-Sprecher Stefan Hack sind das «keine grossen Änderungen». Der «Blick» werde im Rahmen des bestehenden Konzepts weiterentwickelt.

Die Korrekturen sind denn auch bloss die Vorstufe für eine fundamentale Neupositionierung des Blatts im Herbst, an der heute mit Hochdruck gearbeitet wird. Der «Blick» soll laut persoenlich.com wieder wie früher im grösseren Broadsheet-Format mit zwei Bünden erscheinen. Damit will er sich wieder deutlicher von den Gratiszeitungen abheben, wie Ringier-Chef Christian Unger im Interview mit der Wirtschaftszeitung «Bilanz» erklärt.

Abschied nehmen wird der «Blick» insbesondere von der linkslastigen, wirtschaftsfeindlichen Berichterstattung. «Boulevard darf nicht von einer vorgefassten Ideologie ausgehen», sagt Unger. Er ist der Ansicht, der politische Teil sei in der Vergangenheit «vielleicht zu ideologisch» gewesen. Der Konzernchef erteilt damit vor allem Frank A. Meyer eine Absage, dem Chefideologen im Haus Ringier, der nicht müde wurde, immer wieder von neuem auf die Managergilde einprügeln zu lassen.

Rollen nach dem Misserfolg die Köpfe?

Der Redaktion hat die Ringier-Führung zuletzt deutlich gemacht, dass man das gegenwärtige Zeitungskonzept als gescheitert betrachte; und auch Unger nennt die Umstellung auf Tabloid einen «Flop». Erwartet wird nach dem neuerlichen Strategiefehler, dass beim «Blick» die Köpfe rollen werden. Wie ein «Blick»-Angestellter gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet erklärt, scheinen die Tage von Chefredaktor Bernhard Weissberg gezählt. Bereits sei die Suche nach einem Nachfolger angelaufen.

Der starke Mann auf der Redaktion ist Weissberg ohnehin nicht mehr, wie zu vernehmen ist: Anfang Jahr hat das Medienhaus Ralph Grosse-Bley, ein Skandalist erster Güte, als Mitglied der Chefredaktion an Bord geholt. Dem Vernehmen nach soll er bereits die Zügel in die Hand genommen haben. Auch in dieser Personalie widerspiegelt sich die Rückbesinnung auf alte Untugenden: Grosse-Bley war der Drahtzieher hinter der Borer-Affäre. Im Nachgang des bis heute nicht restlos aufgedeckten Falls musste er die Dufourstrasse verlassen. Heute kann der «Blick» seine Dienste wieder gut gebrauchen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.03.2009, 16:05 Uhr

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13 Kommentare

Lukas Lautenschlager

12.03.2009, 16:15 Uhr
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Längerfristig wird der «Blick» sowieso nicht zu retten sein. Wer will für Boulvard schon bezahlen, wenn er diesen auch gratis (20 Minuten, NEWS etc.) haben kann. Antworten


Werner Meier

12.03.2009, 16:26 Uhr
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Blick macht Boulevardpresse, Tagi macht Boulevardpresse, Weltwoche macht (rechte) Boulevardpresse - man kann bald gar nichts mehr lesen in diesem Land. Ausser man interessiert sich nur noch für Trivialitäten, Headline-Journalismus und persönliche Angriffe. Antworten



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