Blochers spätes Bekenntnis

Von David Vonplon. Aktualisiert am 28.12.2009 132 Kommentare

Als Bundesrat unterzog sich Christoph Blocher einer heiklen Darmoperation. Der Landesregierung verschwieg er den Eingriff und gab stattdessen an, ins Ausland zu verreisen.

«Die Zeitungen wären voll gewesen»: Alt-Bundesrat Christoph Blocher.

«Die Zeitungen wären voll gewesen»: Alt-Bundesrat Christoph Blocher.
Bild: Keystone

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Im Oktober 2005 stellte TV-Doktor Samuel Stutz Bundesrat Christoph Blocher zu seinem 65. Geburtstag eine Ferndiagnose: Blocher sei kerngesund. Seine Gesundheit gebe keinen Anlass zur Sorge, so Stutz in der «Schweizer Illustrierten».

Das Gegenteil war richtig: Just in diesen Tagen lag der SVP-Magistrat, damals im zweiten Jahr im Bundesrat, nach einer Darmoperation mit Schmerzen geplagt im Krankenbett. Blocher hatte 20 Zentimeter seines Darms entfernen lassen. Dies nachdem er an Diverticulitis litt, einer Erkrankung des Dickdarms, bei der sich die Ausstülpungen der Schleimhaut (Divertikel) entzünden. 12 Tage verbrachte Blocher im Spital Neumünster in Zollikerberg, wie er nun auf Teleblocher offenbart.

Selbst der Bundesrat wusste von Nichts

Brisant: In Bundesbern wusste niemand über den medizinischen Eingriff Bescheid. Blocher informierte bloss seine Frau und seine Kinder über den Eingriff, sowie seinen Generalsekretär. Die Landesregierung liess Blocher über die anstehende Operation im Dunkeln. Niemand dürfe von seinen gesundheitlichen Problemen wissen, war Blocher überzeugt. Lieber gefiel er sich in der Rolle des vitalen, zupackenden Magistraten, denn als kranken, alternden Mann: «Wenn ein Bundesrat in das Spital geht, ist das eine Attraktion. Die Zeitungen wären voll gewesen», begründet Blocher heute seine Geheimhaltungspolitik.

Seinen Bundesratskollegen und seinem Departement tischte Blocher eine veritable Lügengeschichte auf: Er verreise zu seinem 65. Geburtstag ins Ausland, liess er ausrichten und gab falsche Reiseziele an. Im Spital liess er sich unter einem anderem Namen registrieren. Mitten in der Nacht schlich er über den Diensteingang ins Spital, bezog dort ein kleines Zimmer, wo er zwölf Tage lang das Bett hütete. Er verliess das Zimmer nur für die Operation, auch dann aber mit einer Decke über dem Kopf, um unerkannt zu bleiben.

Lügengebäude beinahe eingestützt

Trotz der grossen Geheimhaltung flog die Sache um ein Haar auf: Bei der Darmoperation kam es prompt zu Komplikationen – und die Genesung Blochers liess länger auf sich warten als erwartet. Zwölf Tage nach der Operation rieten die Ärzte Blocher deshalb strikt davon ab, an der Bundesratssitzung vom 26. Oktober teilzunehmen. Um den Schein zu wahren, machte sich Blocher auf den Weg nach Bern – obwohl er sich «hundselend» fühlte.

In Bundesbern erkannte man Blochers miesen Gesundheitszustand auf den ersten Blick. «Eh, tu es malade?», habe Pascal Couchepin ihn gefragt, so Blocher. «Ach, ich habe gestern einen traurigen Fisch gegessen», log er und spielte eine Magenverstimmung vor. Trotzdem schöpfte niemand Verdacht. Und dies, obschon Blocher wegen seiner gesundheitlichen Probleme eine weitere Woche dem politischen Geschehen fernblieb. Auch keiner aus der Hundertschaft von Journalisten, welche sich um die Story von Blochers Darmoperation wohl gerissen hätten, roch Lunte.

Vier Jahre lang hielten alle Beteiligten still: Kein Arzt, keine Krankenschwester und kein Nachtpfleger packte aus. Einzig, ob der Sicherheitsdienst der Regierung von Blochers Lügengeschichte erfuhr, weiss Blocher bis heute nicht.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.12.2009, 13:27 Uhr

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132 Kommentare

Urs Stotz

29.12.2009, 13:36 Uhr
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Wenn Blocher jemanden betrogen hat, dann sich selber, da er eine Operation und den 12 tägigen Spitalaufenthalt auf Kosten seiner Ferien machte. Dass er allen Grund hatte seinen Amtskollegen nicht zu trauen, haben diese mit ihrem Verhalten bei seiner Abwahl zur Genüge bewiesen. Antworten


Ernst Pauli

28.12.2009, 12:23 Uhr
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...und warum bringt Blocher diese Story jetzt in die Medien? Schöne Weihnachtsgeschichte zu einer Zeit, wo wenig läuft. Und vermutlich ein weiteres Versagen unseres Geheimdienstes, der schon damals wie heute der SVP unterstellt war resp. ist. Man sollte diesen Mann fichieren. Antworten



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