Bonus-Malus-System für Autos gefordert

Umweltorganisationen fordern im Kampf gegen die Klimaerwärmung ein Bonus-Malus-System mit Krediten, die gehandelt werden können.

Wer einen Neuwagen kauft, der unter dem definierten zulässigen Verbrauch ist, erhält Gutschriften.

Wer einen Neuwagen kauft, der unter dem definierten zulässigen Verbrauch ist, erhält Gutschriften.
Bild: Keystone

Der WWF, Greenpeace und der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) forderten am Montag an einer gemeinsamen Medienkonferenz in Bern, den Druchschnittsverbrauch der Neuwagen bis 2020 mindestens auf 80 Gramm CO2 pro Kilometer zu reduzieren.

Gemäss einer Studie der Institute Metron AG und Ecoplan wäre dieses Ziel mit handelbaren Treibstoffverbrauch-Gutschriften zu erreichen.

Markt für CO2-Emissionen

Die Grundidee von handelbaren Verbrauchsgutschriften bestehe darin, dass ein Markt für das Recht auf ein definiertes Mass an CO2-Emissionen pro Fahrzeugkilometer eingerichtet werde, erklärte Peter Marti von der Metron AG.

Vom Bund wird ein bestimmter CO2 in Gramm pro Kilometer festgelegt. Dieser muss von der gesamten Neuwagenflotte im Jahresdurchschnitt eingehalten werden.

Wird dieser Ausstoss zum Beispiel auf 170 g/km angesetzt, erhält ein Käufer, dessen Auto nur 160 g/km CO2 ausstösst, 10 Gutschriften pro eingespartes Gramm. Will der Käufer aber ein Auto mit 180 g/km kaufen, so muss er für die überschrittenen 10 Gramm Gutschriften erwerben.

Bonus von 8000 Franken

Die Preise der Gutschriften hängen dabei von der Bereitschaft der Käufer ab, auf den Treibstoffverbrauch zu verzichten. Angebot und Nachfage würden demnach den Preis bestimmen, sagte Marti. Dabei würden sich die Gutschriften pro Gramm CO2 zwischen 75 und 100 Franken bewegen. Im Extremfall könnte so ein Bonus von bis zu 8000 Franken erzielt werden.

Damit das Bonus-Malus-System nicht zu zusätzlichen Autokäufen führt oder Nichtautofahrer benachteilige, werde nicht der ganze Bonus an den Käufer ausbezahlt,führte Marti aus. Ein Teil werde an die Gesamtbevölkerung zurückerstattet.

«Marginale Wirkung»

Das von der Urek vorgestellte Bonus-System bei den Motorfahrzeugsteuern schaffe falsche Anreize, kritisierte Kurt Egli, Projektleiter der VCS-Auto-Umweltliste. Kleine, relativ billige Autos würden erheblich vergünstigt. Dies schaffe einen Kaufanreiz für Leute, die ohne den Bonus gar kein Zweitauto gekauft hätten.

Auch seien die notwendigen Kosten im Vergleich zum effektiv eingesparten CO2 viel zu hoch. Die erwartete Reduktion der Bonus-Systeme der Urek betrage ab dem zehnten Jahr nach der Einführung ungefähr 200'000 Tonnen pro Jahr. Dies bei einer erforderlichen Reduktion von sieben Millionen Tonnen bis 2020, relativierte Egli.

Würden diesen Einsparungen die Kosten von jährlich gut 350 Millionen Franken gegenübergestellt, seien diese angesichts der viel zu bescheidenen bis marginalen Wirkung viel zu hoch.

Bei Modell der Umweltorganisationen rechnet Marti mit einem einmaligen Betrag von einer halben Million Franken für die Einführung des Systems. Jährlich würden dann laufende Kosten von zwei Million Franken anfallen.

In Frankreich wurde Anfang 2008 ein ähnliches System wie es die drei Organisationen vorschlagen, eingeführt. Die Resultate zeigten, dass die Konsumenten sich in die gewünschte Richung bewegten, sagte Christoph Lieb von Ecoplan. (bru/sda)

Erstellt: 19.01.2009, 13:46 Uhr

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9 KOMMENTARE

Hans Zumstein

20.01.2009, 13:58 Uhr

Lasst sie doch bellen, die ewigen Umweltverbesserer, Feinstaubhysteriker und CO2-Nörgeler. Was kümmert's den Mond wenn er angebellt wird?


christian hänni

20.01.2009, 08:21 Uhr

gehe grundsätzlich barfuss. wieviel strafgeld blechen socken- und schuhgänger?


Hans Schmid

20.01.2009, 00:02 Uhr

Alle Systeme welche einen Bonus oder Malus beim Autokauf vorsehen, schiessen am Ziel vorbei. CO2 entsteht nicht beim Autokauf sondern beim Autofahren. Weshalb wird überhaupt über solchen bürokratischen Unsinn diskutiert, wenn noch nicht einmal eine CO2-Abgabe eingeführt ist?


Giovanni Bagni

19.01.2009, 23:26 Uhr

Ich vermisse bei solchen Aktionen die Konsequenz der Leute, die solche für Sie, medienwirksame Aktionen starten. Solche Leute sind für mich erst dann glaubwürdig wenn Sie kein Auto besitzten, nur die öffentlichen Verkehrsmittel benutzten und zu Hause eine Holzschnitzelheizung installiert haben. Aber wie üblich geht es nicht um die Konsequenz sondern um die PR für den VCS und ähnliche Organisatione


Sperber Vogel

19.01.2009, 19:36 Uhr

Wie ist das mit den Fussgängern bzw. genauer mit mir ? Ich habe kein Auto und bin überzeugter Fussgänger. Deshalb produziere ich Null CO 2. Wie wird bei mir der Bonus berechnet ? Wie gewohnt bei den "Umweltorganisationen"; einbe halbe unüberlegte Sache damit von ihnen geredet wird.


Heinz Hediger

19.01.2009, 16:55 Uhr

Wieso nur Neuwagen? Die schlimmsten Dreckschleudern sind doch die Fahrzeuge der Initianten dieser Initiative: Enten, VW-Busse und Vespas.


Franz Stalder

19.01.2009, 15:23 Uhr

Gilt diese Regelung auch für die VBZ Busse und die Kühe?


Walter Sahli

19.01.2009, 14:26 Uhr

Warum wird nicht einfach die Vorschrift erlassen, dass ab 2012 keine Autos mehr in die CH importiert werden dürfen, die mehr als 100g/km an CO2 ausstossen? Schliesslich prahlt die Autoindustrie in jedem Prospekt, wie sehr ihr die Umwelt am Herzen liegen würde. Und in der Formel 1 sind Änderungen aller Art innert Monaten möglich. Der CH-Markt ist zu interessant, um links liegen gelassen zu werden!


Klöti Hermann

19.01.2009, 13:59 Uhr

Kostspielig, administrationsintensiv, regulatorisch-erzieherisch - und weit am Ziel vorbei. Die Carbon-Steuer ist die einzige gerechte und zielführende Massnahme. Oder ist es etwa richtig, einen Vielfahrer mit sparsamem Fz. steuerlich zu belohnen, einen Wenigfahrer mit weniger sparsamem Fz. dagegen nicht? 50'000 km mit 5.5 l/100 km sind immer noch viel schlechter als 10'000 km mit 10 l/100 km.



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