Bortoluzzi mag nur noch Passivmitglied der SVP sein

Laut einem Zeitungsbericht hat der langjährige Zürcher Nationalrat Toni Bortoluzzi seiner Partei erklärt, er sei nicht mehr Aktivmitglied. Innerhalb der SVP soll ein Machtkampf toben.

Will nun anders als geplant bis ganz ans Ende der Legislaturperiode im Amt verbleiben: SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi. (Archivbild Keystone)

Will nun anders als geplant bis ganz ans Ende der Legislaturperiode im Amt verbleiben: SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi. (Archivbild Keystone)

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Der langjährige Zürcher SVP-Nationalrat und Blocher-Weggefährte Toni Bortoluzzi ist nicht mehr Aktivmitglied der SVP. Laut dem «Sonntag» schrieb Bortoluzzi in einem Brief an Alfred Heer, den Präsidenten der Zürcher Kantonalpartei, er sei per sofort nur noch Passivmitglied der SVP. Seinen Mitgliederbeitrag überweise er nicht mehr der SVP des Kantons Zürich, sondern seiner Ortssektion.

Damit – so spekuliert der «Sonntag» – bricht ein Konflikt offen aus, den man bislang unter dem Deckel hielt: Junge SVP-Akademiker wollen langjährige, bodenständige Schlachtrösser wie Bortoluzzi aus dem Amt jagen. Insider sprechen gegenüber dem «Sonntag» von einem eigentlichen Machtkampf. Die Parteispitze übe Druck aus auf alte SVP-Kämpen. Sie sollen neuen Köpfen weichen wie PR-Profi Gregor Rutz (39), dem Vizepräsidenten der Zürcher SVP, und Investor und Multimillionär Thomas Matter (46). Die beiden liegen auf den Rängen eins und drei der Ersatzliste für den Nationalrat.

Affront bei der Managed-Care-Vorlage

Das Fass zum Überlaufen brachte bei Bortoluzzi die Abstimmung über Managed Care. «Wütend und sehr verärgert» sei er gewesen im Zusammenhang mit den Vorkommnissen bei dieser Vorlage, sagt er. Man habe ihn «ins Offside laufen lassen und dabei die sozialpolitischen Grundsätze der Partei missachtet». Bortoluzzi zum «Sonntag»: «Ich empfand das als Affront.» Doch Bortoluzzi will sich nicht aus dem Amt drängen lassen. Eigentlich, so sagt er, habe er in Bern nur ein oder zwei Jahre weitermachen wollen. «Das besprach ich mit meiner Frau.» Die Managed-Care-Attacke des Nationalrats Christoph Mörgeli und des Zürcher Kantonsrats Gregor Rutz hätten ihn aber schwenken lassen: «Jetzt bleibe ich auf alle Fälle die ganzen vier Jahre. Und danach sehe ich weiter.»

Im Visier der SVP-Akademiker stehen laut dem «Sonntag» auch die Nationalräte Max Binder und Hans Fehr, die wie Bortoluzzi Jahrgang 1947 haben. Aber auch Bruno Zuppiger (Jahrgang 1952), bei dem offen ist, ob die Zürcher Staatsanwaltschaft wegen einer Erbaffäre Anklage erhebt oder nicht. Max Binder spricht Klartext. «Man müsste blind und taub sein, um den Druck nicht zu realisieren», sagt er. «Wann ich zurücktrete, entscheide aber ich und niemand anderes. Und nicht jetzt.» Toni Brunner sagt: «Als Präsident der SVP Schweiz hätte ich keine Freude, wenn die Zürcher SVP 2015 nur noch mit sieben Bisherigen antritt.» Bisherige seien eine Garantie für viele Stimmen. «Wegen des Erneuerungsprozesses muss niemand die Nerven verlieren.»

(Erstellt: 09.09.2012, 06:12 Uhr)

Informationsleck bei der SVP?

Toni Bortoluzzi wollte gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet nicht direkt zum Fall Stellung nehmen. Der Nationalrat weist aber darauf hin, dass es sich um ein internes Schreiben handelt: «Woher Herr von Matt im Sonntag mein Schreiben an den SVP Präsidenten Heer kennt, ist mir ein Rätsel».

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