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Bundespräsidentin Leuthard für zentrales Pädophilen-Register

Aktualisiert am 28.03.2010

Fehlbare Priester dürften nicht mehr in Kontakt mit Kindern kommen, findet Doris Leuthard. Derweil wirbt die Kirche für mehr «Good News.»

Doris Leuthard: «Geistliche und Zivile sind dem gleichen Strafrecht unterstellt.»

Doris Leuthard: «Geistliche und Zivile sind dem gleichen Strafrecht unterstellt.»
Bild: Keystone

«Sexuelle Übergriffe an Kindern und Jugendlichen sind schockierend», schreibt Bundespräsidentin Doris Leuthard in einer Stellungnahme an «Le Matin Dimanche», aus der gestern auch die «SonntagsZeitung» zitiert hat. «Wenn Priester, Lehrer oder andere Betreuungspersonen ihre Position und das damit verbundene Vertrauen ausnutzen, um Kinder und Jugendliche zu missbrauchen, ist das besonders verwerflich.»

Bei der Beurteilung solcher Taten macht es für Leuthard keinen Unterschied, ob die Täter aus der zivilen oder der geistlichen Welt kommen. «Beide unterstehen dem schweizerischen Strafrecht, ohne Wenn und Aber.» In der Pflicht sieht die Bundespräsidentin auch die Kirche. Sie habe eine «Mitwirkungspflicht», wenn es um die Einrichtung von Anlaufstellen für Opfer und um die konsequente Aufarbeitung der Fälle gehe. Leuthard plädiert daher für eine schwarze Liste für pädophile Priester.

80 Prozent für schwarze Liste

Gemäss einer Umfrage im Auftrag des «SonntagsBlicks» und der Tessiner Wochenzeitung «Il Caffé» möchte auch ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung, dass die Katholische Kirche sexuell fehlbare Priester auf einer schwarzen Liste vermerkt. 80 Prozent der Befragten waren dieser Ansicht, nur 14 Prozent sagten dazu Nein.

Weiter sprachen sich 92 Prozent der Befragten gegen das Zölibat aus. Nur 5 Prozent halten die Verpflichtung der katholischen Priester zur Ehelosigkeit nach wie vor für richtig. Neun von zehn Befragten möchten weiter eine Anzeigepflicht bei sexuellen Übergriffen. Ein Priester, der ausserhalb der Beichte von einem Kindsmissbrauch durch einen Kollegen erfährt, soll demnach die Pflicht haben, diesen beim Staat anzuzeigen.

Mit guten Botschaften kontern

Die katholische Kirche selbst steht einer schwarzen Liste skeptisch gegenüber. Lieber lanciert sie eine Image-Kampagne: Plakate mit dem Slogan «Mehr Good News» sollen an Kirchen aufgehängt werden. Die Bischofskonferenz hatte die Kampagne bereits im November beschlossen. Sie soll nun trotz der bekannt gewordenen Missbrauchsfälle realisiert werden.

«Natürlich haben wir uns die Frage gestellt, ob der Moment richtig ist», sagte der Sprecher der Schweizer Bischofskonferenz, Walter Müller, zu einem Bericht der Zeitung «Sonntag». Doch die Bischöfe hätten vergangenen Freitag entschieden, die Kampagne durchzuführen. Mit dem Slogan «Mehr Good News» wolle die katholische Kirche gerade inmitten «dieser Vorkommnisse» zeigen, dass sie die gute Botschaft von Gott verbreite. «Auch wenn einige Mitglieder der Kirche gegen diese gute Botschaft gehandelt haben», sagte Müller.

Die 5000 Plakate werden spätestens nach Ostern an die 2000 katholischen Pfarreien in der Schweiz verschickt. «Wir werden sehen, wie die Pfarreien reagieren. Aber wir denken, dass sie die Plakate aufhängen werden», sagte Müller weiter. Neben den Plakaten lässt die Bischofskonferenz ab Mitte April die Internetsite www.mehr-good-news.ch aufschalten. Dort können Kirchenmitglieder ihre guten Nachrichten eintragen.

(mrs/SDA)

Erstellt: 28.03.2010, 22:53 Uhr

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