Schweiz

Bundesrat reagiert nicht auf Druck der Bauern

Aktualisiert am 01.09.2010 4 Kommentare

Der Bundesrat lehnt eine privatrechtliche Kontingentierung für die Milchproduktion ab. Er begründet seinen Entscheid ausführlich.

Bauern befürchten einen weiteren Einbruch der Milchpreise: Proteste am 27. Juli 2010 in Zürich.

Bauern befürchten einen weiteren Einbruch der Milchpreise: Proteste am 27. Juli 2010 in Zürich.
Bild: Keystone

Der Bundesrat lehnt eine entsprechende Motion von SVP-Nationalrat Andreas Aebi (BE) ab. Der Emmentaler Bauer verlangt in seinem von 126 Parlamentariern mitunterzeichneten Vorstoss, dass der Bundesrat das von der Organisation der Schweizer Milchproduzenten (SMP) ausgehandelte Mengensteuerungsmodell für «allgemeinverbindlich» erklären kann.

Aebi und seine Mitstreiter hatten die Motion eingereicht, weil der Milchpreis nach der Aufhebung der Kontingente stark zurückgegangen ist. 2009 sank er von rund 78 Rappen pro Liter auf 65 Rappen. Zwar stiegen parallel dazu die tierbezogenen Direktzahlungen an. Dies konnte den tieferen Milchpreis aber nicht wettmachen.

Abgaben für Mehrverkauf

Die SMP erarbeitete deshalb ein Mengensteuermodell. Es sieht vor, dass die Handelsorganisationen oder Verarbeitungsunternehmen für Direktlieferanten gleichviel Milch liefern dürfen, wie sie es aufgrund der Lieferrechte des Milchjahres 2008/2009 durften. Wer mehr verkaufen will, soll für die zusätzlichen Milchmengen Abgaben von bis zu 30 Rappen pro Liter zahlen.

Wie der Bundesrat in seiner am Mittwoch veröffentlichten Antwort schreibt, lehnt er die Motion ab, weil damit die staatliche durch eine privatrechtliche Milchkontingentierung abgelöst würde. Die Abgabe auf zusätzlichen Milchmengen unterscheide sich nicht von der «Überlieferungsabgabe» der früheren staatlichen Milchkontingentierung.

Widerspruch zu Parlamentsbeschluss

Das Parlament habe in den Beratungen über die Agrarpolitik 2011 ausdrücklich ausgeschlossen, dass die staatliche durch eine privatrechtliche Kontingentierung ersetzt werde, die von einer einzigen Produzentenorganisation festgelegt werde.

Nach Ansicht des Bundesrats würde eine restriktive und willkürliche Milchmengenplanung, wie sie die SMP vorschlage, zu Verlusten von Marktanteilen im In- und Ausland führen. Sie würde sich zudem nicht nachhaltig positiv auf den Milchpreis auswirken, da dieser hauptsächlich vom internationalen Milchmarkt beeinflusst werde. Weiter widerspreche das SMP-Modell dem Konzept von Selbsthilfemassnahmen einer Branchenorganisation, bei denen die gemeinsamen Interessen aller Akteure einer Wertschöpfungskette im Vordergrund stünden.

Aebi hatte vor zehn Tagen vor den Medien in Abrede gestellt, dass er zur Milchkontingentierung zurückkehren wolle. Es gehe darum, Voraussetzungen zu schaffen, dass die Produzenten auf Augenhöhe mit den Verarbeitern verhandeln können. (mrs/sda)

Erstellt: 01.09.2010, 11:44 Uhr

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4 Kommentare

Emil Roduner

01.09.2010, 12:22 Uhr
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Man beachte, dass der Milchpreis mit 65 Rappen pro Liter wieder da ist, wo er in der frühen 60er Jahren war - wohlgemerkt: für den Bauern. Der Ladenpreis ist heute nahezu doppelt so hoch wie damals! Für den Milchpreis wurden immer nur die Bauern verantwortlich gemacht. Der Zwischenhandel sahnt heute stillschweigend viel mehr ab. Gleichzeitig hat sich der Brotpreis mehr als versechsfacht. Antworten


Hans Iseli

01.09.2010, 16:40 Uhr
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Der Wahrheiten sind viele: 1. Der Milchpreis ist sehr tief. 2. Wie überall sahnt der Zwischenhandel viel ab. 3. Staatliche Regulierung kostet eine Menge, auch den Bauern. 4. Die Bauern rationalisieren zuwenig, weil immer noch der Staat viel beisteuert. 5. Die Bauernbetriebe sind zu klein, um wirtschaftlich zu arbeiten. Und so weiter! Nur: wer kennt eine Lösung? Ich nicht. Gibt es überhaupt eine? Antworten




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