Calmy-Reys Prestigeprojekt steht am Abgrund

Aktualisiert am 17.03.2010

Vor drei Jahren wurde in Genf das Global Humanitarian Forum mit Kofi Annan als Präsident gegründet. Kräftig Unterstützung erfuhr es von Michelin Calmy-Reys Departement. Nun steht die Stiftung vor dem Finanzkollaps.

Bessere Zeiten: Micheline Calmy-Rey und Kofi Annan bei der Eröffnung des Global Humanitarian Forum.

Bessere Zeiten: Micheline Calmy-Rey und Kofi Annan bei der Eröffnung des Global Humanitarian Forum.
Bild: Keystone

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Im Juli 2007 startete man mit viel Aufhebens. Micheline Calmy-Rey war dabei, als der ehemalige Uno-Generaldirektor Kofi Annan in Genf das Global Humanitarian Forum eröffnete. Die Organisation wurde mit tatkräftiger Unterstützung der Schweiz ins Leben gerufen, um nach «innovativen Wegen zu suchen, die drängendsten humanitären Herausforderungen auf der Welt zu lösen», wie sie selbst schreibt. Operativ geleitet wird die Stiftung seither vom ehemaligen Deza-Chef Walter Fust. Und im Stiftungsrat sitzen Grössen wie der Ex-Chef des Währungsfonds Michel Camdessus, Theologe Hans Küng, Ex-Weltbank-Chef James Wolfensohn, oder die Nobelpreisträger Muhammad Yunus und Amartya Sen.

Doch von dieser Aufbruchstimmung ist heute nichts mehr zu spüren. Die Stiftung ist in akuter Finanznot, wie die Zeitung «Le Temps» berichtet. Bereits musste sie deshalb den Personalbestand von 16 auf 12 reduzieren. Auch der Vizedirektor Martin Frick wurde entlassen. Gemäss «Le Temps» sei der Verlust der Stiftung «beträchtlich». Offenbar wurden wurden die Sozialbeiträge seit Monaten nicht bezahlt. Ein Berater, der sechs Monate für die Stiftung gearbeitet hat, warte noch immer auf sein Honorar, schreibt das Genfer Blatt weiter.

Eine Million vom Bund pro Jahr

Die Finanzkrise beim Global Humanitarian Forum ist peinlich für Micheline Calmy-Rey. Denn die Aussenministerin hat das Projekt massgeblich vorangetrieben. Der Bund unterstützt die Stiftung jährlich mit einer Million Franken, zusätzlich floss eine Anschubfinanzierung von 1,3 Millionen. «Wir kennen die Situation und analysieren die Fakten, um die nötigen Massnahmen treffen zu können», erklärte ein Sprecher des EDA gegenüber «Le Temps».

Auch Deutschland, Frankreich, Dänemark, Luxemburg und Liechtenstein unterstützen die Stiftung. Zudem sprechen Stadt und Kanton Genf Beiträge. Doch das reicht offenbar nicht, um Ausgaben und Einnahmen in Einklang zu bringen. Stark belastet hat das Forum mit einem Jahresbudget von 4 bis 5 Millionen Franken offenbar eine Kampagne zur globalen Klimagerechtigkeit. «Es ist kein Geheimnis, dass wir uns nach zusätzlichen Finanzquellen umsehen», kommentierte Forums-Chef Fust gegenüber «Le Temps».

(se)

Erstellt: 17.03.2010, 18:13 Uhr

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