Chef von Swissgrid wegen Panikmache kritisiert
Von Jürg Ackermann. Aktualisiert am 07.02.2012 65 Kommentare
Vier Stunden ohne Heizung
Die grimmige Kälte hat am Montagmorgen im Kanton Glarus zu einem Zusammenbruch der Gasversorgung geführt. 1800 Kunden der Technischen Betriebe Glarus (TBG) waren während vier Stunden ohne Heizung. Ein Vorlieferant hatte Gas mit zu wenig Druck ins Netz der Technischen Betriebe Glarus eingespeist, wie Direktor Andreas Schneider zu einem Bericht des Onlineportals der «Südostschweiz» sagte. Das sei noch nie vorgekommen. Betroffen vom Ausfall waren Privatkunden, Gewerbe- und einige Industriebetriebe im Hauptort Glarus sowie in Netstal, Riedern, Ennenda und Mitlödi. Gegen Mittag hatte sich der Druck in der Gasleitung normalisiert, und die Heizungen funktionierten wieder. TBG-Direktor Schneider schliesst nicht aus, dass sich der Vorfall bei anhaltender Kälte wiederholen könnte.
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Die Schweiz schlottert. Und mit ihr die unzähligen Stromleitungen, welche die Energieversorgung zwischen Romanshorn und Genf sicherstellen. Jetzt dürfe nichts Zusätzliches passieren, sonst drohe wegen reissender Leitungen ein Blackout, suggerierte Swissgrid-Chef Pierre-Alain Graf in der «NZZ am Sonntag». Die Wahrscheinlichkeit eines Stromausfalls steige ohnehin. Das Stromnetz müsse darum möglichst schnell ausgebaut werden, so Grafs Forderung, die er schon bei früheren Gelegenheiten äusserte.
Der Swissgrid-Chef wünscht sich unter anderem eine deutliche Beschleunigung der Verfahren, die auch Enteignungen miteinschliessen. Das Problem: Niemand möchte zusätzliche Strommasten in der dicht besiedelten Schweiz in seiner Nähe haben.
Der Swissgrid-Chef sichert sich ab
Experten halten die Warnungen Grafs vor einem Blackout für übertrieben. Eine Überraschung sind sie jedoch nicht. Die Sensibilität für das Thema sei wegen der Kälte und des steigenden Stromverbrauchs hoch, sagt der Energieexperte Rainer Bacher, der die Aussagen Grafs auch als eine Art persönliche «Risikoversicherung» versteht. «Wenn etwas passiert, dann kann man dem Swissgrid-Chef später nicht vorwerfen, er habe nicht davor gewarnt.»
Zudem seien die Übertragungskapazitäten tatsächlich wegweisend für die künftige Energiepolitik. Dies sei in der Politik bisher viel zu wenig beachtet worden. «Wir können nicht Windenergie aus Norddeutschland oder Solarstrom aus Italien importieren, wenn die Leitungen dafür fehlen.»
Um die Energiewende zu schaffen, braucht es ein neues Strommanagement. Die nur bei Sonne oder Wind produzierbaren Alternativ-Energien stellen die Netzbetreiber vor grosse Herausforderungen. Für Experten wie Franz Baumgartner, Professor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, ist klar: «Wenn wir Investitionen ins Stromnetz tätigen, dann müssen sie vor allem dazu dienen, die alternativ produzierte Sonnen- und Windenergie aufnehmen und zu den Verbrauchszentren führen zu können.»
Handel belastet die Netze
Baumgartner ist überzeugt, dass ein Teil der Netz-Investitionen aus dem Exportgewinn der Stromkonzerne finanziert werden muss. Allein im vergangenen Jahr betrug dieser über eine Milliarde Franken. Zudem müsse transparent gemacht werden, für welches Energieszenario das Stromnetz gebaut werde und welchen Stellenwert der Import/Export habe.
Wenig Verständnis für Forderungen nach einem schnellen und massiven Ausbau hat auch Jürg Buri, Geschäftsleiter der Schweizer Energiestiftung. «Das Hochspannungsnetz ist deshalb überlastet, weil der grenzüberschreitende Stromhandel zugenommen hat.» Als Gegenleistung für den Ausstieg aus der Atomenergie wolle der Bundesrat den grossen Energieerzeugern die Stromdrehscheibe weiter ausbauen. Das räche sich nun.
Buri äussert zudem den Verdacht, dass sich die Stromkonzerne mit der Forderung nach einem Ausbau der Netze und der Pumpspeicher die Option Kernenergie offen halten wollen. Eine dezentrale Versorgung mit erneuerbaren Energien benötige jedoch ein anderes Netz.
Vorerst keine Engpässe
Ähnlich sieht dies David Stickelberger, Geschäftsführer von Swissolar. Die Pumpspeicherwerk-Betreiber bezahlen seit Jahren nichts für den profitablen Export von Strom ins Ausland. Deshalb habe man den intelligenten Ausbau des Netzes verschlafen. «Wenn wir die Solarenergie dort produzieren, wo sie verbraucht wird, dann stellt sich dieses Problem gar nicht in diesem Ausmass.» Dafür brauche es jedoch auch einen politischen Willen.
Wie stark dieser ist, wird sich bald zeigen. Bis im Frühling will Energieministerin Doris Leuthard dem Bundesrat die Energiestrategie 2050 unterbreiten. Darin soll auch detailliert aufgezeigt werden, wie die Übertragungs- und Verteilnetze langfristig ausgebaut werden sollen, um die Versorgungssicherheit ohne Atomstrom zu garantieren.
Denn auch für den Bund steht fest: «Die hohe Belastung der Netze ist eine Tatsache.» Die Kältewelle stelle netztechnisch jedoch kein besonderes Problem dar, heisst es beim Bundesamt für Energie. Auch Swissgrid krebste gestern zurück. Die Engpässe hätten keine kurzfristigen Konsequenzen für das Stromnetz, sagte ein Sprecher. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.02.2012, 07:44 Uhr
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65 Kommentare
Also, ich schätze, die tollen Hechte von Swissgrid werden halt paarmal den Strom abstellen.Oops, das tut uns jetzt aber leid,dass die Aquariumsfische tot sind und ihr friert, aber das war ein Blackout, weil ihr Bürger alle den Atomstrom ablehnt...Und das werden die so lange machen, bis alle aus Panik für Atomstrom sind. Der (momentan) wahre Grund für die Blackoutgefahr ist die Atomlobby. Antworten
Und was lernen wir daraus? Diese Geschichte hat ein Ende, wenn jeder Haushalt sich mit Energie selber versorgen kann. Nur kleine autonome Systeme schützen den Bürger davor dauernd energietechnisch angelogen und ausgenommen zu werden. Somit können wir dann auch die Überlandwäscheleinen demontieren und diese veralteten, hochgefährlichen A-Dampfmaschinen abschalten. Antworten
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