Chinesische Hacker greifen Schweizer Firmen an

Zwei von 141 Hackerangriffen, die auf eine Einheit der chinesischen Armee zurückgeführt werden können, galten offenbar Schweizer Unternehmen. Auch zwei namhafte deutsche Konzerne waren Ziel.

Weltweite Hackerangriffe: In diesem Gebäude in Shanghai arbeitet die Einheit 61398.

Weltweite Hackerangriffe: In diesem Gebäude in Shanghai arbeitet die Einheit 61398. Bild: Reuters

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Microsoft, Apple, Rüstungs- und Energiekonzerne und eine Reihe von amerikanischen Tageszeitungen. In den vergangenen Wochen sorgte eine Reihe von Hackerangriffen weltweit für Schlagzeilen. Vor wenigen Tagen erbrachte die amerikanische Internet-Sicherheitsfirma Mandiant den Nachweis, dass das chinesische Militär hinter den Cyberattacken steckt (Tagesanzeiger.ch berichtete).

In 141 Fällen führte die Spur zu einem unscheinbaren Bürogebäude in Shanghai, dem Sitz der Einheit 61398 der chinesischen Volksbefreiungsarmee. Laut Mandiant gibt es kaum Zweifel daran, dass diese Einheit mit der Hackergruppe identisch ist, die unter anderem für die Attacken der vergangenen Wochen verantwortlich ist. Bei zwei der 141 Cyberattacken sind laut Mandiant-Bericht Schweizer Firmen oder Firmen mit Hauptsitz in der Schweiz betroffen, berichtet die «NZZ am Sonntag».

Konstant Angriffe auf Bundesstellen

Um welche Unternehmen es sich handelt, ist laut der Zeitung nicht auszumachen. Auch beim Nachrichtendienst des Bundes war dies offenbar nicht in Erfahrung zu bringen. «Die Vorfälle müssen nicht in der Schweiz stattgefunden haben – es kann sich auch um Schweizer Unternehmen handeln, die im Ausland angegriffen wurden», sagt Marc Henauer von der Melde- und Analysestelle Informationssicherheit (Melani) gegenüber der «NZZ am Sonntag». Zurzeit kläre man ab, um welche zwei Angriffe es sich handle.

Hackerangriffe sind laut Henauer auch in der Schweiz Alltag. So gebe es konstant Angriffsversuche auf Bundesstellen. Die meisten blieben jedoch bereits in den Sicherheitsfiltern hängen. Alleine auf das Aussendepartement EDA erfolgten in den letzten fünf Jahren drei schwerwiegende Angriffe. Die Analysestelle registriert seit 2004 Cyberattacken, die aus China erfolgten, so Henauer gegenüber der Zeitung.

Angriffe auf EADS und Thyssen-Krupp

Laut dem «Spiegel» sind auch deutsche Unternehmen zuletzt verstärkt Opfer von Hackerangriffen aus China geworden. Vor einigen Monaten habe es eine «bemerkenswerte» Attacke auf den europäischen Rüstungs-, Luftfahrt- und Raumfahrtkonzern EADS gegeben, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise. Das Unternehmen bestätigte dem Magazin demnach einen «Standardangriff». Dem Bericht zufolge war der Vorgang aber so schwerwiegend, dass EADS die deutsche Bundesregierung darüber informierte.

Ziel eines «massiven» Angriffs «besonderer Qualität» war laut «Spiegel» auch Thyssen-Krupp. Der Stahlkonzern teilte dem Magazin mit, die Attacke sei auf die USA beschränkt gewesen, die Adressen der Täter seien chinesisch gewesen. Unklar sei allerdings, ob und welche Daten die Angreifer kopiert hätten.

Der «Spiegel» berichtete weiter, der deutsche Verfassungsschutz habe im vergangenen Jahr fast 1100 Hackerangriffe ausländischer Nachrichtendienste registriert. Ziele waren demnach vor allem das Bundeskanzleramt, das Auswärtige Amt sowie das Bundeswirtschaftsministerium. Besonders stark seien die Angriffe im Vorfeld des G-20-Gipfels auf Mitglieder der deutschen Delegation gewesen. Der «Focus» schrieb am Sonntag von über 1000 digitalen Angriffen aus China.

Hacker mit besseren Ressourcen

Amerikanische Sicherheitsexperten warnen derweil davor, sich nur auf China zu konzentrieren, schreibt Reuters. Cyberangriffe liessen sich auch nach Russland, Osteuropa und in den Nahen Osten zurückführen. Hinter den Attacken steckten mal Eliteeinheiten von Armeen, mal kriminelle Organisationen oder Aktivisten.

John McClurg, Sicherheitschef bei Dell, spricht gegenüber der Nachrichtenagentur Klartext: «Die Hacker übertrumpfen uns fast immer, was die Ressourcen betrifft.» Was die Gefahr der Hackerangriffe betreffe, könne er sich keine grössere Herausforderung vorstellen. (kpn)

(Erstellt: 24.02.2013, 14:24 Uhr)

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