Cisalpino: Der Zug, der nie funktionierte

Von Niklaus Bernhard. Aktualisiert am 23.12.2008 76 Kommentare

Die Pannenserie mit dem Cisalpino ist wieder um ein Kapitel reicher. Die Cisalpino-Züge haben in den vergangenen 13 Jahren nie richtig funktioniert. Doch auch ohne technische Probleme hätten die Züge Verspätung.

Hier für einmal in voller Fahrt: In diesem Jahr sind bereits zwei Cisalpino-Züge im Lötschbergbasistunnel stecken geblieben.

Hier für einmal in voller Fahrt: In diesem Jahr sind bereits zwei Cisalpino-Züge im Lötschbergbasistunnel stecken geblieben.
Bild: SBB

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Im Lötschberg-Basistunnel ist gestern Vormittag erneut ein Cisalpino stecken geblieben. Die Passagiere mussten den Tunnel via Querstollen mit einem anderen Zug verlassen.

Bereits am 21.Februar kam es zu einem ähnlichen Vorfall. Ein Cisalpino von Basel nach Mailand blieb im südlichsten Abschnitt des Lötschberg-Basistunnels stecken. Am 11.April 2006 kam es im Zimmerberg-Basistunnel sogar zu einer Störung mit Brandfolge. Bei einem Wagen war aufgrund eines Kurzschlusses ein Brand entstanden.

Immer wieder bringen Zwischenfälle und Unpünktlichkeit der 1993 von der italienischen Trenitalia und der SBB gegründeten Cisalpino AG negative Schlagzeilen ein. Die Cisalpino-Züge, die in Italien hergestellt wurden, haben seit ihrer Einführung im Jahr 1995 nie richtig funktioniert. Bei den Cisalpino-Zügen (ETR-470-Flotte) tauchen immer wieder neue technische Störungen auf. Eisenbahnkenner sagen, dass der Cisalpino von den Kinderkrankheiten direkt zu den Altersbeschwerden überging. Bis 2011 wird die gesamte 13 Jahre alte ETR-470-Flotte bereits totalrevidiert.

«Aber selbst wenn die Cisalpino-Züge keine technischen Probleme hätten, wären diese oft verspätet», sagt Edwin Dutler, Präsident der Fahrgastvereinigung Pro Bahn.

Probleme in Italien

Der Grund liegt in der schwierigen Zusammenarbeit mit der italienischen Trenitalia. «Für die Italiener haben die Probleme mit den Verbindungen in die Schweiz höchstens dritte Priorität», sagt Dutler.

Im Bahnhof Mailand hätten die italienischen Hochgeschwindigkeitszüge und die Regionalzüge Vortritt. «Darunter leidet die Pünktlichkeit des Cisalpino», erklärt Dutler.

Dass die Züge aus Richtung Süden mehr verspätet sind als jene in der Gegenrichtung, zeigt auch die Statistik. Im Zeitraum vom 9.Dezember 2007 bis zum 13.Dezember 2008 hatten von den 2968 geplanten Fahrten 545 Züge über eine Viertelstunde Verspätung – im Durchschnitt waren es 28 Minuten. 58 Züge sind gar nie am Ziel angekommen. Das zeigen die Zahlen auf der Internetseite Cessoalpino.com («cesso» bedeutet «Abort»), wo über die Verspätungen der Neigezüge Buch geführt wird. In der Gegenrichtung (Schweiz–Italien) sind die Zahlen leicht besser. Von den 2968 geplanten Fahrten hatten 120 Cisalpini über 15 Minuten Verspätung. Diese hatten im Schnitt 26 Minuten Verspätung. 25 Züge aus Richtung Schweiz sind nie in Italien eingetroffen.

Meyer macht Druck

Der SBB-Chef Andreas Meyer sagte im Interview mit der «Berner Zeitung» vom vergangenen Samstag, dass die SBB mit Trenitalia daran sei, die Probleme zu lösen. «Wir kämpfen seit einigen Wochen dafür, dass unsere Cisalpino-Züge nicht vergessen gehen», sagt Meyer. Solche Umstände könne die SBB nicht akzeptieren.

Eigentlich wollte die Cisalpino AG auf den vergangenen Fahrplanwechsel vom 14.Dezember Abhilfe schaffen und 7 der 14 bestellten neuen Pendolino ETR 610 in Betrieb nehmen. Doch die französische Industriegruppe Alstom kann die neuen Züge nicht wie geplant liefern. Ursprünglich hätten die Züge bereits Ende 2007 eingesetzt werden sollen. Aber auch die neueste Neigezuggeneration scheint pannenanfällig zu sein. Bei den Testfahrten sind immer wieder grössere Probleme aufgetaucht.

Cisalpino ist kein Einzelfall

Der Cisalpino steht mit seinen Verspätungen und Ausfällen im internationalen Bahnverkehr nicht alleine da – wenn auch nicht im gleichen Ausmass. «Von allen Betreibern von internationalen Zugverbindungen ist die Lyria die zuverlässigste», sagt Dutler. Die Lyria ist eine Tochtergesellschaft französischen SNCF und der SBB. Die Lyria betreibt die TGV-Verbindungen zwischen Paris und der Schweiz. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.12.2008, 10:22 Uhr

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76 Kommentare

j j

22.12.2008, 21:45 Uhr
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jj Antworten


Simon Walser

22.12.2008, 21:48 Uhr
Melden

Wir fuhren letzten Herbst nach Monza bekamen am Vortag die Info, dass wir wohl eine Stunde länger unterwegs sein würden, da wir mit nen normalen Zug nehmen müssten. Wir hatten ein wenig Angst, dass wir zu spät zum Training kommen würden. Das "lustige" an der Geschichte: Wir kamen zur gleichen Zeit an wie die Jahre zuvor... Weil der Cisalpino aus Prinzip immer eine Stunde länger hat :D Antworten



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