Schweiz
Claude Béglé gibt auf
Aktualisiert am 20.01.2010 26 Kommentare
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Knapp zehn Monate nach seinem Amtsantritt hat der in die Kritik geratene Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Post, Claude Béglé, seinen Rücktritt bekannt gegeben.
Er habe den Bundesrat über seinen sofortigen Rücktritt informiert, schreibt Béglé in einer persönlichen Erklärung. Ein Grund sei «die über weite Strecken polemisch geführte Diskussion» über seinen Arbeitsstil.
«Die unqualifizierten Angriffe gegen meine Person sowie die damit verbundene öffentliche Diffamierung veranlassen mich zu diesem Schritt.» Mit seinem Rücktritt - «einem für mich sehr drastischen Schritt, der mir ausserordentlich schwer fällt» - wolle er das Unternehmen Post und dessen Werte schützen und die Diskussion um die Zukunftsstrategie versachlichen.
Béglé gesteht Fehler ein
«Ich bin mir bewusst, dass mir bei meinem Vorwärtsdrang Fehler unterlaufen sind», schreibt Béglé weiter. Er habe die Bereitschaft zur Veränderung in der Post mit ihrer ausgeprägten Kultur zu optimistisch eingeschätzt.
Er habe bei seinem Amtsantritt im Frühjahr 2009 vom Bundesrat den Auftrag gehabt, die Post in eine neue Ära der Marktöffnung und Liberalisierung zu führen, die Strukturen zu modernisieren und den Staatsbetrieb in eine Zukunft mit nachhaltig gesicherter Ertragskraft zu führen.
«Dabei hatte ich von Beginn weg mit erbittertem Widerstand einer starken Fraktion von Beharrern mit Partikularinteressen zu kämpfen.»
Zunehmend in der Kritik
Spätestens seit dem Rauswurf von Postchef Michel Kunz Ende 2009 und dem Rücktritt der beiden Verwaltungsräte Rudolf Hug und Wolfgang Werlé hatte die Kritik an Béglé und an Postminister Moritz Leuenberger zugenommen.
Leuenberger informierte Béglé am Dienstag über die Schlussfolgerungen der Arbeitsgruppe, die er eingesetzt hatte, wie es in einer Mitteilung des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) heisst.
Die Arbeitsgruppe - bestehend aus UVEK-Generalsekretär Hans Werder und dem Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung Peter Siegenthaler - hatte zuvor Gespräche mit den Verwaltungsräten, der Konzernleitung sowie einer Kadervertretung der Post geführt.
Negative Rückmeldungen
Die Resultate seien «nicht wahnsinnig positiv» ausgefallen, sagte UVEK-Sprecher Harald Hammel auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Béglé habe danach den Schluss gezogen, dass sein Rücktritt das Beste für die Post sei.
Das UVEK ist vom sofortigen Rücktritt des Postpräsidenten nicht wirklich überrascht, sagte Hammel weiter. Nach dem Medienrummel der letzten Wochen habe man allerdings nicht mehr ausschliessen können, dass es zu diesem Schritt komme. In diesem Sinne äusserten sich in ersten Stellungnahmen auch Parteien und Gewerkschaften.
Der Bundesrat wird sich am Mittwoch mit der Situation der Post nach Béglés Rücktritt befassen. Béglé selber wird sich am Mittwochmorgen an einer Medienkonferenz in Bern näher erklären.
Die Rücktrittserklärung im Wortlaut (bru/sda/ddp/)
Erstellt: 20.01.2010, 13:14 Uhr
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26 Kommentare
Man kann Béglé zugutehalten, dass er wenigstens die Konsequenzen zog. Seine Position war nicht mehr zu halten, da er bei der Post in kurzer Zeit allen Goodwill verspielte. Man mag nun nur hoffen, dass sein Nachfolger nun seriös ausgewählt wird und Ruhe bei der Post einkehrt. Antworten
So...nun habt ihr es also geschafft! Herzliche Gratulation?! Eines muss man Herr Béglé, aller Unkenrufe zum Trotz, aber attestieren, er hat mehr Rückgrat und Stil als gewisse Exponenten/innen die sich trotz massivster Kritik, bestes Beispiel sein Chef, krampfhaft auf dem "Stängeli" halten! Antworten
Endlich! Er hat es doch noch selber begriffen! Späte Einsicht zwar, aber immerhin. Hoffentlich kehrt jetzt wieder etwas Ruhe in den stürmischen Laden, damit die "kleinen" Leute wieder normal arbeiten und wieder Freude an ihrem Beruf haben können. Béglé hat dem Unternehmen viel gebracht: sehr viel Unruhe! Antworten
Es hätte auch keinen Sinn gehabt, auf derselben Schiene weiterzufahren und um jeden Preis durchzuboxen.Er hatte genügend Zeit sich unter Beweis zu stellen;wenn's bis jetzt nicht kam,dann wäre die Wahrscheinlichkeit gering bis 0 gewesen,dass es noch wird.Dem kleine Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft wird nicht halb so viel Zeit eingeräumt u.wenn er Pech hat,nach 3 Tagen wieder "ausgelagert"! Antworten
Ok, Claude Béglé war nicht gerade ein Sympathieträger, hat Fehler gemacht und diese auch eingestanden, aber er war und ist nicht so schlecht, wie sein Vorgesetzter. Was darf sich Leuenberger noch alles erlauben und leisten, bis er einsieht, dass der Fisch immer am Kopf zu stinken beginnt und er endlich seinen Hut nimmt? Dieser Mann ist einfach nicht mehr tragbar - sofern er das jemals war... Antworten
Béglés Rücktritt ist eine logische Tatsache, nachdem fast täglich neue Ungereimtheiten hinsichtlich seiner Person und seinen Tätigkeiten bekannt wurden. Hätte ein professionelles Auswahlverfahren (Leistungsausweis, Persönlichkeitsstruktur) stattgefunden, wäre es gar nicht zu einer Wahl von C. Béglé gekommen. Schuld an der Misere sind somit primär der BR und die Verwaltung und nicht der "Bewerber" Antworten
Irgendwie seltsam: es gäbe Personen, die viel dringlicher von der Bildfläche verschwinden sollten. Das ist jedenfalls meine persönliche Ansicht. Aber wenn man die wirklich wichtigen Leute nicht loswerden kann, dann nimmt man mit dem VR-Präsi der Post Vorblieb. Mir bleibt ein ungutes Gefühl bei dieser Geschichte. In jeder Hinsicht. Antworten
schade, dass er nicht Leuenberger mitnimmt.....aber eigentlich kann ja Herr Béglé zufrieden sein, die Abfindungssumme wird schon stimmen. Ich frage mich, ob Herr Leuenberger jetzt auch zur Sache weiter befragt wird oder ist Béglé einfach das Bauernopfer?? Antworten
Herr Béglé tat das einzig Richtige. Nun kann die riskante Auslandstrategie von seinem Nachfolger in allen Belangen abgeklärt werden. Die Post soll ihre Preise senken wenn sie im Inland so viel verdient, dass sie das Geld im Ausland investieren muss. Béglé wäre so oder so gegen die lokale Post im Ausland kläglich gescheitert. Es ging wohl auch sehr um seine persönlichen Vorteile - siehe Dubai. Antworten
O-Ton BR Leuenberger vor ca. 2 Wochen: Es ist eine "Schlammschlacht", was hier gegen Herrn Béglé läuft. Blabla. Heute hat er die Schlammschlächter bestätigt. Es währe manchmal schlauer, sich vor allzu gewagten Äusserungen zu hüten - v.a. als Bundesrat. Aber vielleicht möchte er auch nur BR Merz nacheifern, um dessen Medienpresänz etwas zu korrigieren. Weiter so, das schafft Vertrauen. Antworten
"Die Resultate seien nicht wahnsinnig positiv ausgefallen";dies erklärt vermutlich den Rücktritt und ist das ganze Geheimnis desselben!Nehme auch mal an,dass Béglé über das Resultat informiert wurde u.dieses seinen sofortigen Rücktritt auslöste. Antworten
Schande, Herr Mooser. Ich hoffe Sie sehen diesen Schritt nicht als persönlichen Erfolg Ihrer Diffamierungsstrategie. Dieser Missbrauch der journalistischen Machtstellung bestürzt mich. Ihre Scheinheiligkeit und Selbstgefälligkeit dreht mir den Magen um. Kann man den einem Mann nicht einen Fehler verzeihen? Lesen Sie doch einmal den Artikel über Herrn Berninghaus. Danke. Antworten
So, jetzt ist es eingetroffen. Herr Beglé hat sein Ziel erreicht und ist viele Fränkli reicher, ohne Leistungen erbracht zu haben. Er kann diesen Eindruck nur entkräften, wenn er - anständig - zurücktritt OHNE ENTSCHÄDIGUNG! Aber ich zweifle daran.... Anstand ist nicht das Ding der heutigen Managergilde, leider!!! Antworten
Ob der Rücktritt von Herrn Béglé ein Grund zur Freude ist, kann man noch nicht sagen. Es kommt drauf an, wer nachfolgt. Wenn wieder jemand kommt, der die Grenzen nicht beachten und nur der Liberalisierung folgen will, dann geht s weiter wie bis anhin. Ich hoffe, dass auch die Politik endlich einsieht, dass die Liberalisierung vieles zugrunde richtet! Nur neu und gleich falsch bringt nichts! Antworten
Mit Begles Rücktritt ist das Problem bei der Post nicht gelöst. Hätte BR Leuenberger einmal in seiner Amtszeit Courage wäre er auch zurückgetreten. So aber ist das Probelem weiterhin vorhanden, solange die ROTE Politik weiterwurstelt und sich den Problemen nicht annimmt dann gute Nacht Schweiz Antworten
Schade,dass Herr Béglé zurückgetreten ist. Die ganze Diffamierungskampagne macht aber diesen Schritt notwendig. Sicher hätte Herr Béglé in seinem Vorwärtsdrang, der der Post nur gut getan hätte, etwas diplomatischer vorgehen können und nicht so viele "Leichen" am Wegrand in dieser kurzen Zeit zurücklassen müssen,aber diesem Staatsbetrieb mit seinen Funktionären wäre Unternehmertum gut bekommen. Antworten
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Pat Sulzberger
@rene klingler: ja, es ist traurig Herr Klingler, dass Sie mit Ihren tollen Statements BR Leuenberger nicht zum Rücktritt zwingen können... Antworten