Schweiz

Computer sucht nach Amokschülern

Von Mischa Hauswirth. Aktualisiert am 01.09.2010 6 Kommentare

Die Gefahr eines Amoklaufes an Schulen beschäftigt die Behörden. Mit einem neuen Computerprogramm können auffällige Schüler ermittelt werden.

Zwei Polizisten retten eine «Verletzte»: Im Frühjahr 2010 trainierte die Kantonspolizei Basel-Stadt für einen Einsatz nach einem School-Shooting-Ereignis.
Bild: Bettina Matthiessen

Es kann überall vorkommen. So jedenfalls interpretieren Polizei und Schulbehörde die Schreckensnachrichten von School-Shootings. Bisher standen vor allem die USA und Finnland in den Schlagzeilen, doch der Amoklauf im deutschen Winnenden vom 11. März 2009 ereignete sich in der Nähe von Stuttgart. So tragisch diese Ereignisse sind, sie kommen zum Glück selten vor. Die Wahrscheinlichkeit, dass von Schülern im Kanton Basel-Stadt ein anderes Gewaltdelikt begangen wird, liegt um einiges höher: 2009 gelangten 204 Delikte bei der Jugendanwaltschaft Basel-Stadt zur Anzeige, bei denen es um Entreissdiebstahl, Körperverletzung, Raub und Erpressungen ging. In der Schweiz gab es noch nie einen School-Shooting-Vorfall.

Trotzdem will Basel auf die Eventualität vorbereitet sein, dass ein Schüler zur Waffe greift, Menschen tötet und Geiseln nimmt. Hans Georg Signer, Leiter Bildung im Erziehungsdepartement Basel-Stadt: «Wir haben den Schulen und Lehrern Checklisten verteilt, die je nach Bedrohungssituation das genaue Vorgehen festhalten.» Dieser Ordner enthalte auch eine Checkliste für Androhung eines Amoklaufs, erklärt Signer.

32 Fragen verraten einen potentiellen Amokläufer

Im Frühling haben die Kantonspolizei Basel-Stadt und Rettungskräfte in einer mehrtägigen Übung den Amoklauf an einer Schule simuliert und die polizeiliche Intervention geübt (BaZ berichtete). Ausserdem steht seit Sommer 2009 eine Software im Einsatz, die helfen soll, Schüler zu ermitteln, die gefährdet sein könnten, ein School-Shooting zu begehen.

Fällt eine Schülerin oder ein Schüler durch Gewalt oder gewaltverherrlichende Äusserungen auf, so ist die Schulhausleitung angehalten, die Polizei zu informieren. Dann kommt die internetbasierte Software zum Zug: das sogenannte Dynamische Risiko-Analyse-System, kurz Dyrias genannt. Mittels 32 Fragen checkt das Programm ab, ob das Risiko eines Amoklaufes besteht. Beispiele von Fragen: Beschäftigt sich der Jugendliche mit anderen Amokläufern? Bewundert er solche Taten und die Täter? Versuchte er, sich eine Waffe zu besorgen oder selbst eine zu bauen? Gibt es Suizidäusserungen oder Androhung von Gewalt gegen andere?

Auf dem Weg zur Tat

ntwickelt hat die Software Jens Hoffmann vom Institut für Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt. Hoffmann beschreibt den Ablauf so: Ein Computer scannt die Schüler nicht nach gängigen Profilen ab, zum Beispiel «Einzelgänger, introvertiert, ballert gerne mit Videospielen». Vielmehr findet er heraus, ob sich jemand auf dem Weg zu einer solchen Tat befindet. Gefüttert wurde das System mit Amoklauf-Daten aus den USA und aus Finnland.

Zürich und Basel nutzen als erste Schweizer Städte Dyrias in einer Prototypversion für die School-Shooting-Prävention. Doch weder in Basel noch in Zürich, wo die Stadtpolizei für die Anwendung von Dyrias verantwortlich ist, gab es bislang einen konkreten Fall. Die Expertenteams üben regelmässig, die Fälle jedoch sind fiktiv. Csaba Kiss, Psychologe bei der Kantonspolizei Basel-Stadt: «Es ist aktuell das einzige Verfahren, das wissenschaftlich objektiven Kriterien genügt.» Alle Resultate würden in einem internen Fachgremium besprochen, um einseitige Interpretationen zu vermeiden, so Kiss.

Geregelt ist auch das Vorgehen, wenn Dyrias einen Schüler als «gefährdet» einstuft: Das Erziehungsdepartement soll in einem solchen Fall zusammen mit den Eltern und der Jugendanwaltschaft über Massnahmen entscheiden. Wie viel die definitive Softwarenutzung später einmal kosten soll, lässt sich noch gar nicht beziffern. Zürich befinde sich in Lizenzverhandlungen, sagt Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich. Basel ebenso. (Basler Zeitung)

Erstellt: 01.09.2010, 11:10 Uhr

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6 Kommentare

Stefan Kreis

01.09.2010, 11:34 Uhr
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was die Software kostet und wie wirksam sie ist? Unanständige Fragen! Das spielt doch kaum eine Rolle, der Steuerzahler bezahlts ja! Beim VBS wurden auch 700 Mio CHF für nutzlose Computerprogramme ausgegeben, die jetzt abgeschrieben werden müssen. Geradestehen muss dafür keiner der gutbezahlten verantwortlichen Beamten. Der Steuerzahler macht die Faust im Sack.... Antworten


Martin Ebnoether

01.09.2010, 12:37 Uhr
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Na, man sieht doch auf einen Blick, wie wirksam diese Software ist! Sogar rueckwirkend, denn wieviele Amoklaeufe an Schulen gab es denn in den letzten paar Jahren an schweizer Schulen? Hmm... Leibacher? Ah nein, das war das Zuger Parlament. Tschanun vielleicht? Nein, der war im Zuercher Bauamt unterwegs. Irgendwelche Angestellte, die bei KMUs gekuendigt wurden, auch keine Schueler. Mist. Antworten




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