Schweiz
Computerchaos lähmt die Schweizer Armee
Aktualisiert am 25.10.2009 7 Kommentare
Die Informatik bereitet der Schweizer Armee Kopfschmerzen: Computeranlage in einem Bunker in Bern. (Bild: Keystone)
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Als «Paradebeispiel» nennt er in einem Interview mit dem «SonntagsBlick» das Führungssystem FIS des Heeres, das unter der Ägide von Armeechef Christophe Keckeis und Verteidigungsminister Samuel Schmid für rund 700 Millionen Franken gekauft worden war. FIS hätte es den Generälen erlauben sollen, Schlachten vom Bildschirm aus zu lenken.
Daraus wird nun wohl nichts: Obwohl das System bereits mit den Rüstungsprogrammen 06 und 07 beschafft worden war, kann es laut Maurer erst ab 2011 eingeführt werden. Ab 2015 soll es von der Truppe dann voll genutzt werden können. Ob die Software dann noch auf dem neusten Stand sei, sei allerdings fraglich, sagte Maurer.
Und FIS ist nicht das einzige Informatik-Debakel: Insgesamt habe die Armee in den letzten Jahren 500 verschiedene Computer-Programme eingekauft. «Die sind aber nicht kompatibel, können nicht miteinander kommunizieren», klagte der Verteidigungsminister.
Schuldige will er nicht benennen
Zudem gebe es rund 2000 Applikationen, zum Teil selber entwickelte. «Wir sind schlicht nicht in der Lage, das alles zu betreiben.» Einen Teil der teuren Software will Maurer darum einstellen. «Wir müssen nun ausdünnen», sagte er.
Den Rest sollen 50 zusätzliche Angestellte und eine Taskforce mit externen Experten zum Laufen bringen. «In fünf Jahren wird das ganze EDV-System funktionieren», versicherte Maurer.
Schuldige will er nicht benennen. Die Armee sei laufend reformiert worden, und das Parlament habe den Rüstungsprogrammen jeweils zugestimmt, sagte er. «Da wäre es billig, jetzt einen einzelnen Schuldigen zu suchen.» (bru/sda)
Erstellt: 25.10.2009, 11:31 Uhr
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7 Kommentare
In all meinen WKs hiess es immer "Es kommt irgendwann das FIS...". Aber wir hatten so grosse Datenmengen zu bewältigen, dass das nicht mehr auf Plastikfolien über Karten ging. Also haben wir selbst eine Applikation geschrieben, logischerweise unkompatibel. Kommt von oben nix, wird sich unten selber geholfen. Antworten
Dieses Problem ist hausgemacht - da in der Armee 95 das Heer und die Luftwaffe strikte getrennt wurden, war der Austausch von Daten und Informationen nicht notwendig. Daher habene beide Zweige ihre eigenen Anwendungen entwicklen lassen - mit der Armee XXI wurde alles wieder zusammen gelegt - mit dem Ergebnis, dass kein Austausch möglich ist, resp. zwei Anwendungen das gleiche machen.... Antworten
2000 scheint mir auch viel, ist jedoch eigentlich nicht von Bedeutung. Wesentlicher scheint mir die Symptomatik, offenbar wird hier zuwenig auf Kompatibilität geachtet. Ein weiterer dramatischer Punkt aus meiner Sicht ist, dass Software im Jahre 06/07 beschafft wird, aber erst 2015 bei der Truppe einsatzbereit ist; in 9 Jahren verändert sich zu vieles (Situationen und Technik). Antworten
Was sind das für EDV "Spezialisten" beim VBS und der Ruag, haben die überhaupt eine Ahnung was sie machen?? Ich meine, diese Leute wo für das Debakel verantwortlich zeichnen, sind wirklich am falschen Platz. Wünsche Br. Ueli Maurer viel geschiklichkeit und einen guten Richer um das VBS in den Griff zu bekommen. Ueli viel Glück und Kopf hoch!! Martin Bosshart Antworten
2000 Applikationen ? Stimmt die Zahl wirklich? Wenn ja = in jedem Betrieb ist der Chef für den Laden verantwortlich. Wenn's nicht rund läuft, sollte er schnellstmöglich die nötigen Massnahmen zur Abhilfe der Missstände einleiten.Die meisten Parlamentarier verstehen doch nichts von Logistik etc. Fragt doch Hr. Spuhler, der kann helfen! Antworten
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Manuel Kunz
Als Student der Informationswissenschaften frage ich mich: Computer- oder Informationschaos? Nicht abgestimmte Arbeitsabläufe, Programme mit fehlenden Schnittstellen und die Tatsache, dass nicht bekannt ist, wo welches Wissen genau vorhanden ist - damit beschäftigen wir uns. Es wäre deshalb angezeigt, wenn bei der Problemlösung auch Information Broker helfen würden - nicht "nur " Informatiker! Antworten