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Couchepin: «Hauen Sie ab!»

Von Verena Vonarburg, Bern. Aktualisiert am 06.05.2009 140 Kommentare

Beim Thema Komplementärmedizin liegen Bundesrat Couchepins Nerven offenbar blank. Ein kritisches Interview hat er unlängst äusserst rüde abgebrochen.

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Kein Interesse: Der Gesundheitsminister denkt nicht daran alternative Heilmethoden wieder in die Grundversicherung aufzunehmen.
Bild: Keystone

   

Dass Pascal Couchepin kein Freund der Komplementärmedizin ist, daraus hat er noch nie ein Hehl gemacht. Er denkt auch nicht daran, alternative Heilmethoden wieder in die Grundversicherung aufzunehmen, egal ob die Schweizer Stimmenden am 17. Mai einem Verfassungsartikel zur Komplementärmedizin zustimmen oder nicht.

Wie sehr ihm das Thema zuwider ist, hat Couchepin kürzlich eine Tessiner Fernsehjournalistin spüren lassen, als sie im Vorfeld der Abstimmung noch einmal eine unrühmliche Geschichte aufrollte: die Geschichte jener Expertenkommission, die im Auftrag des Bundes bewerten sollte, was alternativmedizinische Methoden taugen. Die Fachleute hatten 2005 in einem Entwurf ihres Schlussberichts empfohlen, drei von fünf Methoden in die Grundversicherung aufzunehmen. Einen Monat später war von diesem positiven Zeugnis im Schlussbericht jedoch nichts mehr zu lesen.

Couchepin habe politischen Druck ausgeübt und eine ihm nicht genehme wissenschaftliche Arbeit zerstört, werfen ihm seither Kritiker vor. Auch die GPK des Nationalrats hat gerügt, die Wissenschaftlichkeit sei nicht gewährleistet worden.

Couchepins Legende

Da diese Geschichte so hohe Wellen geworfen hat, sollte sie dem kritisierten Bundesrat eigentlich bestens präsent sein. Doch als ihn die Journalistin Serena Tinari auf die drei Expertenempfehlungen zugunsten der Komplementärmedizin anspricht, behauptet er Erstaunliches: «Das ist eine Legende, die seit Jahren wiederholt wird, aber es stimmt nicht.» Hätten die Experten eine positive Empfehlung abgegeben, «hätte ich das akzeptiert». Couchepins Aussagen wurden im Rahmen eines längeren Berichts unlängst in der Sendung «Falò» des Tessiner Fernsehens und auch im Westschweizer TV ausgestrahlt.

Die Journalistin beharrte in der Folge des Gesprächs auf den Expertenaussagen und auf weiteren kritischen Punkten der ganzen Angelegenheit. Und Couchepin begann zusehends, die Beherrschung zu verlieren. Das Ganze endete in einem Eclat. Die Anwesenden erinnern sich übereinstimmend an die Szene. Der Bundesrat steht auf und kanzelt Tinari ab: «Das ist unprofessionell! Das sind Nichtigkeiten! Jetzt hauen Sie ab! Sie werden hier nie mehr erscheinen!»

Am Ende hat sich Couchepin wieder etwas beruhigen lassen, man verabschiedete sich mit Handschlag, doch die Journalistin bleibt «sehr erstaunt» über das bundesrätliche Verhalten. Sie sei stets anständig geblieben, habe die Fragen sogar vorher eingereicht. «Es darf doch nicht sein, dass ein Bundesrat sich so verhält, nur weil man ihm unangenehme Fragen stellt.»

«Arroganz der Macht»

Pedro Koch, früher im Bundesamt für Sozialversicherung für die Evaluation der Komplementärmedizin zuständig, spricht von einer «Arroganz der Macht, die sich im Departement Couchepin auch bei anderen Gelegenheiten zeigt».

Ganz anders sieht Couchepins Informations-cef Jean-Marc Crevoisier den Vorfall: Couchepin rede von einer Legende, da «wir diesen mysteriösen Zwischenbericht der Experten nie zu Gesicht bekommen haben. Wir sahen nur den Endbericht.» Jenes Papier, das im Unterschied zum Entwurf sämtliche Methoden der Komplementärmedizin negativ bewertet hat.

«Jetzt reichts»

Couchepin, so Crevoisier weiter, «war nicht vorbereitet auf so pointierte Fragen, weil wir nicht ahnen konnten, dass Frau Tinari sich derart stark auf diese alte Geschichte konzentriert». Couchepins Sprecher räumt ein, dass das Interview «etwas chaotisch» verlaufen sei, «da die Journalistin bis zu fünfmal hintereinander immer wieder dieselbe Frage stellte». Schliesslich habe er, Crevoisier, sagen müssen: «Jetzt reichts.» Er habe schon viele Interviews erlebt: «Aber so penetrant auf einer These herumgeritten ist noch niemand.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.05.2009, 10:02 Uhr

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140 Kommentare

hansjackob keller

06.05.2009, 15:48 Uhr
Melden

@Pascal Strupler: Vielen Dank für Ihren lustigen Beitrag! Endlich mal wieder was zu lachen! Antworten


Andreas Witschi

06.05.2009, 10:08 Uhr
Melden

Couchepin's Zeit ist längst abgelaufen; sie hätte auch gar nie beginnen dürfen. Wenn eine Lobby auf ein Gebäude eklatanter Unwahrheiten fusst, ist das das eine. Wenn aber ein vom Parlament gewählter Bundesrat noch meint, diesem unsäglichen Hokuspokus reden zu müssen, droht die Demokratie vollends pervertiert zu werden. Mit "Hauen Sie ab!" hat Couchepin sein eigenes Schicksal wortwörtlich markiert. Antworten



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