Dänen behalten Schweizer Greenpeace-Aktivisten in Haft
Von Nicole Roos. Aktualisiert am 24.12.2009
Christian Schmutz (ganz rechts) am Klimagipfel.
Marion M. hoffte sehr, zusammen mit ihrem Lebenspartner Christian Schmutz und dem gemeinsamen Sohn Weihnachten feiern zu können. Gestern Nachmittag haben sich diese Hoffnungen zerschlagen. Der Greenpeace-Aktivist aus dem Zürcher Oberland sitzt seit einer Woche in Dänemark in Einzelhaft.
Der unechte Bodyguard
Er war während des Klimagipfels am vergangenen Donnerstag verhaftet worden, als er sich mit drei Kollegen – als Bodyguard verkleidet – am Staatsempfang der dänischen Königin Margarethe einschleuste. In der Empfangshalle entrollten die vier ein Transparent: «Politiker reden, Leader handeln». Daraufhin verhaftete die dänische Polizei die Aktivisten.
Christian Schmutz' Rekurs gegen die Verhaftung wurde gestern Nachmittag abgelehnt. Das bedeutet, dass der 37-jährige Kampagnenleiter bis zum Prozess vom 7. Januar in Dänemark bleiben muss. Gestern Vormittag trafen sich laut Greenpeace rund 60 Menschen vor der dänischen Botschaft in Bern zu einer «Mahnwache».
Dem inhaftierten Schweizer wurde ein Kontaktverbot auferlegt. Einzig der Schweizer Konsul in Dänemark konnte Schmutz im Gefängnis besuchen. Er darf nicht telefonieren, sondern nur Briefe schreiben, erzählt seine Partnerin. Seit der Verhaftung hat sie nicht mehr mit ihm sprechen können, daher schrieb sie ihm einen Brief. «Es geht ihm den Umständen entsprechend gut», sagt die 37-Jährige. Er sitze in einer Einzelzelle und habe nichts ausser seinen Kleidern und etwas Geld. Wenn er einen Brief schreiben wolle, dann werde ihm das Papier gebracht und danach wieder weggenommen.
Polizei griff hart durch
Die Frau ist schockiert, wie hart die Polizei durchgegriffen hat: «Christian hat für Greenpeace schon andere Aktionen gemacht, aber so heftig war die Reaktion der Polizei noch nie.» Zudem bestehe doch gar keine Fluchtgefahr, da die Aktivisten immer für ihre Aktionen gerade- stehen würden.
Die bevorstehenden Festtage muss Marion M. nun ohne ihren Partner verbringen, die gemeinsamen Ferien fallen ins Wasser. Das sei schon hart, sagt sie, vor allem auch für den 2-jährigen Sohn. Sie will nun ein Gesuch stellen, damit sie ihren Lebenspartner im Gefängnis besuchen kann. «Aber bis das Gesuch behandelt wird, dauert es eine Woche; wegen der Feiertage wohl noch länger», sagt sie. Ihr Weihnachtswunsch, dass die dänischen Behörden ihre menschliche Seite zeigen würden, wurde nicht erfüllt.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.12.2009, 13:56 Uhr
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