Schweiz
Das Durchdiener-Kontingent wird erstmals ausgeschöpft
Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 22.11.2011 24 Kommentare
(Bild: TA-Grafik mt / Eidg. Departement für Verteidigung)
Artikel zum Thema
An der Frage der Durchdiener entzünden sich seit Jahren ideologisch gefärbte Armeedebatten. Für Reformer ist der Dienst am Stück das Modell der Zukunft: Die Soldaten fehlen nicht jedes Jahr wegen WK-Pflichten am Arbeitsplatz. Zudem sind Durchdiener eine Möglichkeit, den Armeebestand zu reduzieren. Denn nach 300 Tagen Dienst werden sie in die Reserve entlassen und zählen nicht mehr zu den aktiven Soldaten. Konservative lehnen Durchdiener ab. Aus ihrer Sicht widerspricht es der Tradition des Bürgers in Uniform, der mitten im Berufsleben steht und gleichzeitig Militärdienst leistet. Für sie sind Durchdiener ein Schritt Richtung Berufsarmee.
Eingeführt wurde das freiwillige Durchdiener-Modell 2002. Dabei legte das Parlament fest, dass jeweils höchstens 15 Prozent eines Rekrutenjahrgangs den Dienst am Stück leisten dürfen. Nach der Pilotphase von 2002 bis 2004 stiegen die Zahlen der Durchdiener kontinuierlich. 2007 wurden die Anforderungen erhöht. Seither müssen Durchdiener zwingend über einen Lehrabschluss oder eine Matura verfügen oder Studenten sein. Dies führte vorübergehend zu weniger Durchdienern.
Permanent einsatzbereit
Laut Angaben des Verteidigungsdepartements (VBS) wird 2011 nun erstmals das Kontingent ausgeschöpft. Bis zum 1. Oktober wurden 3274 Durchdiener rekrutiert. Die Obergrenze für 2011 liegt bei rund 3800 Durchdienern. Bis Ende Jahr werden noch weitere 700 Durchdiener rekrutiert. Damit wird das Kontingent laut VBS nur scheinbar überschritten: Erfahrungsgemäss entscheiden sich zwischen Rekrutierung und Rekrutenschule etwa 10 Prozent der als Durchdiener Rekrutierten, einen gewöhnlichen Dienst zu leisten.
Durchdiener sind vor allem bei der Infanterie, der Luftwaffe sowie bei Rettungs- und Logistiktruppen eingeteilt. Während ihrer Dienstzeit leisten sie insbesondere subsidiäre Einsätze. Vorteilhaft wirkt sich aus, dass die permanent einsatzbereiten Durchdiener im Fall von Naturkatastrophen rasch aufgeboten werden können. Im Gegenzug berichten Durchdiener, dass der lange Militärdienst am Stück mit der Zeit zu Motivationsproblemen führen kann.
«Wir müssen die Situation neu beurteilen»
Regelmässig scheiterten bisher im Parlament Vorstösse zur Erhöhung des Durchdieneranteils. Oft argumentierten die Gegner, es mangle an genügend Interessenten, um nur schon das Kontingent von 15 Prozent auszuschöpfen. Dieses Argument fällt nun weg. «Dass das Kontingent erstmals ausgeschöpft wurde, schafft eine neue Ausgangslage», sagt der Basler FDP-Nationalrat Peter Malama. Er will die Frage einer Erhöhung des Kontingents in der Sicherheitspolitischen Kommission (SIK) thematisieren. Damit stösst er bei der angehenden Kommissionspräsidentin Chantal Galladé auf offene Ohren. «Wir müssen die Situation neu beurteilen», sagt die Zürcher SP-Nationalrätin. Sie begrüsst das Durchdiener-Modell unter anderem, weil es wirtschaftsfreundlich ist. «Für junge Männer wird es immer schwieriger, WK-Pflichten und berufliche Karriere unter einen Hut zu bringen», sagt Galladé.
Dezidiert gegen eine Erhöhung des Kontingents ist SIK-Mitglied Thomas Hurter (SVP, SH): «Durchdiener widersprechen dem Milizmodell.» Es mache keinen Sinn, einen Grossteil der Armee nach 300 Tagen am Stück gut ausgebildet in die Reserve zu entlassen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.11.2011, 18:43 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
24 Kommentare
Jaja, Herr Hurter hat recht. Wenn der Russe von einem Tag auf den anderen an der Grenze steht, dann muss die Armee bereit sein. Da kann man dann die Leute nicht zuerst noch aufbieten, die müssen schon von Anfang an mit den Flugis herumspielen damit sich die anderen im Gotthard verstecken und Militärschoggi verdrücken können. Ganz trümmlige Ansichten haben diese Leute. Antworten
Egal ob WKs oder Durchdiener: Unsere trümmlige Burbaki Truppe ist für den Eimer. Doktrin aus den 70ern, Strategie aus den 50ern, Kader mit IQ in den 30ern. Milizkonzept: Gut, Umsetzung: Himmeltruurig. Das ist keine Armee, das ist ein Volkstheater. Habe dies zu genüge erlebt, erst Jahre bei den Lepoard Panzern, dann als B-Waffen Spez. Riesen Gugus! Antworten
Schweiz
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Bitte warten




